Selenskyj: Kaum noch Zivilisten in Bachmut

Seit Wochen ist die Stadt im Osten der Ukraine heftig umkämpft. Der ukrainische Präsident sagt, es gebe „keinen Ort“, der „nicht mit Blut bedeckt“ sei.

Rauchschwaden steigen aus einem brennenden Gebäude nach einem Angriff auf Bachmut auf.
Rauchschwaden steigen aus einem brennenden Gebäude nach einem Angriff auf Bachmut auf.AP/Libkos

In der heftig umkämpften Stadt Bachmut im Osten der Ukraine leben nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj kaum noch Zivilisten. „Im vergangenen Jahr lebten dort 70.000 Menschen. Jetzt sind nur noch ein paar Zivilisten geblieben“, erklärte Selenskyj am Mittwoch im Onlinedienst Facebook. Angaben zur Anzahl der noch verbliebenen Zivilisten in der Stadt machte er nicht.

Es gebe in der Stadt „keinen Ort“, der „nicht mit Blut bedeckt“ sei, schrieb Selenskyj und fügte mehrere Aufnahmen hinzu, die das Ausmaß der Zerstörung in der Stadt zeigten. Nach Angaben von AFP-Journalisten, die sich in den vergangenen Wochen mehrfach in Bachmut aufhielten, werden die ohnehin schwierigen Lebensbedingungen durch den fehlenden Zugang zu Wasser und Strom zusätzlich erschwert.

Selenskyj war am 20. Dezember nach Bachmut gereist – einen Tag vor seinem Besuch in Washington, wo er dem US-Kongress eine ukrainische Flagge mit Unterschriften von in Bachmut kämpfenden Soldaten überreichte.

Ukraine: Russland hat mehr als 35.000 Objekte zerstört

Nach Regierungsangaben sind in der Ukraine seit Beginn des russischen Angriffskriegs mehr als 700 Objekte der kritischen Infrastruktur zerstört worden. „Es geht um Gas-Pipelines, Umspannwerke, Brücken und ähnliches“, sagte der stellvertretende ukrainische Innenminister Jewgeni Jenin am Mittwoch im Fernsehen. Insgesamt seien mehr als 35.000 Objekte von den russischen Truppen kaputt geschossen worden, fügte er hinzu.

Auch in der Nacht zum Mittwoch und am Morgen gab es wieder Luftangriffe. Die kürzlich von der Ukraine zurückeroberte Stadt Cherson wurde nach Angaben des Generalstabs von 33 Raketen und mit Artillerie beschossen. Die Liste der zivilen Opfer ist lang: Es wurden laut UN mindestens 18.000 unbewaffnete Menschen getötet oder verwundet.

Moskau will annektierte Gebiete definitiv behalten

Ein möglicher Friedensplan für die Ukraine muss aus Sicht des Kreml Russlands Annexion der vier Gebiete im Osten und Süden des Landes anerkennen. „Es kann keinen Friedensplan für die Ukraine geben, der nicht die heutigen Realitäten auf dem russischen Territorium berücksichtigt“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Mittwoch der russischen Nachrichtenagentur Interfax zufolge. Er reagierte damit auf die von Selenskyj beim G20-Gipfel auf Bali vorgetragene Friedensformel. Kernforderungen der Ukraine sind der Abzug russischer Truppen und Reparationszahlungen. Moskau hat zwar immer wieder erklärt, zu Verhandlungen bereit zu sein. Allerdings zeigt Russland auch aus Sicht Berlins keinerlei Signale, „von seinen ursprünglichen Kriegszielen abzulassen“, wie ein Sprecher des Auswärtigen Amtes am Mittwoch betonte.