Raketenangriff auf Hafen von Odessa: Russland beteuert seine Unschuld

Zwei Raketen haben am Samstag wichtige Getreidelager getroffen. Türkischen Angaben zufolge habe Moskau versichert, nichts damit zu tun zu haben.

Der Hafen von Odessa vor dem Angriffskrieg der Russen (Archivbild)
Der Hafen von Odessa vor dem Angriffskrieg der Russen (Archivbild)dpa/Jussi Nukari

Russland hat die Verantwortung für den Raketenangriff auf den Hafen der ukrainischen Stadt Odessa nach Angaben der Türkei zurückgewiesen. Die Türkei stehe mit der Ukraine und Russland in Kontakt, und Moskau habe versichert, dass es nichts mit diesem Angriff zu tun habe und den Vorfall untersuchen wolle, sagte der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar am Samstag.

Einen Tag nach der Einigung auf eine Wiederaufnahme der blockierten Getreide-Lieferungen war der für die Ausfuhr wichtige ukrainische Hafen von Odessa nach ukrainischen Angaben von russischen Raketen getroffen worden. Die Ukraine und Russland hatten sich am Freitag unter Vermittlung der UNO und der Türkei auf ein Abkommen geeinigt, um die seit Kriegsbeginn blockierten ukrainischen Getreidelieferungen wiederaufzunehmen.

„Gestern wurde der Export über den Seeweg vereinbart, und heute greifen die Russen den Hafen von Odessa an“, erklärte der Chef des ukrainischen Präsidentenbüros, Andrij Jermak, am Samstag. Nötig seien „effektive Sanktionen gegen Russland und mehr Waffen für die Ukraine“, forderte er. Die Vereinten Nationen und die Europäische Union verurteilten den Beschuss umgehend. Für die Ukraine war es der 150. Tag des russischen Angriffskriegs.

Zwei Raketen treffen Getreidelager

„Zwei Raketen haben die Hafeninfrastruktur genau dort getroffen, wo offensichtlich Getreide war“, sagte der ukrainische Militärsprecher Jurij Ignat. Zwei weitere Raketen seien von der Luftabwehr abgeschossen worden, fügte Bratschuk hinzu. Damit habe Russlands Präsident Wladimir Putin der Uno und der Türkei „ins Gesicht gespuckt“, hieß es von ukrainischer Seite. Die Uno und die Türkei hatten zwischen Kiew und Moskau vermittelt.

Odessa ist die größte Stadt und der wichtigste Hafen an der Schwarzmeerküste. Sie ist für die Wiederaufnahme der ukrainischen Getreideexporte von entscheidender Bedeutung.

Erst am Freitag hatten beide Seiten in Istanbul ein Abkommen unterzeichnet, das abgesicherte Transitrouten im Schwarzen Meer für die Getreidelieferungen vorsieht. Die in wochenlangen Verhandlungen erreichten Regelungen sehen Korridore für die Getreideexporte aus drei ukrainischen Häfen im Raum Odessa vor. Die Kriegsparteien sagten zu, keine Schiffe auf diesen Routen anzugreifen.

Die Regelungen sollten unter anderem die Ausfuhr der geschätzten 20 bis 25 Millionen Tonnen Weizen ermöglichen, die durch den Krieg in ukrainischen Silos feststecken. Russland und die Ukraine gehören zu den weltweit größten Getreideproduzenten. Vor Beginn der russischen Invasion lieferten sie zusammen etwa 30 Prozent des weltweit gehandelten Weizens.