Ukraine: Weiterer Mitarbeiter des AKW Saporischschja entführt

Der Vizegeneraldirektor soll von „russischen Terroristen“ an einem unbekannten Ort festgehalten werden. Wahrscheinlich werde er dort gefoltert, so Energoatom.

Das ukrainische Atomkraftwerk Saporischschja
Das ukrainische Atomkraftwerk SaporischschjaAP

Die Ukraine hat Russland die Entführung eines weiteren hochrangigen Mitarbeiters des ukrainischen Atomkraftwerks Saporischschja vorgeworfen. Am Montag hätten „russische Terroristen“ den Vizegeneraldirektor für Personalwesen, Waleri Martynjuk, „entführt“, teilte der staatliche ukrainische AKW-Betreiber Energoatom am Dienstag mit. Martynjuk werde „an einem unbekannten Ort“ festgehalten, hieß es in der Erklärung. Den „russischen Terroristen“ warf die Behörde vor, „wahrscheinlich die für sie typischen Folter- und Einschüchterungsmethoden“ anzuwenden.

Russland versucht Energoatom zufolge, Informationen über die Personalakten der Angestellten des Kraftwerks zu erlangen, um die ukrainischen Mitarbeiter zu zwingen, so schnell wie möglich für den russischen Betreiber Rosatom zu arbeiten. Anfang Oktober teilte die Ukraine mit, dass der Generaldirektor des AKW Saporischschja, Ihor Muraschow, entführt wurde. Russischen Angaben zufolge wurde er „vorübergehend festgenommen, um Fragen zu beantworten“. Am Montag vor einer Woche wurde er wieder freigelassen.

Generaldirektor des AKW ebenfalls entführt

Energoatom forderte nun den Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Rafael Grossi, auf, sich für Martynjuks Freilassung einzusetzen. Grossi wollte am Dienstag in St. Petersburg den russischen Präsidenten Wladimir Putin treffen. Das Gespräch wurde vor dem Hintergrund der wiederholten Angriffe rund um und auf das Atomkraftwerk Saporischschja in den vergangenen Monaten vereinbart. Das größte Atomkraftwerk Europas im Süden der Ukraine ist seit März von russischen Truppen besetzt.

Vor wenigen Tagen hatte Putin das AKW per Dekret unter russische Verwaltung gestellt. Grossi setzt sich für eine Schutzzone rund um das AKW ein und war deshalb zuvor auch in Kiew. Am Montag hatte Moskau mehrere Städte in der Ukraine mit Raketen angegriffen, die nach ukrainischen Angaben vor allem gegen die Energieinfrastruktur des Landes gerichtet waren.