Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hält die nach Kremlangaben nun von Russland kontrollierte Hafenstadt Mariupol noch nicht für komplett verloren. „Die Situation ist schwierig, die Situation ist schlecht“, sagte der Staatschef am Donnerstag örtlichen Medien zufolge in Kiew. Es gebe mehrere Wege, die Stadt zu befreien.

„Es gibt einen militärischen Weg, auf den man sich vorbereiten muss, und wir bereiten uns vor“, sagte Selenskyj. Dazu brauche es die Hilfe westlicher Partner. „Für uns selbst ist es schwierig, wir brauchen entsprechende Waffen, doch denken wir darüber nach“, meinte er. Ein anderer Weg sei ein diplomatischer, humanitärer.

Kiew habe Moskau bereits mehrere Varianten vorgeschlagen, darunter einen Austausch von „Verwundeten gegen Verwundete“. „Dort gibt es über 400 Verwundete in dieser Zitadelle. Das sind nur die Soldaten.“ Es gebe ebenfalls verletzte Zivilisten. „Vor uns liegen entscheidende Tage, die entscheidende Schlacht um unseren Staat, um unser Land, um den ukrainischen Donbass“, betonte Selenskyj.

Stahlwerk Asow-Stahl noch nicht von Russen besetzt

Mariupol war kurz nach dem Beginn des russischen Angriffskrieges vor zwei Monaten von gegnerischen Truppen eingekreist worden. Einzig in dem Stahlwerk Asow-Stahl harren noch mehrere Hundert ukrainische Soldaten in Bunkeranlagen aus. Bei ihnen sollen nach ukrainischen Angaben zudem noch etwa 1000 Zivilisten sein.

Der russische Präsident Wladimir Putin hatte die Stadt für erobert erklärt und befohlen, von einem Sturm der Anlagen abzusehen. Einige haben erklärt, sie wollten nicht aufgeben und sich in russische Gefangenschaft ausliefern. Wie groß die Vorräte der Eingeschlossenen an Lebensmitteln und Munition sind, ist unklar. (dpa, chg)