Ukraine: Selenskyj vermeldet „erhebliche Erfolge“ bei Gegenoffensive

In Donezk könnte die Ukraine bald die Stadt Lyman zurückerobern. Offensiven in dieser Region könnten von Moskau jedoch als Angriff auf Russland gewertet werden.

Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, prophezeite Russland „Niederlage, Schande und Verurteilung“.
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, prophezeite Russland „Niederlage, Schande und Verurteilung“.dpa/Ukrainian Presidential Press Office

Nach der Annexion von vier besetzten ukrainischen Gebieten durch Russland hat Ukraines Präsident Wolodymyr Selenskyj „erhebliche Erfolge“ der ukrainischen Gegenoffensive im Osten des Landes vermeldet. „Jeder hat gehört, was in Lyman, in der Region Donezk, passiert“, sagte Selenskyj in seiner täglichen Videobotschaft am Freitag, mit Verweis auf die Fortschritte bei der Rückeroberung der strategisch wichtigen Stadt, die seit dem Frühjahr von Moskaus Truppen besetzt ist.

Ukrainische Streitkräfte haben nach eigenen Angaben nahe der Stadt Lyman Tausende russische Truppen eingekesselt. „Die russische Gruppierung in der Nähe von Lyman ist eingekesselt“, sagte ein Sprecher der Armee im Osten des Landes am Samstag laut der Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine. Demnach hätten sich zuvor „etwa 5000 bis 5500“ russische Truppen in dem von Moskau besetzten Gebiet befunden, die Militäroffensive könnte sie jedoch „reduziert“ haben.

Die strategisch wichtige Stadt Lyman ist seit dem Frühjahr von Moskaus Truppen besetzt. Dem Militärsprecher zufolge konnten fünf Ortschaften in der Nähe der Stadt befreit werden.

Zuvor hatte der russische Präsident Wladimir Putin am Freitag in einer aufwendigen Zeremonie im Kreml offiziell die Abkommen zur Annexion von vier vollständig oder teilweise von Moskau kontrollierten Regionen in der Ukraine, darunter auch Donezk, unterzeichnet. Westliche Regierungen haben dies einhellig als völkerrechtswidrigen „Landraub“ verurteilt, dem von Moskau erzwungene „Scheinreferenden“ in den Gebieten vorausgegangen seien.

Medwedew droht mit „strategischen Atomwaffen“, Selenskyj unbeeindruckt

Mit der Annexion hatte die russische Führung klargemacht, dass sie Angriffe auf diese Regionen künftig als Angriffe auf russisches Staatsgebiet betrachten werde. Für diesen Fall drohte die Nummer zwei des russischen Sicherheitsrates, Ex-Präsident Dmitri Medwedew, mit dem Einsatz „strategischer Atomwaffen“.

Selenskyj zeigte sich von den russischen Drohungen offenbar unbeeindruckt. „Wir müssen unser gesamtes Land befreien und das wird der beste Beweis dafür sein, dass internationales Recht und menschliche Werte nicht von einem terroristischen Staat zerstört werden können“, sagte er.

Zwar werde der Weg der Ukraine „schwierig“ werden, gab Selenskyj zu. Doch es sei der Weg von „Unabhängigkeit, territorialer Integrität, Integration in die zivilisierte Welt und sozialer Entwicklung“, versicherte der ukrainische Präsident. Der Weg „unseres Feindes“ sei ebenfalls klar, prophezeite Selenskyj: „Niederlage, Schande und Verurteilung“.

Die prorussische Führung in Donezk erklärte am Freitag, dass Moskaus Truppen und ihre Verbündeten mit „letzter Kraft“ an Lyman festhielten und dass russische Soldaten in der Stadt „teilweise umzingelt“ seien.

Lambrecht: Von Putins Atomdrohungen nicht lähmen lassen

Verteidigungsministerin Christine Lambrecht hat angesichts der russischen Drohungen zum Einsatz von Atomwaffen vor einer Lähmung des Westens gewarnt und zur weiteren Unterstützung der Ukraine aufgerufen. Die Drohungen würden von der Bundesregierung ernst genommen und sehr besorgt beobachtet, sagte die SPD-Politikerin am Samstag in Chisinau in Moldau nach einem Treffen mit ihrem Amtskollegen Anatolie Nosatii. Zugleich sagte Lambrecht Moldau weitere Unterstützung bei der Ausrüstung und Ausbildung der Armee des Landes zu. Unter anderem geht es dabei um die Beschaffung von Drohnen.

Zu den Atomdrohungen von Russlands Präsident Wladimir Putins sagte Lambrecht: „Da gilt es, sehr aufmerksam zu sein. Aber da gilt es auch, sich von solchen Drohungen nicht lähmen zu lassen.“ Sie ergänzte: „Das darf nicht dazu führen, dass man nachlässig in der Unterstützung für die Ukraine wird.“ Es gelte nun, „wachsam zu sein, sehr besonnen zu reagieren und auch dafür zu sorgen, dass es zu keiner weiteren Eskalation kommt“. Die Ukraine müsse weiterhin konsequent unterstützen werden.