Goldzähne aus russischer Folter? Zahnarzt widerspricht

In einem ukrainischen Dorf soll ein grausiger Fund gemacht worden sein. Nun gibt es Zweifel an der Behauptung des ukrainischen Verteidigungsministeriums.

Die vom ukrainischen Verteidigungsministerium auf Twitter veröffentlichten Fotos zeigen die Kiste voller Goldzähne.
Die vom ukrainischen Verteidigungsministerium auf Twitter veröffentlichten Fotos zeigen die Kiste voller Goldzähne.Screenshot Twitter/Defense of Ukraine

Im ukrainischen Dorf Pisky-Radkivski in der Oblast Charkiw sollen ukrainische Soldaten nach Angaben des ukrainischen Verteidigungsministeriums eine „Folterkammer“ entdeckt haben. Das teilte das Ministerium auf Twitter mit. Es sei unter anderem eine Kiste mit Goldzähnen gefunden worden. Doch eine Recherche der Bild-Zeitung hat ergeben: Die Meldung des ukrainischen Verteidigungsministeriums könnte erfunden sein.

Serhij Bolvinov, Leiter der Ermittlungsabteilung des Nationalen Sicherheitsdienstes in der Region Charkiw, berichtete von Zeugen, die ihm von Schreien erzählt hätten. Angeblich soll eine Person lebendig begraben und mit einer Gasmaske mit einem glimmenden Lappen bedeckt worden sein. Das Verteidigungsministerium nannte den Fund ein „Mini-Auschwitz“ und spielt damit auf ein berühmtes Foto aus dem Konzentrationslager Auschwitz an, das Kisten voller Goldzähne zeigt, die den Gefangenen vor ihrer Ermordung gezogen worden sein sollen.

Dorfzahnarzt zweifelt an Darstellung des Ministeriums

Doch wie aus dem Bericht der Bild hervorgeht, könnte die Anschuldigung haltlos sein. Gegenüber der Zeitung sagte der Zahnarzt des Dorfes: „Diese Zähne sehen aus wie die aus meiner Sammlung, die hier geplündert wurde. Ich bin der einzige Zahnarzt hier. Also wenn sie hier gefunden wurden, müssen sie von mir sein.“ Er vermutet, die Russen könnten die Goldzähne aus seinem Haus gestohlen haben, weil sie sie für echtes Gold hielten. Tatsächlich handele es sich aber um rostfreien Stahl. Er bezweifelte, dass sie von toten Menschen stammen.

Der Tweet löste international großes Entsetzen aus. Viele Medien griffen die Thematik auf und sprachen von russischen Folterkammern.

Nach Einschätzungen britischer Geheimdienste sind ukrainische Einheiten in der nordöstlichen Region Charkiw bis zu 20 Kilometer hinter den Fluss Oskil in die russische Verteidigungszone vorgedrungen. Pisky-Radkivski liegt am westlichen Ufer des Flusses, an der Grenze zur Oblast Donezk.

Korrektur: In einer früheren Version des Artikels wurden vornehmlich die Angaben des ukrainischen Verteidigungsministeriums wiedergegeben, wonach die Goldzähne von getöteten Menschen in der Ukraine stammen könnten. Der Darstellung des ukrainischen Verteidigungsministeriums setzen wir nun die gegenteilige Einschätzung des Dorfzahnarztes gegenüber. Wir haben den Beitrag dementsprechend korrigiert.