Die Ukraine hat seit Beginn des russischen Angriffskrieges rund ein Viertel ihrer landwirtschaftlichen Nutzfläche eingebüßt. Trotz dieses Verlustes könne in diesem Jahr genug angepflanzt werden, um die Nahrungsmittelsicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten, sagte der stellvertretende ukrainische Landwirtschaftsminister Taras Wysozkyj am Montag. Denn der Bedarf sei aufgrund von „Massenvertreibungen“ und Abwanderung ins Ausland stark gesunken.

Nach Schätzungen der Internationalen Organisation für Migration (IOM) und des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) wurden durch den Krieg mehr als sieben Millionen Menschen innerhalb der Ukraine vertrieben. Weitere 7,3 Millionen haben demnach das Land verlassen, die meisten von ihnen halten sich im Nachbarland Polen auf.

„Die ukrainischen Landwirte konnten sich vor Kriegsbeginn relativ gut auf die Aussaat vorbereiten“, sagte Wysozkyj. Auch hatte die Ukraine demnach im Februar bereits etwa 70 Prozent der benötigten Düngemittel, 60 Prozent an Pflanzenschutzmitteln und etwa ein Drittel des benötigten Kraftstoffs für die Aussaat importiert.

Russische Truppen verhindern weiterhin den Export von Getreide

Allerdings verhindern der Einmarsch der russischen Truppen und die anhaltende Blockade der ukrainischen Schwarzmeerhäfen die Ausfuhr von Getreide. Dadurch ist nach Einschätzung der Vereinten Nationen die Nahrungsmittelversorgung in vielen anderen, insbesondere ärmeren Ländern bedroht.

Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj lagern 20 bis 25 Millionen Tonnen Getreide in den ukrainischen Häfen und können derzeit nicht ausgeführt werden. Bis zum Herbst könnte die Menge auf 70 bis 75 Millionen Tonnen ansteigen. Vor dem Krieg war die Ukraine weltweit der viertgrößte Lieferant von Weizen und Mais. Zusammen produzieren Russland und die Ukraine 30 Prozent des weltweiten Weizenangebots.