Im Zusammenhang mit den mutmaßlichen Kriegsverbrechen im ukrainischen Butscha bezeichnet der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk „alle Russen“ als „Feinde für die Ukraine im Moment“. In einem Interview mit der FAZ sagte Melnyk weiter: „Es ist nicht Putin, der Menschen in Butscha ermordet hat. Das waren konkrete Menschen aus verschiedenen Regionen Russlands. Sie haben ihre Verwandten, sie telefonieren nach Hause, sie plündern Häuser.“

Für das von Bundestagspräsident Frank-Walter Steinmeier ausgerichtete Benefizkonzert und ähnliche Veranstaltungen äußerte der Botschafter sein Unverständnis. „Für mich war das befremdlich, denn solange der Krieg Russlands in dieser Grausamkeit auf unserem Boden tobt, kann ich mir nicht vorstellen, dass man miteinander feiert“, so Melnyk. Überdies werde es für ihn „keine gemeinsamen Konzerte geben, solange Bomben auf ukrainische Städte fallen“.

Die Frage, ob er russische Freunde habe, verneinte der Diplomat: „Nie gehabt.“ Für ihn bleibe klar, dass Russland ein „Feindstaat“ bleiben wird. Melnyk betont aber auch, dass es nicht um russische Komponisten gehe, die wir „lieben und lieben werden“. Es gebe derzeit nur keinen Anlass, russische Kultur mit Russen zu genießen.

Melnyk hatte die Einladung von Steinmeier zu einem Solidaritätskonzert im März ausgeschlagen und sie als „Affront“ bezeichnet. Das Interview wurde geführt, bevor der Bundespräsident auf die Vorwürfe des Botschafters reagierte. Nun hat Melnyk mit drastischen Worten seine Position untermauert.