Köln - Der ukrainische Handball-Serienmeister Motor Saporischschja spielt in der kommenden Saison in der 2. Bundesliga. „Wir helfen damit, die Existenz des Vereins zu sichern, weil ein Spielbetrieb in der Ukraine wegen des Krieges nicht möglich ist“, sagte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann der Deutschen Presse-Agentur und bestätigte einen entsprechenden Bericht der Bild-Zeitung.

Demnach wird der Champions-League-Teilnehmer, der die heimische Meisterschaft seit 2013 ununterbrochen gewinnen konnte, seine Heimspiele in Düsseldorf austragen und ganz normal in der Tabelle geführt. Der Plan sieht allerdings vor, die Spiele aus dem Auf- und Abstiegskampf herauszurechnen.

Die 2. Liga sollte in der Spielzeit 2022/23 ursprünglich 19 Teams umfassen. Dadurch lässt sich Saporischschja als 20. Mannschaft problemlos in den Spielplan integrieren. „In der Bundesliga wäre das absolut unmöglich gewesen“, betonte Bohmann. Nachdem die Zweitligavereine bereits in der Vorwoche mit großer Mehrheit für die Aufnahme der Ukrainer gestimmt hätten, seien mittlerweile nahezu alle Formalien, wie die Unterbringung der Spieler und ihrer Familien oder die Erlaubnis der ukrainischen Regierung, geklärt worden.

Saporischschja: Europas größtes Atomkraftwerk von Russland besetzt

Am vergangenen Sonntag hatte sich der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bei einem Besuch in der umkämpften Region Saporischschja über die militärische Lage informiert. Knapp 60 Prozent der südostukrainischen Region seien seit dem russischen Einmarsch am 24. Februar inzwischen von Moskaus Truppen besetzt worden, teilten die ukrainischen Behörden mit. „Viele Menschen treffen aus Orten ein, die zeitweise vom Feind besetzt sind“, sagte Selenskyj einer Mitteilung zufolge.

In der Stadt Saporischschja befindet sich zudem das größte Atomkraftwerk Europas. Es wurde von den Russen erobert und besetzt. Am 19. Mai drohte Russland damit, die Ukraine von der Energieversorgung durch das Akw abzuschneiden, sollte Kiew für den dort produzierten Strom nicht bezahlen.

Die Ukraine lehnt jegliche Inspektion des Atomkraftwerks Saporischschja durch den Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) ab, solange die Atomanlage von russischen Truppen besetzt ist. Die ukrainische Atomenergiebehörde Energoatom betonte am Dienstag, es gebe von ihr keine Genehmigung für einen Besuch von IAEA-Chef Rafael Grossi auf dem Akw-Gelände. Bei anderslautenden Angaben Grossis handele es sich um „Lügen“.