In der aktuellen Ausgabe der Zeit vom 16. Juni 2022 hat sich die Politologin Ulrike Guérot zu Anschuldigungen geäußert, sie habe Stellen in zwei ihrer Bücher plagiiert und damit gegen das Urheberrecht verstoßen. In dem Porträt, das der Feuilleton-Autor Ijoma Mangold verfasst hat, wird sie mit den Worten zitiert: „Ich entschuldige mich für Verstöße gegen das Urheberrecht, ich entschuldige mich sehr gerne öffentlich.“ Dann heißt es weiter: „Die Schande klebt wie Pech und Schwefel an mir.“

In dem Porträt geht die Politologin auch auf ihre kritische Haltung gegenüber den Schutzmaßnahmen der Bundesregierung in der Corona-Pandemie ein, die von demokratiefeindlichen Kreisen gutgeheißen wird. In dem Zeit-Text wird auch ein Satz zitiert, den Guérot in einem Interview mit der Berliner Zeitung geäußert hat. Sie hat damals gesagt: „Die kritischen Argumente sind während der Pandemie in eine Art Gegenöffentlichkeit abgewandert.“ In dem Zeit-Porträt verteidigt sie ihre Haltung, obwohl sie dabei von rechtsnationalen Kreisen unfreiwillig unterstützt werde.

In dem Text äußert sich Guérot mit folgenden Worten: „Ich hatte den gesamten liberal-grünen Raum für meine Europa-Ideen. Das Milieu ist mir weggebrochen in dem Moment, wo ich bei Corona auf die Seite der Freiheit gegangen bin, um es mal ein bisschen pathetisch zu sagen. Dann habe ich auf der ‚Seite der Freiheit‘ viel Zuspruch bekommen von einem gesellschaftlichen Raum, den ich vorher nicht bedient habe, von dem ich mich nicht instrumentalisieren lassen möchte und der ja auch mitnichten homogen ist. Trotzdem stehe ich hier und sage: Wenn Björn Höcke mein Buch gut findet, dann darf er das gut finden. Darum bin ich noch lange nicht Björn Höcke. Das ist Hannah Arendt: Wer sein Wort der Öffentlichkeit gibt, kann nicht kontrollieren, was mit ihm passiert.“

Haben Sie Feedback? Schreiben Sie uns! briefe@berliner-zeitung.de