Umfrage: Deutsche wollen nicht später in Rente gehen

Arbeitgeber fordern immer wieder eine Anhebung des Rentenalters. Eine Umfrage zeigt: Die meisten Deutschen würden stattdessen lieber höhere Beiträge zahlen.

Die Mehrheit der Deutschen würde lieber höhere Beiträge zahlen, als später in Rente zu gehen.
Die Mehrheit der Deutschen würde lieber höhere Beiträge zahlen, als später in Rente zu gehen.Marijan Murat/dpa

Eine Anhebung des Rentenalters würde bei vielen Menschen in Deutschland mehr Ablehnung hervorrufen als ein höherer Rentenbeitrag. Gut zwei Drittel der Erwerbstätigen würden lieber mehr in die Rentenkasse einzahlen, wenn sie vor diese Wahl gestellt würden, wie eine am Freitag veröffentlichte Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Kantar im Auftrag des Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) ergab.

Bei den 18- bis 39-Jährigen würden sogar 70 Prozent höhere Beitragszahlungen bevorzugen. Bei älteren Menschen ist die Bereitschaft zu höheren Rentenbeiträgen hingegen etwas geringer – 59 Prozent der 60- bis 66-Jährigen würden sich dafür entscheiden. Vor allem aus dem Arbeitgeberlager kommen immer wieder Forderungen, das Rentenalter in Deutschland zu erhöhen. Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger nannte die Rente einen „Bremsklotz für die wirtschaftliche Zukunft unserer Nation“. 

Gewerkschaften fordern höheres Rentenniveau

Fast alle Befragten (99 Prozent) halten es für wichtig, dass durch die Alterssicherung Armut vermieden werden kann. Zwei Drittel (66 Prozent) halten das sogar für äußerst wichtig. Auch der Erhalt des persönlichen Lebensstandards im Alter spielt für fast alle Erwerbstätigen eine wichtige bis äußerst wichtige Rolle (96 Prozent).

Um die Wünsche der Erwerbstätigen zu erfüllen, ist es nach Angaben von DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel unerlässlich, dass sowohl die Rente als auch die Löhne steigen. „Das Rentenniveau muss dauerhaft auf 48 Prozent stabilisiert werden und im weiteren Schritt auf wenigstens 50 Prozent angehoben werden“, forderte Piel bei der Präsentation der Ergebnisse in Berlin.

Das Rentenniveau beschreibt die Sicherungskraft der Renten zu den Löhnen. Laut Gesetz darf es bis 2025 nicht unter 48 Prozent fallen. Danach soll das Niveau nach offiziellen Prognosen deutlich sinken.

Mehrheit der Deutschen setzt auf gesetzliche Altersvorsorge

Die Befragten wünschen sich mit großer Mehrheit (83 Prozent) höhere Renten. Mindestens die Hälfte der gesamten Alterssicherung sollte laut rund 68 Prozent der Befragten durch die gesetzliche Rente erfolgen. Daneben stützt sich die Alterssicherung in Deutschland auf die betriebliche sowie die private Vorsorge.

Der Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer Bremen, Peer Rosenthal, sieht darin den Beleg, dass die Menschen sich eine „verlässliche Vorsorge“ wünschen. Das Ergebnis sei ein klarer Auftrag an die Politik, sich bei der diskutierten Reform der Rente auf die gesetzliche Rentenversicherung zu konzentrieren. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will mit einem neuen Rentenpaket in diesem Jahr die Weichen für die Zukunft stellen.