Umfrage: Ein Viertel der deutschen Firmen plant Stellenabbau

Fast jedes fünfte Unternehmen will energieintensive Geschäftsfelder aufgeben. Als Konsequenz droht ein deutlicher Arbeitsplatzabbau.

Eine Schweißerin fügt Metallelemente durch Punktschweißen zusammen.
Eine Schweißerin fügt Metallelemente durch Punktschweißen zusammen.dpa/Markus Scholz

Ein Viertel der Unternehmen in Deutschland plant einer Umfrage zufolge wegen der gestiegenen Energiepreise den Abbau von Arbeitsplätzen. 57 Prozent gaben an, sie wollten deswegen geplante Investitionen verschieben. Und 17 Prozent der Firmen planten, energieintensive Geschäftsfelder ganz aufzugeben, wie aus der am Montag veröffentlichten Ifo-Umfrage für die Stiftung Familienunternehmen hervorgeht. Im April hatten die Firmen demnach noch deutlich optimistischer auf dieselben Fragen geantwortet.

Laut Umfrage denken 13 Prozent der Firmen über einen Produktionsstopp nach, neun Prozent über eine Verlagerung der Betriebsstätten ins Ausland. Fast alle Unternehmen (90 Prozent) wollen demnach ihre Preise erhöhen, um die Energiekostenbelastung aufzufangen.

Kirchdörfer spricht von „Alarmsignal“ und „Deindustrialisierung“

Der Vorstand der Stiftung Familienunternehmen, Rainer Kirchdörfer, nannte die Ergebnisse der Umfrage ein Alarmsignal: „Wir sehen seit einiger Zeit eine schleichende Verlagerung industrieller Wertschöpfung. Dies werden wir als Deindustrialisierung und Wohlstandsverlust erst in Jahren spüren – dann aber unumkehrbar.“ Diese „fatale“ Entwicklung am Standort Deutschland beschleunige sich, sagte Kirchdörfer weiter. Die Unternehmen führen die Fertigung in Deutschland zurück oder verlagerten ihre Produktion dorthin, wo Energiekosten, Steuern und Bürokratielasten niedriger sind.

Die Stiftung Familienunternehmen forderte die Ausweitung des Energieangebots – dies müsse oberste Priorität haben. In der Umfrage nannten die Unternehmen demnach an erster Stelle die Laufzeitverlängerung von Kernkraftwerken. „Eine Verlängerung nur um wenige Monate reicht nicht aus. Wir benötigen die Kernkraft für längere Zeit als Brückentechnologie“, erklärte Kirchdörfer.

Befragte gehörten häufig Familienunternehmen an

Auch der Ausbau der erneuerbaren Energien müsse beschleunigt werden und Kohlekraftwerke im Einsatz bleiben. Außerdem seien die Senkung der Energiesteuern und die staatliche Deckelung der Gas- und Strompreise am besten geeignet, um die Energiepreise zu begrenzen.

Laut Stiftung Familienunternehmen entfielen im vergangenen Jahr 5,1 Prozent des Gesamtumsatzes der Unternehmen auf die Energiekosten. In diesem Jahr liege der Anteil bei durchschnittlich 8,2 Prozent.

An der Umfrage des Ifo-Instituts beteiligten sich 1060 Unternehmen. Die Mehrzahl von ihnen waren Familienunternehmen.