Berlin - Eine knappe Mehrheit der Deutschen hat kein Verständnis für Menschen, die gegen die Maßnahmen der Bundesregierung in der Corona-Pandemie auf die Straße gehen. Rund 52 Prozent der Befragten gaben laut einer Umfrage des Markt- und Sozialforschungsinstituts Insa-Consulere im Auftrag der Evangelischen Nachrichtenagentur Idea an, grundsätzlich kein Verständnis für die Demonstranten zu haben. Etwa jeder Dritte (35 Prozent) gab demnach an, die Demonstranten grundsätzlich zu verstehen. Neun Prozent zeigten sich den Angaben zufolge unentschieden, vier Prozent machten gar keine Angabe.

Unterschiede ergaben sich demnach zwischen Ost und West sowie zwischen verschiedenen Altersgruppen und Anhängern der Parteien. So ist laut Umfrage die grundsätzliche Ablehnung der Corona-Proteste mit 53 Prozent im Westen etwas höher als im Osten (46 Prozent).

Zehntausende demonstrieren am Samstag gegen Corona-Maßnahmen

Ältere Menschen zeigten demnach auch weniger Verständnis für die Demonstranten. Etwa 68 Prozent der über 60-Jährigen lehnt die Proteste ab. Bei den Altersgruppen ab 18 bis 59 gaben dagegen lediglich 42 bis 48 Prozent der Befragten an, die Proteste abzulehnen.

Bei den Anhägern der politischen Parteien ist laut Umfrage der Unterschied zwischen AfD-Anhängern und Unterstützern der übrigen Parteien am größten. Rund 75 Prozent der AfD-Anhänger können die Demonstranten nach eigenen Angaben verstehen. Bei FDP-Anhängern waren es noch 43 Prozent (40 Prozent Unverständnis). In allen anderen Lagern überwiegt demnach eine Ablehnung der Proteste. Vor allem Anhänger der Grünen zeigten kein Verständnis für die Demonstranten (70 Prozent), bei der SPD waren es 68 Prozent, bei der CDU/CSU 67 Prozent und bei der Linken 55 Prozent.

Vergangenes Wochenende gingen bundesweit Zehntausend Menschen aus Protest gegen die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung auf die Straßen. Eine der größten Veranstaltungen gab es am Samstagnachmittag in Hamburg, wo die Polizei am Abend von etwa 13.700 Teilnehmern sprach. In Frankfurt am Main demonstrierten nach Polizeiangaben bis zu 8000 Menschen. In Düsseldorf waren es laut Polizei mehrere Tausend, die Veranstalter sprachen von rund 4000. In Freiburg versammelten sich zu einem angemeldeten Protest nach Polizeiangaben bis zu 6000 Menschen, in Magdeburg rund 5000.

Am Montag zogen in Berlin an mehreren Stellen in der Stadt Gruppen mit teils mehreren Hundert Protestierenden durch die Straßen. An einigen Orten gab es auch Gegendemonstrationen. Zu größeren Störungen oder Zusammenstößen kam es nach Angaben der Polizei zunächst nicht. Auch in zahlreichen Städten Brandenburgs gingen am Montagabend wieder viele Tausende Corona-Kritiker und Gegner der Impfpflicht auf die Straße. Nach Angaben der Polizei war die Mehrzahl der Protestzüge nicht angemeldet