Mehrheit der Brandenburger hat Zukunftsängste und kein Vertrauen in die Politik

Angesichts der Energiekrise und der hohen Inflation blicken 62 Prozent der Befragten besorgt in ihre persönliche Zukunft. 

Eine Frau liegt besorgt auf ihrer Couch. (Symbolbild)
Eine Frau liegt besorgt auf ihrer Couch. (Symbolbild)Imago/Westend61

Potsdam-Angesichts der Energiekrise und der hohen Inflation blickt eine große Mehrheit von 62 Prozent der Brandenburger besorgt in ihre persönliche Zukunft. Das geht aus dem am Mittwoch vorgestellten „Brandenburg-Monitor 2022“ hervor, der vom Meinungsforschungsinstitut pmg im Auftrag der Landesregierung erstellt wurde. Bei der vorherigen Befragung im Jahr 2020 hatten sich nur 41 Prozent so pessimistisch zu ihrer Zukunft geäußert.

40 Prozent der Befragten rechnen angesichts der hohen Preise mit einer Verschlechterung ihrer finanziellen Lage, vor zwei Jahren waren dies nur 17 Prozent. Die allgemeine Lebenszufriedenheit sank entsprechend: 70 Prozent zeigten sich sehr oder eher zufrieden, das waren im Jahr 2020 noch 80 Prozent. Angst vor Arbeitslosigkeit zeigten jedoch nur noch 14 Prozent der Befragten, 3 Prozentpunkte weniger als vor zwei Jahren.

Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg belasten die Gesellschaft

In den Ergebnissen der Studie spiegelten sich die schwierige gesellschaftliche und wirtschaftliche Lage infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine nieder, sagte Staatssekretär Benjamin Grimm. Zugleich sei die Corona-Pandemie noch nicht überwunden. „Es überlagern sich also mehrere Krisen“, meinte er. „Das verringert die Zuversicht und verstärkt die Zukunftsangst.“

Auch die Zufriedenheit mit der Landesregierung nahm deutlich ab: In der aktuellen Umfrage äußerten sich im Sommer nur 44 Prozent der Befragten zufrieden mit deren Arbeit, vor zwei Jahren war dies noch eine Mehrheit von 57 Prozent. Dabei sei die Zufriedenheit im Speckgürtel um Berlin noch größer als in den berlinfernen Regionen, sagte pmg-Geschäftsführerin Rita Müller-Hilmer bei der Vorstellung der Studie in der Staatskanzlei.

Nur noch jeder vierte Brandenburger vertraut den Medien

Insgesamt hatte eine große Mehrheit der Befragten weniger bis gar kein Vertrauen in die Landes- oder Bundesregierung, in Landtag und Bundestag, in Gemeindeverwaltungen oder in die Parteien. Den Medien vertraut nur noch jeder vierte Brandenburger, 70 Prozent der Befragten hatten weniger oder gar kein Vertrauen.

In der Energiepolitik stimmte nur jeder vierte Befragte für einen vorzeitigen Ausstieg aus der Braunkohle auf 2030. 44 Prozent halten 2038 für den richtigen Zeitpunkt und etwa jeder Dritte (31 Prozent) ist komplett gegen den Ausstieg aus der Kohleverstromung.

Den Umweltschutz und den Klimawandel nannten 14 Prozent der Befragten als wichtigstes Problem, das gelöst werden müsste, gleichauf mit der Inflation und der Preissteigerung. Dahinter folgten mit jeweils 10 Prozent die Themen Migration, Wohnen und Arbeitsmarkt.