Berlin - 500 Jahre nach der spanischen Eroberung des Aztekenreiches in Mexiko haben sieben indigene Zapatisten in einem deutschen Segelboot eine symbolische umgekehrte „Invasion“ gestartet. Gemeinsam mit der fünfköpfigen deutsch-kolumbianischen Besatzung legten sie am Sonntag mit dem Boot „La Montaña“ (Der Berg) von der mexikanischen Karibikinsel Isla Mujeres ab, wie örtliche Medien berichteten. Laut Blog-Einträgen der linken Rebellen soll es der Auftakt einer Reise durch ganz Europa gewesen sein.

Als erste Station will die Gruppe Mitte Juni die spanische Stadt Vigo erreichen. Den 13. August, den 500. Jahrestag des Falls der Aztekenhauptstadt Tenochtitlán, wollen die Zapatisten in Spaniens Hauptstadt Madrid verbringen. In Europa wollen sie sich mit lokalen Aktivisten austauschen. Nach den im Internet veröffentlichten Worten des Zapatisten-Anführers „Subcomandante Galeano“ – früher „Subcomandante Marcos“ genannt – geht es ihnen nicht etwa darum, Forderungen zu stellen oder Vorwürfe zu machen. Vielmehr laute die Botschaft der Indigenen: „Wir sind nicht erobert worden. Wir leisten weiter Widerstand und rebellieren.“

AFP/Alfredo Estrella
Das Schiff „La Montaña“ verlässt die mexikanische Karibikinsel Isla Mujeres.

Sofern Reisebeschränkungen wegen der Corona-Pandemie nicht verhinderten, dass das „Schwadron“ in Spanien von Bord gehen kann, werde gefeiert und getanzt, kündigte „Galeano“ an. Es werde sich dann die Botschaft verbreiten: „Die Invasion hat begonnen.“

Die Zapatistischen Streitkräfte der Nationalen Befreiung (EZLN) hatten an Neujahr 1994 zu den Waffen gegriffen und im indigen geprägten südmexikanischen Bundesstaat Chiapas mehrere Ortschaften besetzt. Der stets vermummte und pfeifenrauchende „Subcomandante Marcos“ machte die Bewegung international bekannt. Der Aufstand wurde schnell niedergeschlagen. Einige Gemeinden in Chiapas werden aber von de facto autonomen Räten unter der Führung der EZLN regiert.