Umstrittene Biologin: Tweet von Vollbrecht zählt als NS-Verharmlosung

In einem Tweet kritisierte die Biologin das „Narrativ“ transidenter Opfer des Nationalsozialismus. Ein Gericht verurteilte sie dafür.

Marie-Luise Vollbrecht, Doktorandin am Institut für Biologie der Humboldt-Universität Berlin
Marie-Luise Vollbrecht, Doktorandin am Institut für Biologie der Humboldt-Universität Berlindpa/Bernd von Jutrczenka

Ein Tweet der umstrittenen Biologin Marie-Luise Vollbrecht darf als Leugnung der NS-Verbrechen angesehen werden. Wie der Spiegel berichtete, entschied dies das Landgericht Köln in einem Urteil am Mittwoch. 

In einer Debatte auf Twitter hatte Vollbrecht auf einen Artikel zum Thema „Transidentität/Transsexualität im Nationalsozialismus“ reagiert. Sie twitterte dazu: „Ich hasse dieses Narrativ. Es verspottet die wahren Opfer der NS-Verbrechen.“ Das Gericht urteilte nun, dass ihre Aussage so zu verstehen sei, „ dass es sich bei transsexuellen Menschen nicht um Opfer von NS-Verbrechen handelt“. Dies könne als eine Leugnung von NS-Verbrechen gewertet werden. Die Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität (dgti) darf somit weiterhin den Hashtag #MarieLeugnetNS-Verbrechen verbreiten.

Vollbrecht erlangte bundesweite Bekanntheit im Sommer, als ein Vortrag von ihr an der Humboldt-Universität zu Berlin nach angekündigten Protesten seitens der Studierenden abgesagt wurde.

Am 1. Juni veröffentlichte die Welt einen Gastbeitrag mehrerer Autoren – darunter war auch Vollbrecht. Der Beitrag warf dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk vor, die „wissenschaftliche Erkenntnis der Zweigeschlechtlichkeit infrage gestellt“ zu haben. Der Artikel wurde von vielen Seiten scharf kritisiert.

Vollbrechts Vortrag sollte am 2. Juli mit dem Titel „Geschlecht ist nicht (Ge)schlecht – Sex, Gender und warum es in der Biologie zwei Geschlechter gibt“ abgesagt. Ihre Ansicht, es gebe nur zwei biologische Geschlechter, wurde unter anderem als transfeindlich kritisiert. Auch ihre mangelnde Expertise wurde als Kritikpunkt aufgeführt, denn Vollbrecht schreibt ihre Dissertation zum Thema „Die Folgen von Sauerstoffmangel für die Zellproliferation der Gehirnzellen, die Neurogenese und kognitive Leistungsfähigkeit bei schwach elektrischen Fischen“.

Auch gibt es Zweifel an der Aussage, es gebe nur zwei Geschlechter – sowohl im biologischen als auch sozialen Sinne. Deutschland erkennt seit dem Jahr 2018 auch den Eintrag „divers“ in Dokumenten an. In einigen anderen Kulturen, darunter bei indigenen Völkern in den USA, gibt es ebenfalls eine Art drittes Geschlecht.