Die Vereinten Nationen stellen sich auf drei Millionen weitere Flüchtlinge durch den russischen Krieg gegen die Ukraine ein. Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) rechnet in diesem Jahr mit insgesamt 8,3 Millionen Menschen, die aus der Ukraine fliehen, sagte UNHCR-Sprecherin Shabia Mantoo am Dienstag in Genf.

Zurzeit hätten knapp 5,3 Millionen Flüchtlinge die Grenzen zu Nachbarländern überquert. Die Schnelligkeit, mit der die Flüchtlingskrise sich entwickele, sei in jüngster Zeit beispiellos: „Das Ausmaß der Krise und die Schnelligkeit, mit der die Menschen fliehen, haben wir in letzter Zeit nicht erlebt“, sagte Mantoo bei der Pressekonferenz.

Nur aus Syrien sind mehr Menschen geflohen

Weltweit seien nur aus Syrien mehr Menschen geflohen, aber über einen sehr viel längeren Zeitraum, fügte Mantoo hinzu. Für die Unterstützung der Geflüchteten benötige das UNHCR 1,85 Milliarden Dollar (1,73 Mrd. Euro). Damit sollen Menschen in Ungarn, Moldau, Polen, Rumänien, der Slowakei, Bulgarien, Tschechien und Belarus bis Ende des Jahres unterstützt werden.

Im Land selbst sind nach UN-Schätzungen 7,7 Millionen Menschen durch die Angriffe aus ihren Städten und Dörfern vertrieben worden und auf der Flucht. Weitere 13 Millionen Menschen dürften in verschiedenen Regionen gestrandet sein und könnten wegen der Sicherheitslage nicht fliehen, sagte die UNHCR-Sprecherin.

Geldbedarf verdoppelt

Vor dem russischen Einmarsch am 24. Februar hatte die Ukraine etwa 44 Millionen Einwohner. Die Lage der Menschen im Land werde immer schlimmer, sagte ein Sprecher des UN-Nothilfebüros (Ocha). Deshalb hat das Büro seinen Geldbedarf gegenüber dem ersten Spendenaufruf vom 1. März verdoppelt, auf 2,25 Milliarden Dollar (2,1 Mrd. Euro).

Eingegangen seien bislang 980 Millionen Dollar an Spenden. Die Menschen in der Ukraine sollen mit dem Geld für sechs Monate unterstützt werden. Das Nothilfebüro geht davon aus, dass 15,7 Millionen Menschen Hilfe brauchen. Geplant sind Bargeldzahlungen, Hilfe bei der Gesundheitsversorgung und Unterbringung sowie bei Trinkwasser, Toiletten und Hygieneartikeln. Das UNHCR hatte unmittelbar nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine am 24. Februar mit etwa 4 Millionen Flüchtlingen gerechnet, doch diese Zahl wurde im vergangenen Monat übertroffen.