Ungarn bekommt noch mehr Gas aus Russland

Während die EU auf Einsparungen drängt, geht Ungarn weiter einen Sonderweg. Nun wurde erneut eine Erhöhung der Gaslieferungen mit Moskau ausgehandelt.

Gasleitungen mit Absperrventilen führen in einen Erdgasspeicher der Ungarischen Gasspeicher Gesellschaft im Dorf Zsana.
Gasleitungen mit Absperrventilen führen in einen Erdgasspeicher der Ungarischen Gasspeicher Gesellschaft im Dorf Zsana.dpa/Attila Volgyi/XinHua

Ungeachtet der EU-Bestrebungen nach Unabhängigkeit von russischem Gas hat Ungarn erneut Sonderkonditionen mit dem Energiekonzern Gazprom ausgehandelt. Mit dem russischen Staatskonzern sei eine Einigung für die Monate September und Oktober erzielt worden, sagte Außenminister Peter Szijjarto am Mittwoch. Die zusätzlich gelieferte Gasmenge werde vom 1. September an 5,8 Millionen Kubikmeter pro Tag betragen, verkündete er in einem Video auf seiner Facebook-Seite.

Gazprom hatte nach ungarischen Angaben bereits Mitte August begonnen, dem EU-Mitgliedsstaat mehr Gas als „bereits vertraglich vereinbart“ zu liefern. Damals hieß es, bis Ende August würden zusätzlich 2,6 Millionen Kubikmeter pro Tag durch die TurkStream-Pipeline nach Ungarn kommen.

Notfallplan Gas: Ungarn stellt sich weiterhin quer

In der EU ist eigentlich seit mehreren Wochen ein Gas-Notfallplan in Kraft, um die vom russischen Angriffskrieg in der Ukraine ausgelöste Energiekrise zu bewältigen. Um ein Gas-Embargo handelt es sich dabei nicht, die Verordnung sieht allerdings freiwillige Erdgas-Einsparungen im Winter in Höhe von 15 Prozent pro Land vor.

Ungarns Regierungschef Viktor Orban verurteilte zwar den Angriff auf die Ukraine, die Sanktionspolitik der EU kritisiert er jedoch regelmäßig scharf. Das EU-Ölembargo hatte er wochenlang blockiert und dann eine Ausnahme für sein Land ausgehandelt. Auch den Gas-Notfallplan lehnte das Land ab und forderte eine Ausnahme.

Seit seinem Einmarsch in die Ukraine hat Russland seine Gaslieferungen nach Europa deutlich gedrosselt. Am Mittwoch stoppte Gazprom erneut die Gaslieferungen nach Deutschland über die Pipeline Nord Stream 1 – nach Angaben des Staatskonzerns für drei Tage wegen Wartungsarbeiten. Bei den Abnehmerländern befeuert dies Ängste vor Versorgungsengpässen im Winter.