Berlin - Zahlreiche Twitter-Nutzer sind dem Aufruf #FacetheDepression (Stelle dich der Depression) nachgekommen und haben Fotos aus Zeiten einer psychischen Krise geteilt. Auf den ersten Blick machen sie darauf einen glücklichen Eindruck. Doch hinter der Fassade sah es zur Zeit der Aufnahme anders aus, wie die Kommentare daneben zeigen. 

Ein Nutzer schreibt: „Depression hat viele Gesichter. Und eins davon ist dafür da, das Problem vor der Außenwelt zu verstecken. In der Zeit, in der es mir am schlimmsten ging, gab es die meisten ‚Happy Grinsebilder‘ von mir. Achtet auf euer Umfeld.“

Nur wenige Depressive erhalten optimale Behandlung

Eine Depression beeinflusst das Denken, Fühlen und Handeln der Betroffenen und macht sich der Stiftung Deutsche Depressionshilfe zufolge auch durch Störungen von Körperfunktionen bemerkbar. Erkrankte können sich demnach selten allein von ihrer Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit und ihren negativen Gedanken befreien. Die Stiftung weist auf Möglichkeiten der Behandlung mit Medikamenten und Psychotherapie hin. Den Angaben zufolge hat etwa jede vierte Frau und jeder achte Mann im Laufe des Lebens eine Depression. Nur eine Minderheit bekomme eine optimale Behandlung.

Eine Twitternutzerin, die auf einem Foto ein strahlendes Lachen zeigt, schreibt: „Das Bild ist alt und während der schlimmsten depressiven Phase entstanden.“ Ein anderer Nutzer postet neben seinem Foto: „Lasst uns der Krankheit ein Gesicht geben. Unseres. Und lasst uns dabei nicht vergessen: Nur weil draußen die Sonne scheint und ich ein farbenfrohes Selfie poste, scheint sie noch lange nicht in mir drinnen.“

Eine Frau veröffentlicht auf Twitter einen Schnappschuss von sich mit Sonnenbrille und einem angedeuteten Kussmund - dazu ihr Kommentar: „Tag am See, Sonne scheint, ich schaue verschmitzt in die Kamera. Leute sehen das Foto, sagen mir ‚Wie schön, dass du einen tollen Tag hattest‘ und ich habe es so versucht, einen tollen Tag zu haben, aber ich habe absolut nichts gefühlt.“