Das Logo von Unilever.
Foto: dpa/Daniel Reinhardt

WashingtonDer Konzern Unilever hat am Freitag bekanntgegeben, bis zum Jahresende keine US-Werbung mehr bei Facebook und dessen Tochter Instagram zu schalten. Damit erhält ein in der Vorwoche gestarteter Anzeigen-Boykott gegen Facebook bedeutenden Zulauf. Auch bei Twitter will der Konsumgüterriese vorerst keine Anzeigen mehr schalten.

Unilever begründete seine Entscheidung mit der Verantwortung der Unternehmen im Umgang mit Hetze und Falschinformationen im Netz – speziell angesichts der angespannten politischen Atmosphäre in den USA. Facebook und Twitter müssten mehr tun, besonders bei Hasskommentaren und spalterischen Beiträgen während des Wahlkampfes. Sein US-Werbebudget will Unilever dennoch nicht kürzen, die Ausgaben sollen nun auf andere medialen Plattformen verteilt werden.

Zuvor hatten sich bereits etliche andere Unternehmen, darunter der amerikanische Mobilfunk-Gigant Verizon und die bekannten Outdoor-Marken The North Face und Patagonia der Initiative #StopHateForProfit angeschlossen

Unilever - dessen Eiscreme-Marke Ben & Jerry's ebenfalls schon mit dabei war - geht nun aber noch einen Schritt weiter. Denn eigentlich ging es bei der Aktion zunächst nur um einen Werbe-Boykott im Juli. An der Börse gerieten Facebook und Twitter nach der Mitteilung des Konsumgüterkonzerns stark unter Druck.

Facebook will Standards erhöhen

Facebook betonte in einer Stellungnahme, jährlich Milliarden Dollar in die Sicherheit seiner Community zu investieren. Der Konzern arbeite kontinuierlich mit externen Experten zusammen, um seine Richtlinien zu überprüfen und zu aktualisieren. Dank dieses Engagements würden fast 90 Prozent der Hasskommentare gefunden, bevor Nutzer auf sie aufmerksam machten. „Wir wissen, dass wir mehr zu tun haben“, erklärte ein Unternehmenssprecher laut der Nachrichtenagentur dpa. Facebook werde deshalb noch weitere Instrumente, Technologien und Richtlinien entwickeln.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg kündigte zudem in einem Livestream an, dass sein Unternehmen stärker gegen Hassnachrichten vorgehen und Falschmeldungen vor den US-Präsidentschaftswahlen im November löschen werde. Außerdem würden die Standards für Werbung erhöht, um auch dort abwertende und hasserfüllte Botschaften bezüglich ethnischer Zugehörigkeit, Religion oder sexueller Vorlieben zu blockieren. „Ich stehe gegen Hass und alles, was zu Gewalt anstachelt“, zitiert die dpa Zuckerberg.

Amerikanische Bürgerrechtsorganisationen hatten Firmen in der vergangenen Woche zu dem Boykott gegen Facebook aufgerufen. So soll der Konzern an einer empfindlichen Stelle getroffen werden – Facebook macht fast seinen ganzen Umsatz mit Werbeerlösen. Die US-Protestwelle gegen Rassismus und Polizeigewalt hat die Kritik, Facebook würde zu nachlässig mit kontroversen Beiträgen umzugehen, wieder aufflammen lassen. Dazu trug auch Konzernchef Mark Zuckerberg wesentlich bei, als er sich weigerte, gegen umstrittene Aussagen von US-Präsident Donald Trump einzuschreiten. Dafür gab es sogar Kritik von eigenen Mitarbeitern.