Die Union im Bundestag dringt auf eine juristische Aufklärung der Sex-Vorwürfe gegen die hessische Linke. Die stellvertretende Fraktionschefin Andrea Lindholz (CSU) sagte der Bild-Zeitung vom Dienstag, die Linken-Vorsitzende Janine Wissler müsse sich fragen lassen, „ob sie alles zur Aufklärung getan hat und die richtigen Konsequenzen gezogen hat“. Die Vorwürfe von sexuellem Missbrauch und Machtmissbrauch müssten „nicht nur parteiintern, sondern auch durch Ermittlungsbehörden aufgeklärt werden“.

Zuvor hatte der Spiegel berichtet, in der hessischen Linken sei es über Jahre hinweg zu sexuellen Übergriffen gekommen. Zu den Beschuldigten soll demnach auch der ehemalige Lebensgefährte Wisslers gehört haben. Der Mitarbeiter der Linken-Landtagsfraktion soll sich in den Jahren 2018 und 2019 übergriffig gegenüber einer jungen Frau aus der Partei verhalten haben.

Janine Wissler weist Vorwürfe zurück

Die heute 22-Jährige, mit der der Mann eine Affäre gehabt haben soll, wirft ihm laut Spiegel unter anderem vor, sie als Minderjährige beim Sex gefilmt zu haben. Eines Nachts sei er zudem über den Balkon in ihre Wohnung eingestiegen. Über diese Nachstellung habe sie Wissler, damals Fraktionsvorsitzende im hessischen Landtag, bereits 2018 per Mail informiert, hieß es in dem Bericht.

Wissler erklärte zu den Vorwürfen am Wochenende: „Ich weise die Unterstellung, ich hätte bereits vor November 2021 beziehungsweise dem Jahreswechsel 2021/2022 Kenntnis über Vorwürfe von sexueller Belästigung und Machtmissbrauch gehabt, entschieden zurück.“ Die Linken-Bundesvorsitzende betonte: „Es gibt nichts, was das belegt, weil es nicht so war.“ Hätte sie Kenntnis von derartigen Vorwürfen gehabt, wäre sie tätig geworden. „Und ich bin sofort tätig geworden, als ich davon erfahren habe.“

Auf Twitter wird derzeit unter dem Hashtag #LinkeMeToo darüber diskutiert, wie die Linkspartei mit den schweren Vorwürfen umgehen soll. Diese betreffen längst nicht nur den Landesverband Hessen: Weitere mutmaßlich Betroffene haben sich in den vergangenen Tagen an den parteinahen Jugendverband Linksjugend ['solid] gewandt und weitere Namen möglicher Täter genannt. Am Mittwochabend soll nun der komplette 44-köpfige Linke-Bundesvorstand zu einer Krisen-Schaltkonferenz zusammenkommen.