BonnDer Präsident des Deutschen Hochschulverbands hat sich kritisch über den Zustand der Meinungsfreiheit an Hochschulen geäußert. „Ich sorge mich darum, dass wir ganz allmählich eine Verengung des Diskurskorridors erleben“, sagte Bernhard Kempen in einem Gespräch im Deutschlandradio Kultur. Das heiße, dass der Bereich „dessen, was gesagt werden darf und diskutiert werden kann, immer schmaler wird und dadurch wichtige Impulse und die Auseinandersetzung mit den Rändern wegfallen“.

In seinem Amt habe er schon viele Fälle der „Tabuisierung von Thesen und Themen“ erlebt, so Kempen weiter. Ihm zufolge wäre das „eine traurige Verarmung unserer freien, geistigen Auseinandersetzung, die wir an den Universitäten wie ein Lebenselixier brauchen“. Als Beispiel nannte er die Themen Gendergerechtigkeit, Flüchtlinge, den Klimawandel sowie die Corona-Krise. Gebe es hier Stimmen, die als „Außenseiterstimmen“ wahrgenommen würden, hätten diese dennoch das Recht, in der Wissenschaft Gehör zu finden.

Eine Grenze gebe es aber bei – in seinen Worten – verfassungsfeindlichen Bestrebungen. Zum Thema Klimawandel sagte er zudem einschränkend, bei einem „sogenannten Klimaleugner“ müsse man sich von falschen Behauptungen abgrenzen und die Person mit Fakten konfrontieren. Kempen zufolge ist die ganze Wissenschaftsgeschichte bisher nichts anderes als eine Geschichte der Widerlegung von Irrtümern.

Netzwerk zur Unterstützung geplant

Der Welt am Sonntag zufolge planen Professoren von deutschen Universitäten ein Netzwerk, das Forscher unterstützen soll, die aufgrund von Thesen Probleme bekommen haben. Ein nicht namentlich genanntes Mitglied des Zusammenschlusses sagte demnach, wer in der Wissenschaft nicht den Mainstream reproduziere, gerate immer öfter existenzbedrohend unter Druck.

Laut einer neuen Studie, deren Datengrundlage allerdings in der Kritik steht, sind viele Studenten in Deutschland bereit, die Meinungs- und Redefreiheit einzuschränken, um mit abweichenden Meinungen nicht konfrontiert zu werden.