Hamburg - Uwe Seeler braucht Ruhe. Er, der so gerne unter Leute geht, der den Klönschnack liebt und so viel zu erzählen hat, musste alle offiziellen Termine vor seinem 85. Geburtstag am Freitag absagen. Uns Uwe „fühlt sich nicht gut“, sagte Seelers Ehefrau Ilka dem Sportinformationsdienst (SID): „Die Lage ist nicht kritisch, aber der Arzt hat ihm eindringlich geraten, sich zu schonen.“

Wer Seeler kennt, der weiß, wie schwer ihm das fällt. Zeit seines Lebens hat er sich nie geschont. Schon auf dem Platz nicht: Für Deutschland und den Hamburger SV hat sich das Fußball-Idol immer voll reingehauen, die Ärmel hochgekrempelt, gekämpft, gewühlt. Auch nach der Karriere: Seeler blieb ein Star zum Anfassen, immer ansprechbar, immer freundlich und nie um einen kecken Spruch verlegen. Uns Uwe eben.

„Alt werden ist nichts für Feiglinge“, pflegt Seeler seit ein paar Jahren zu sagen. Die Probleme und Problemchen werden auch beim Hamburger Ehrenbürger nicht weniger. Gerade erst hatte sich der ehemalige Angreifer von einem Sturz in seinem Haus vor den Toren der Hansestadt im September erholt. „Die Ärzte hatten richtig was zu nähen bei mir“, hatte Seeler, der sich bei dem Unfall Schnittverletzungen zugezogen hatte, danach der Hamburger Morgenpost gesagt: „Ich sah aus wie Quasimodo, habe mich zu Hause versteckt und bin erst wieder vor die Tür gegangen, als es einigermaßen abgeheilt ist.“

Frau Ilka: Wir haben noch so viel vor – ob wir das alles schaffen?

Seeler ging es relativ schnell wieder besser, doch schon am Wochenende konnte er nicht dabei sein, als der NDR ihm zu Ehren den Film „Uwe Seeler – Einer von uns: Die Fußball-Legende wird 85“ vorstellte. „Wir haben noch so viel vor uns, ich weiß manchmal nicht mehr, ob wir das schaffen“, sagt Ilka, seit über 60 Jahren mit ihrem „Mäuschen“ Uwe verheiratet, darin. Ein paar „Jährchen würde ich gerne noch machen“, sagt Seeler.

Zwischen 1953 und 1972 verbreitete Seelers Name bei den gegnerischen Abwehrspielern Angst und Schrecken. Er war nicht elegant, aber er hatte unendliche Kraft. Er warf sich in den Dreck und verkörperte die Werte der jungen Bundesrepublik nach dem Krieg: Einsatz, Fleiß und ehrliche Arbeit. Was für die deutsche Industrie das „Made in Germany“ war, das war „Uwe“ für den deutschen Fußball. Und das berühmte „Nein“ zu Inter Mailand machte Seeler endgültig zu einer Legende. Dafür schlossen ihn Fußballfans nicht nur aus Hamburg auf ewig in ihre Herzen.

Seit einiger Zeit muss sich Seeler nun immer wieder einschränken. 2020 erlitt der Vize-Weltmeister von 1966 bei einem schweren Sturz einen Hüftbruch, er bekam eine künstliche Hüfte eingesetzt. Ihm machen zudem die Folgen eines unverschuldeten Autounfalls von vor elf Jahren zu schaffen, ihn plagen Rückenprobleme, auf dem rechten Ohr hört Seeler nicht mehr und er klagt über Gleichgewichtsprobleme. 2017 wurde ihm erfolgreich ein Herzschrittmacher eingesetzt. Nun fühlt sich Uns Uwe „nicht gut“ – ausgerechnet kurz vor seinem 85. Geburtstag.