Berlin - Die Grünen haben einen Wahlwerbespot veröffentlicht, der für viel Spott und Häme im Netz sorgt. In dem Clip singen Menschen eine umgedichtete Version des Volkslieds „Kein schöner Land in dieser Zeit“. Am Ende des Videos sind auch die Bundesvorsitzenden der Grünen – Annalena Baerbock und Robert Habeck – zu sehen. Ideengeber und Produzent des Videos ist die eigens von den Grünen für den Wahlkampf gegründete Agentur Neues Tor 1.

Die Protagonisten singen auffallend schief. Offenbar absichtlich – möglicherweise, um ein Narrativ von Volksnähe aufzubauen. Die offensichtlich gut situierten Bürger singen in „Ein schöner Land“ davon, wie sie das Klima retten wollen, dabei „Anschluss an Bus und Bahn“ haben und sogar „WLAN“ sei verfügbar. Ob die demonstrative Aufbruchstimmung („Jetzt alles geben, den Aufbruch leben – wir sind bereit“) tatsächlich bei den Wählern ankommt? Das bleibt fraglich.

Neue Zielgruppe der Grünen: Die Generation 60 plus?

Der Satiriker Jan Böhmermann twitterte kurze Zeit später: „Vielleicht WOLLEN die Grünen gar nicht gewählt werden?!“ Viele Nutzer versahen den Spot mit dem Hashtag „cringe“, was in etwa so viel bedeutet wie „fremdschämen“. Klimaaktivist und Grünen-Mitglied Jakob Blasel hingegen ist stolz auf seine Partei – wenn auch mit ironischem Unterton. Seiner Ansicht nach haben die Stimmenfänger die richtige Zielgruppe erreicht: „An inconvinient truth: ALLE Ü60-Menschen, denen ich bisher den Spot gezeigt habe, feiern den wohl sehr“ – dahinter ein Lach-Emoji. 

Der schlechte Gesang erregt Aufmerksamkeit. Ob er den Grünen zum Wahlsieg verhelfen wird, wird sich zeigen. Sollte die Ökopartei die Wahl verlieren, bleibt möglicherweise noch die Chance auf einen Sieg beim Eurovision Song Contest.