Berlin - Am kommenden Sonnabend ist es soweit: Am 30. Oktober 2021 nehmen die  Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) eine neue Straßenbahnstrecke im Südosten Berlins in Betrieb. Auf der 2,7 Kilometer langen Trasse, die von der Karl-Ziegler-Straße in der Wissenschaftsstadt Adlershof zum Sterndamm in Schöneweide führt, soll der Verkehr gegen 14 Uhr beginnen. Ein paar Kilometer weiter östlich gibt es ein besonderes Programm für Fans der Straßenbahn - das auf großen Zuspruch stößt.

Von 11 bis 17 Uhr öffnet am 30. September der Betriebshof Köpenick seine Tore für Besucher. Unter dem Motto „Unterwegs auf der Zeitschiene“ soll an dem Tag hinter die Kulissen und in die Zukunft des Straßenbahnbetriebs geblickt werden. Unter anderem wird der Öffentlichkeit erstmals ein überlebensgroßes Modell der neuen Fahrzeug-Generation präsentiert - allerdings sind die Besichtigungsplätze bereits ausgebucht, wie die BVG am Freitag mitgeteilt hat.

Auch Straßenbahn-Nostalgiker kommen auf ihre Kosten: Die alten Tatra-Bahnen, mittlerweile nicht mehr in Betrieb, werden für die Abschiedsfahrt noch mal aus der Wagenhalle geholt. Gegen 13.30 Uhr befahren sie mit vorher angemeldeten Besuchern die neue Adlershof-Strecke. Für Besucher, die sich nicht im Voraus registriert haben, besteht die Möglichkeit, mit der „Holzklasse“ in die Köpenicker Altstadt zu fahren.

Die Ticketpreise für die Fahrten liegen laut BVG bei 8 Euro für Erwachsene und 4 Euro für Kinder. Hingegen ist der Zutritt zum Festgelände kostenfrei. Für die Tatra-Fahrten (Kennwort: Rundfahrt) müssen Interessierte sich vorher online anmelden.

Straßenbahn braucht auf dem Groß-Berliner Damm länger als der Bus

Auf der Neubautrasse, die intern Adlershof II heißt, werden Züge der Linien M17, 61 und 63 verkehren. Wie berichtet ist die Straßenbahn allerdings länger unterwegs als zurzeit der Bus. So braucht die Tram von der Haltestelle Landschaftspark Johannisthal bis zum Sterndamm am Bahnhof Schöneweide zehn Minuten. Der Bus 163, der momentan noch den Groß-Berliner Damm entlangfährt, ist dagegen laut Plan acht Minuten unterwegs. In der Gegenrichtung ist die Differenz sogar noch größer. Der Bus legt die Strecke zum Landschaftspark in sieben Minuten zurück, die Straßenbahn benötigt elf Minuten.

Hintergrund sind die Schaltungen der neuen Ampeln entlang der 2,7 Kilometer langen Neubaustrecke. Die Linksabbieger haben keine separate Ampelphase, berichtet Hartmut Gröschke, der sich als Vorstand des Denkmalpflege-Vereins Nahverkehr (DVN) Berlin mit der Berliner Straßenbahn sehr gut auskennt. „Würde die Straßenbahn zeitgleich zum parallel fließenden Verkehr fahren dürfen, könnten Abbieger vor dem Passieren der Gegenfahrbahn auf den Gleisen stehen bzw. wäre dies auch eine Unfallquelle“, schrieb Gröschke der Berliner Zeitung. „Deshalb gibt es für die Straßenbahn eine eigene Phase, bei der der Individualverkehr rot hat. Wenn diese rechtzeitig angemeldet und eingetaktet würde, sollte es auch keine Verzögerungen geben.“

Umweltverband hat Behinderungen für rechtswidrig

Das ist aber nach Einschätzung von Beobachtern nicht der Fall – mit der Folge, dass es Wartezeiten für die von der rot-rot-grünen Verkehrspolitik eigentlich favorisierten Straßenbahn gibt.

Schon aus den Planfeststellungsunterlagen von 2018 sei hervorgegangen, dass nicht nur kein Vorrang für die Straßenbahn vorgesehen ist, sondern sie aktiv behindert werden soll, berichtete Gudrun Holtz vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Das widerspräche Paragraf 26, Absatz 5, des Berliner Mobilitätsgesetzes. „Während des Planfeststellungsverfahrens wurde die Planung geändert, allerdings weder das Linksabbiegen noch die Signalisierung“, sagte sie.