Die Unwetterkatastrophe in Deutschland

  • Nach den starken Regenfällen und Überschwemmungen in Deutschland ist die Zahl der Toten auf mehr als 160 gestiegen. Hunderte sind verletzt und noch immer werden Menschen vermisst.
  • Allein im Großraum Ahrweiler (Rheinland-Pfalz) liegt die Zahl der Todesopfer bei 122. Dort wurden laut Polizei mindestens 763 Menschen verletzt.
  • In Nordrhein-Westfalen gab es mindestens 48 Todesopfer.
  • Am Samstag und Sonntag ist es auch in Bayern, Sachsen und Österreich zu schweren Unwettern gekommen. 
  • Am Dienstag entspannt sich die Lage etwas, die Aufräumarbeiten in den Krisenregionen gehen weiter.
  • Doch noch immer kommt es zu dramatischen Rettungsaktionen, viele Menschen sind traumatisiert
  • An der Steinbachtalsperre gibt es Entwarnung. Auch im Berchtesgadener Land wurde der Katastrophenfall aufgehoben
  • Nach der Flutkatastrophe sehen die betroffenen Länder die Gefahr erhöhter Corona-Risiken, etwa durch Hilfsaktionen oder die Unterbringung in Notunterkünften.

Lauterbach gegen Sammelunterkünfte für Flutopfer

Angesichts steigender Corona-Infektionszahlen hat SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach davor gewarnt, Flutopfer in den Hochwasserregionen in Sammelunterkünften unterzubringen. „Massenunterkünfte sind eine Gefahr für die Menschen, denn dort herrscht ein hohes Corona-Ansteckungsrisiko“, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Solche beengten Unterkünfte seien daher unbedingt zu vermeiden, mahnte der Mediziner. Stattdessen sollten Flutopfer in Hotels und Einzelunterkünften untergebracht werden. Nur so ließen sich Massenausbrüche verhindern und die Zahl der vermeidbaren Kontakte eingrenzen. „Es wäre fatal, wenn die ohnehin dramatische Situation in den Hochwasserregionen durch massenhafte Infektionen mit der Delta-Variante zusätzlich erschwert würde.“ Zugleich rief Lauterbach dazu auf, mobile Impfteams in den Katastrophenregionen einzusetzen.

Marburger Bund besorgt über medizinische Lage in Hochwassergebieten

Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund hat sich mit Blick auf die Versorgung von Patienten in den westdeutschen Katastrophengebieten besorgt gezeigt. Wie es in einer Mitteilung vom Dienstag hieß, seien beispielsweise zahlreiche Arztpraxen in den betroffenen Regionen überschwemmt, nicht mehr arbeitsfähig oder sogar komplett zerstört. Niemand habe bisher ein komplettes Bild davon, wie stark die medizinische Grundversorgung zerstört sei, hieß es.

„Wir wissen derzeit von über 20 Arztpraxen alleine in Rheinland-Pfalz, die nicht mehr arbeitsfähig sind“, sagte Hans-Albert Gehle, Vorsitzender des Marburger Bundes in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, laut Mitteilung. Nicht von Hochwasser betroffene Praxen müssten Patienten in einer solchen Lage mitversorgen. Es sei zudem sinnvoll, wenn für chronisch Kranke und sonstige Patienten in Gemeinden und Stadtteilen provisorische „Not-Praxen“ sowie „Not-Apotheken“ aufgebaut würden.

Zahl der Toten im Kreis Ahrweiler steigt auf 122 

Die Zahl der Todesopfer der Unwetterkatastrophe im Kreis Ahrweiler ist auf 122 gestiegen. Das sagte ein Polizeisprecher am Dienstag in Koblenz. Die Zahl der Verletzten stieg ebenfalls auf nunmehr 763. Aktuell würden noch 155 Menschen vermisst, sagte der Sprecher weiter.

Zahl der Unwetter-Toten in NRW steigt auf 48

Die Zahl der Todesfälle nach der Unwetterkatastrophe ist in Nordrhein-Westfalen um ein Opfer auf 48 gestiegen. Wie das Kölner Polizeipräsidium am Dienstag mitteilte, hat ein Leichenspürhund einen weiteren, noch nicht identifizierten Toten im Katastrophengebiet in Bad Münstereifel gefunden.

Mehr als 850 als vermisst gemeldete Menschen hätten die Ermittler mittlerweile telefonisch erreicht. Aktuell suche die Polizei noch nach 14 Menschen aus dem Raum Bonn/Rhein-Sieg-Kreis und zwei aus dem Kreis Euskirchen, der in NRW die meisten Todesopfer nach dem Starkregen zu beklagen hat.

Nach der Flutkatastrophe viele Bahnstrecken zerstört

Nach der Hochwasserkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz werden die gravierenden Schäden bei der Bahn immer deutlicher: Allein sieben Regionalverkehrsstrecken seien von den Wassermassen so stark zerstört worden, dass sie neu gebaut oder umfangreich saniert werden müssten, teilte die Deutsche Bahn am Dienstag mit. Die Reparatur- und Wiederaufbaumaßnahmen würden Wochen und Monate dauern. Insgesamt seien Gleise auf einer Länge von rund 600 Kilometern von den Unwetterfolgen betroffen.

Rund 2000 Mitarbeiter der Bahn seien dabei, Gleise, Bahnhöfe und Anlagen von Geröll und Schlamm frei zu räumen. Rund 80 Bahnhöfe wurden laut Mitteilung durch das Unwetter beschädigt. Wassereinbrüche hätten Aufzüge zerstört oder Bahnsteige unterspült. Viele kleinere Reparaturen habe die Bahn bereits erledigt. Aber: Noch seien nicht alle Erkundungsarbeiten abgeschlossen.

Rund 40.000 Menschen im Ahrtal von Hochwasser-Folgen betroffen

Von den Folgen des verheerenden Hochwassers im stark betroffenen Kreis Ahrweiler sind rund 40.000 Menschen betroffen. Es sei eine „ungeheure große Zahl von Menschen“ auf einer „ungeheuren Fläche“, sagte der Leiter des Krisenstabes des Landes und Präsident der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD), Thomas Linnertz, am Dienstag in Bad Neuenahr-Ahrweiler. „So etwas haben wir noch nie erlebt. Das ist eine große Herausforderung.“

Noch 170 Menschen im Katastrophengebiet an der Ahr vermisst

Sechs Tage nach dem verheerenden Unwetter im Norden von Rheinland-Pfalz werden dort noch 170 Menschen vermisst. Diese Zahl nannte am Dienstag ein Sprecher der Polizei in Koblenz. Bisher wurden im Kreis Ahrweiler 117 Menschen tot geborgen. In Nordrhein-Westfalen kamen 47 Menschen ums Leben. In beiden Bundesländern wurde nicht ausgeschlossen, dass noch weitere Opfer gefunden werden.

Nach Hochwasser: Noch fünf Menschen im Rhein-Erft-Kreis gesucht 

Knapp eine Woche nach dem Hochwasser im Rhein-Erft-Kreis werden dort noch fünf Menschen vermisst. Bei ihnen sei der Aufenthaltsort derzeit noch ungewiss, sagte Landrat Frank Rock auf einer Pressekonferenz des Kreises am Dienstag. Demnach habe die örtliche Personenauskunftsstelle schon viele Vermisstenfälle klären können. „Viele, viele Leute haben sich bei ihren Verwandten gemeldet und sind wohlauf“, teilte die Polizei am Dienstag mit.

Merkel verspricht Hochwasseropfern schnelle Hilfe

AFP/Wolfgang Rattay
Angela Merkel und Armin Laschet beim Besuch in Bad Münstereifel.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat den Betroffenen der Hochwasserkatastrophe schnelle Hilfe zugesagt. Das Bundeskabinett werde am Mittwoch ein Programm für finanzielle Hilfe beschließen, sagte sie am Dienstag bei einem Besuch in Bad Münstereifel in Nordrhein-Westfalen. Es gehe dabei darum, „unbürokratisch Soforthilfe“ zu leisten. Dies geschehe gemeinsam mit dem Land NRW, das am Donnerstag entsprechende Beschlüsse fassen werde.

Merkel zeigte sich bei dem gemeinsamen Besuch mit NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) betroffen von der Lage vor Ort. Die Schäden seien „erschreckend“, es gebe „entsetzliche Zustände zum Teil“. Viele Häuser seien nicht mehr bewohnbar. Bei ihrem Besuch habe sie „Menschen gesehen, die alles verloren haben“. Die Stadt sei „so schwer getroffen, dass es einem wirklich die Sprache verschlägt“.

„Das einzige, was tröstet, ist die Solidarität der Menschen“, hob Merkel hervor. Sie bedankte sich bei allen Helfern und Spendern. Es sei klar, „dass wir hier einen sehr langen Atem brauchen werden“, fügte die Kanzlerin hinzu. „Wir werden Sie nicht nach Kurzem vergessen“, versicherte sie.

Polizei warnt vor falschen Durchsagen im Katastrophengebiet

Die Polizei hat vor falschen Durchsagen im Katastrophengebiet im Norden von Rheinland-Pfalz gewarnt. Es lägen Informationen vor, wonach dort Fahrzeuge mit Lautsprechern unterwegs seien, die polizeilichen Einsatzfahrzeugen ähnelten, teilte die Polizei in Koblenz am Dienstag mit. Mit diesen werde „wahrheitswidrig“ verbreitet, dass die Zahl der Einsatzkräfte verringert werde.

„Das ist eine Falschmeldung“, betonte die Polizei in der Mitteilung. „Die Polizei reduziert die Anzahl der Einsatzkräfte nicht und befindet sich weiterhin ohne Unterbrechung im Katastrophengebiet.“

Berlin schickt Hilfe in Krisengebiete

Berlin hat Unterstützung für die Einsatzkräfte in das Hochwassergebiet gesendet. Am Samstag sei bereits die erste Einsatzhundertschaft der Berliner Polizei in Rheinland-Pfalz eingetroffen, um bei der Suche nach Vermissten zu helfen. Auch Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes aus Berlin leisten Hilfe vor Ort und stellten weitere Unterstützung in Aussicht. In der Charité in Berlin sei man bereit, Patienten aus dem Krisengebiet aufzunehmen oder Personal zu entsenden, sagte Berlins Regierender Bürgermeister gegenüber der Berliner Morgenpost am Dienstag. Überdies hätten Abgeordnete der Berliner Linkspartei 10.000 Euro an die Flutopfer gespendet. 

Bus bietet Corona-Impfungen im Ahrtal an

Aus Sorge vor einer Ausbreitung der Corona-Pandemie im Katastrophengebiet haben Landesregierung und Kreisverwaltung im Ahrtal einen Impfbus gestartet. Ohne Anmeldung für einen Termin können sich Bewohner der Region dort impfen lassen, wie das Gesundheitsministerium am Dienstag in Mainz mitteilte. In dem Bus gibt es auch die Möglichkeit zu Corona-Schnelltests. Impfen und Testen seien die beiden wichtigsten Vorkehrungen gegen eine Zunahme von Infektionen, sagte ein Sprecher des Ministeriums. „Angesichts einer Infrastruktur, die so schwer beschädigt ist, ist die Gefahr da.“

Der Bus des Impfzentrums Koblenz sollte am Dienstag in Bad Neuenahr-Ahrweiler mit den dezentralen Impfungen starten. Dabei kommen die Impfstoffe von Biontech sowie von Johnson und Johnson zum Einsatz.

In der Katastrophenhilfe werde „notwendigerweise Hand in Hand“ gearbeitet, „oftmals ohne Corona-Schutzmaßnahmen umfänglich einhalten zu können“, erklärte Staatssekretär Denis Alt (SPD). „Mit Impfungen und Schnelltests wollen wir den Betroffenen und den zahlreichen Helferinnen und Helfern ein unbürokratisches Schutzangebot machen, um so die Pandemie im Katastrophengebiet im Griff zu behalten.“ Der Staatssekretär rief dringend alle bisher noch ungeimpften Erwachsenen im betroffenen Gebiet auf, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. In ganz Rheinland-Pfalz waren bis Montag 46,4 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft.

Bundeskanzlerin Angela Merkel reist erneut in das Krisengebiet 

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) macht sich an diesem Dienstag (11.55 Uhr) ein Bild von der Hochwasserkatastrophe in Nordrhein-Westfalen. Zusammen mit NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, der zugleich Unionskanzlerkandidat ist, kommt sie nach Bad Münstereifel. Der Ort im Kreis Euskirchen ist von dem Unwetter der vergangenen Tage heftig betroffen. Merkel spricht mit Vertretern von Hilfsorganisationen sowie Helferinnen und Helfern. Nach einem Treffen mit betroffenen Bürgern steht ein Gang durch das Gebiet auf dem Programm.

Bei Regensburg: Paar im Schlauchboot aus Lebensgefahr gerettet

Ein junges Paar ist mit einem Sportboot auf der Donau verunglückt und aus Lebensgefahr gerettet worden. Das Boot prallte zuvor mit großer Wucht gegen ein Wehr in der Donau bei Regensburg, wie die Polizei am Dienstag mitteilte. Aufgrund eines technischen Defekts sei das Boot antriebslos und „als Spielball der reißenden Donau“ gegen die Wehrmauer geschleudert.

„Wie durch ein Wunder“ sei das Boot auf der hochwasserführenden Donau nicht sofort gesunken. Somit habe die Feuerwehr das Paar mit einer Drehleiter retten können. Sie hätten bei dem Unfall lediglich einen Schock erlitten.

Das Boot sei daraufhin für eine spätere Bergung am Wehr angebunden worden. Trotz der Vertäuung sei es allerdings gesunken. Am Boot sei ein Schaden von mindestens 40 000 Euro entstanden. An dem Einsatz am Montagabend seien über 100 Einsatzkräfte beteiligt gewesen.

Katastrophenfall im Berchtesgadener Land aufgehoben

Der Katastrophenfall ist nach dem verheerenden Hochwasser im oberbayerischen Landkreis Berchtesgadener Land wieder aufgehoben. Auch die Schulen und Kitas sollten am Dienstag nach Angaben des Landratsamtes wieder regulär öffnen. Wasserfluten und Erdrutsche hatten manche Orte in der beliebten Urlaubsregion rund um Watzmann und Königssee am Wochenende regelrecht verwüstet.

Behörden warnen vor Corona-Ausbreitung in Katastrophengebieten

Nach den heftigen Überschwemmungen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz wächst die Angst vor einer Corona-Ausbreitung in den Katastrophengebieten. „Derzeit kommen viele Menschen auf engstem Raum zusammen, um die Krise gemeinsam zu bewältigen. Wir müssen jetzt aufpassen, dass die Bewältigung der Katastrophe nicht zu einem Superspreader-Event wird“, sagte David Freichel vom Corona-Kommunikationsstab der Staatskanzlei in Rheinland-Pfalz den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND, Dienstagsausgaben).

Das Landesgesundheitsministerium bereitet deshalb laut Freichel in Absprache mit den Behörden der betroffenen Landkreise eine Sonder-Impfaktion in den Katastrophengebieten vor. Viele Rettungskräfte hätten bereits den vollen Impfschutz.

Auch das Gesundheitsministerium in Nordrhein-Westfalen warnte vor einem steigenden Infektionsrisiko in den Hochwassergebieten. „Eine erhöhte Gefahr der Ausbreitung von SARS-CoV-2 könnte sich vor allem durch die Unterbringung von Personen in Notunterkünften entwickeln“, teilte das Ministerium in Düsseldorf laut RND mit. Die Gefahr könne aber mit Tests, Masken und Lüften reduziert werden. „In den Notunterkünften wurde vielfach bereits medizinische Versorgungsstruktur etabliert“, erklärte das Ministerium. Zusätzlich bereiteten den Behörden die zusammengebrochene medizinische Infrastruktur, etwa durch zerstörte Hausarztpraxen, Sorgen.

Polizei: Nach Unwetterkatastrophe 170 Menschen im Kreis Ahrweiler vermisst

Nach der Unwetterkatastrophe in Rheinland-Pfalz geht die Polizei derzeit von 170 Vermissten im Kreis Ahrweiler aus. Das sagte der Leiter der Kriminaldirektion in Koblenz, Stefan Heinz, einem Sprecher des Polizeipräsidiums Koblenz zufolge am Montag in Koblenz. Auf die Zahl kamen die Ermittler dem Sprecher zufolge nach dem Abgleich von Vermisstenmeldungen bei verschiedenen Stellen im Land. Teils seien Menschen mehrfach vermisst gemeldet worden. Die Zahl der Toten stieg von Sonntag auf Montag um 7 auf 117. Davon wurden Heinz zufolge bislang 40 identifiziert. Die Identifizierung könne sehr schwierig sein, weil Menschen von den Fluten teils weit mitgerissen worden seien, erklärte der Sprecher. Bei sämtlichen Toten laufen den Angaben zufolge nun Todesermittlungsverfahren.

NRW: Pegelstände sinken überall, aber noch keine Entwarnung

An allen Messstellen in Nordrhein-Westfalen fallen die Wasserstände. Das teilte das Umweltministerium mit. „Aktuell überschreitet keiner der insgesamt 175 Pegel mehr einen Wert, bei denen weitere größere Überflutungen bebauter Gebiete drohen“, hieß es.

An drei Pegeln an der Rur (Altenburg, Jülich und Zerkall) bestehe aber weiterhin die Gefahr der Überflutung einzelner Grundstücke. An zwei weiteren Pegeln (Stah/Rur und Bliesheim/Erft) seien weitere Überflutungen land- und forstwirtschaftlicher Flächen oder Verkehrsbehinderungen weiterhin nicht auszuschließen. „Aber für Entwarnungen ist es definitiv noch zu früh. Akute Hilfe ist weiterhin das Gebot der Stunde, die Abwehr weiterer Gefahren für Leib und Leben“, hieß es.

Auch an den 64 Talsperren in NRW entspannt sich die Lage laut Umweltministerium. „Teils besteht noch erhöhter Zufluss, aber keine Talsperre entlastet mehr über die Hochwasserentlastung.“ Auch an der Rur hätten alle von den Talsperren beeinflussten Hochwassermeldepegel, wie auch die anderen Pegel im Einzugsgebiet der Rur, aktuell eine fallende Tendenz.

164 Tote nach Hochwasser-Katastrophe bestätigt

Gleichzeitig stieg die Zahl der Todesopfer am Montag auf mindestens 164: Aus Rheinland-Pfalz wurden 117 und aus NRW 47 Unwetter-Tote bestätigt. In beiden Bundesländern wurde nicht ausgeschlossen, dass noch weitere Opfer gefunden werden könnten.

Bund rechnet mit zwei Milliarden Euro Schäden bei Bahn und Straßen

Der Bund rechnet wegen der Hochwasser-Katastrophe mit mindestens rund zwei Milliarden Euro Schäden alleine bei der Deutschen Bahn sowie bei Straßen. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Montag aus Regierungskreisen. Alleine bei der Bahn gebe es einen Schaden von mindestens 1,3 Milliarden Euro.

Zerstörte Brücken, Gleise, Straßen und Mobilfunkmasten in den Hochwasser-Katastrophengebieten in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen sollen schnellstmöglich wieder instandgesetzt werden, hatte es zuvor aus dem Bundesverkehrsministerium geheißen. Dazu tagte am Montag eine Taskforce, wie ein Sprecher von Ressortchef Andreas Scheuer (CSU) gesagt hatte. Daran hätten auch Vertreter der Deutschen Bahn und der Autobahngesellschaft des Bundes teilgenommen.

Das Verkehrsministerium hatte angekündigt, zur Schadensermittlung werde in einzelnen Arbeitsgruppen für Straße, Schiene, Wasserstraße und digitale Infrastrukturen der weitere Handlungsbedarf ermittelt und priorisiert. Das Bundeskabinett will am Mittwoch über Bundeshilfen für die Hochwasser-Katastrophengebiete entscheiden.

Spendenaufrufe und Fake-Shops: Betrüger nutzen Hochwasser aus

Mit gefälschten Internet-Shops und Spendenaufrufen haben Kriminelle offenbar die Hochwasserkatastrophe ausgenutzt und Menschen um Geld gebracht. In drei Fällen hätten mutmaßliche Betrüger etwa Bautrockner im Netz angeboten, wie die Polizei in Köln und Bonn am Montag berichtete. Nachdem Betroffene dort bestellt und vorab gezahlt hatten, seien die Firmen telefonisch nicht mehr erreichbar gewesen. In einem anderen Fall hätte eine vermeintliche Elektrik-Firma Reparaturen angeboten, aber diese nach einer Zahlung nicht ausgeführt.

In Köln sucht die Polizei den Angaben zufolge nach mutmaßlichen Betrügern, die ein auf Facebook veröffentlichtes Foto einer durch das Hochwasser zerstörten Wohnung kopiert hätten und in einem neuen Beitrag dann um Spenden gebeten hätten. Ob dem Aufruf jemand gefolgt ist, werde nun ermittelt. Der Post sei gelöscht worden. In allen Fällen werde wegen des Verdachts auf Betrug ermittelt. Die Polizei warnte in der Mitteilung von Montag vor Betrugsdelikten im Zusammenhang mit der Hochwasserkatastrophe.

Die Kriminellen nutzten die Hilflosigkeit und Spendenbereitschaft der Menschen aus. Gefälschte Internet-Shops seien auf den ersten Blick schwer zu erkennen: „Da die Täter aus dem Ausland agieren, ist das Löschen solcher Fake-Shops oft umständlich und langwierig. Die Betrüger können daher über viele Wochen hinweg ahnungslose Online-Einkäufer um ihr Geld bringen“, warnte die Polizei. Weil sie oft mit unwahrscheinlich niedrigen Preisen lockten, sollten Kunden zum Beispiel keine spontanen Käufe machen und im Voraus Preise vergleichen.

Noch rund 30.000 Menschen im Westen ohne Strom

Im Westen Deutschlands waren nach dem verheerenden Unwetter der vergangenen Woche auch am Montagmittag noch rund 30 000 Menschen im Gebiet des Versorgers Westnetz ohne Strom. Die genaue Zahl der Betroffenen sei aufgrund der enormen Zerstörungen und Evakuierungen nur sehr schwer zu ermitteln, teilte der Westnetz-Mutterkonzern Eon mit. Der Konzern ist nach eigenen Angaben dabei, Mitarbeiter, Notstromaggregate und anderes technisches Gerät aus anderen Regionen in die Krisengebiete zu transportieren, um bei der Bewältigung der Krise zu helfen.

Ministerium: Deutscher Wetterdienst informierte zwei Tage vorher über Unwetter 

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums bereits zwei Tage vor dem Unwetter im Westen Deutschlands die zuständigen Stellen verständigt. Der DWD habe am Montagmorgen, dem 12. Juli um 6 Uhr „über die bevorstehenden Starkregenereignisse informiert“, teilte ein Ministeriumssprecher am Montag mit. „Diese Information ging an die zuständigen Katastrophenschutzstellen der Länder, Landkreise und Kommunen.“ Die konkret daraus abzuleitenden Schutzmaßnahmen seien jeweils von den Einsatzkräften vor Ort zu treffen.

Der Sprecher betonte, dass in Deutschland für die Warnung vor extremen Wettereignissen mit seinen amtlichen Unwetterwarnungen der DWD zuständig sei. Diesem Auftrag sei der Wetterdienst „nachvollziehbar nachgekommen“.

Ausmaß der massiven Schäden an der Verkehrsinfrastruktur noch immer unklar 

Zerstörte Autobahnabschnitte, Schienen oder Brücken - die Unwetterkatastrophe in Teilen Deutschlands hat an der Infrastruktur massive Schäden hinterlassen. Das genaue Ausmaß war am Montag immer noch unklar. 

Nach Angaben der Autobahn GmbH gibt es infolge der Unwetter weiter eine Vollsperrung der A1 in Fahrtrichtung Koblenz zwischen dem Autobahnkreuz Köln-West und dem Autobahndreieck Erfttal sowie ebenfalls eine Vollsperrung der A1 in Fahrtrichtung Dortmund zwischen dem Autobahndreieck Erfttal und der Anschlussstelle Hürth. Ein Engpass besteht demnach weiterhin auf der A1 in Fahrtrichtung Koblenz zwischen den Anschlussstellen Köln-Lövenich und Köln-Bocklemünd. Auf der A61 gibt es wegen erheblicher Schäden infolge der Unwetter eine Vollsperrung in beiden Fahrtrichtungen zwischen den Autobahnkreuzen Kerpen und Meckenheim in nahezu allen Abschnitten. Vermutlich noch längere Zeit andauern werden auch die Beeinträchtigungen im Bahnverkehr in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. 

Auch das Mobilfunknetz ist in den betroffenen Gebieten noch immer lückenhaft. Der größte deutsche Mobilfunkanbieter Vodafone erklärte am Montag, dass noch ein Sechstel der Funkstationen vom Netz abgeschnitten sei.

Dobrindt sagt Flutopfern „Hilfen in Rekordhöhe“ zu 

Nach der verheerenden Flutkatastrophe vor allem im Westen Deutschlands hat CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt den Opfern „volle Unterstützung“ zugesichert. „Wir werden dafür Hilfen in Rekordhöhe bereitstellen“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur am Montag in Berlin. „Wir brauchen jetzt eine Solidaritätsoffensive für Soforthilfe und Wiederaufbau für die Hochwassergebiete.“

Die Bundesregierung will bei der Kabinettssitzung an diesem Mittwoch über die Hilfen für die Hochwassergebiete vor allem in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen entscheiden. An der genauen Höhe und Ausgestaltung wird nach Angaben des Bundesfinanzministeriums vom Montag noch gearbeitet. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) hatte am Sonntag gesagt, der Bund orientiere sich bei den Soforthilfen an der letzten Flut, also an etwa 400 Millionen Euro.

Sachsen rechnet nach Unwetter mit Millionen-Schäden

Sachsen rechnet nach Starkregen und Überflutungen in einigen Teilen des Freistaates mit Schäden in Millionenhöhe. Bisher sei das aber noch nicht beziffert, sagte Umweltminister Wolfram Günther (Grüne) am Montag in Porschdorf (Sächsische Schweiz). Dort und auch in Ostsachsen hatten am vergangenen Samstag extreme Regenfälle leichte Überschwemmungen verursacht. Straßen, Eisenbahngleise, Brücken und Gebäude wurden laut Günther in Mitleidenschaft gezogen. Betroffene sollten die Schäden bei ihren Gemeinden anzeigen, sagte er. Am Dienstag wolle sich das Kabinett in Dresden mit den Folgen des Unwetters befassen.

Erftstadt: Heimgesuchte B265 geräumt – keine Toten entdeckt

Auf der überspülten Bundesstraße 265 bei Erftstadt (Nordrhein-Westfalen) sind alle vom Hochwasser eingeschlossenen Fahrzeuge geborgen worden. Tote seien glücklicherweise dabei bislang nicht entdeckt worden, erklärte ein Sprecher des Rhein-Erft-Kreises am Montag. Allerdings gebe es noch ein Regenrückhaltebecken in der Nähe der Straße, das noch ausgepumpt werde.

Wie die Stadt Erftstadt auf ihrer Facebook-Seite mitteilte, sollten aus dem Becken im Laufe des Montags noch fünf weitere Fahrzeuge geborgen werden. Die Stadt erklärte aber auch: „Glücklicherweise wurden dort keine Personen in den Fahrzeugen aufgefunden.“

Auf der B265 bei Erftstadt waren mehr als 100 Fahrzeuge vom Hochwasser eingeschlossen worden. Der Rhein-Erft-Kreises hatte erklärt, es sei unklar, ob es alle Insassen rechtzeitig aus ihren Wagen geschafft hätten, als sie von den Wassermassen überrascht wurden.

Nach Angaben des Kreises wurden auch im besonders stark getroffenen Erftstädter Stadtteil Blessem bislang keine Todesopfer der Hochwasserkatastrophe gefunden. 29 Menschen gelten aber noch als vermisst, sagte der Sprecher des Kreises.

In Blessem hatte ein gewaltiger Erdrutsch Straßen und Häuser mitgerissen. Die Abbruchkante am Rand des Kraters gilt weiterhin als Risikozone. Der Stadtteil gilt nach Angaben der Stadt mittlerweile als geräumt. Am Sonntagabend seien Einsatzkräfte die Häuser abgegangen. Dabei seien Haustiere gefunden und gerettet worden - Menschen habe man nicht angetroffen.

THW: Psychologische Hilfe für ehrenamtliche Helfer

Nachsorge-Teams des THW sind seit dem Montagmorgen in den Hochwasser-Gebieten im Einsatz. Sie kümmern sich psychologisch um ehrenamtliche Helfer, die mit traumatischen Bildern und Erlebnissen aus dem Einsatz kommen und Erlebtes nur schwer verarbeiten können.

FDP beantragt Sondersitzung im Innenausschuss des Bundestags

Die FDP-Bundestagsfraktion hat wegen der Unwetterkatastrophe eine kurzfristige Sondersitzung des Innenausschusses beantragt. Dabei solle es um die Lage in den Hochwassergebieten, Abläufe der Warn- und Alarmierungsverfahren in der vergangenen Woche sowie Schlussfolgerungen des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) und der Bundesregierung gehen. So heißt es in einem Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur am Montag in Berlin vorlag.

Die FDP forderte die Anwesenheit von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), BBK-Präsident Armin Schuster und der Spitze des Technischen Hilfswerkes (THW). „Der Vorwurf steht im Raum, dass mit großer Vorlaufzeit Erkenntnisse über die drohende Gefahrenlage für die Hochwassergebiete bekannt waren. Trotzdem hat es so viele Tote und unbeschreibliche Verwüstungen gegeben“, sagte Stephan Thomae, stellvertretender FDP-Fraktionsvorsitzender.

Nach den Fluten: Öl und Diesel verschmutzen Gewässer in NRW

Bereits am frühen Donnerstagmorgen seien die ersten Ölschlieren auf dem Rhein bei Bad Honnef gefunden worden. „Die Leute haben das auch schon gemeldet, dass es riecht und Schlieren auf dem Wasser sind“, sagt eine Sprecherin des Landesumweltamtes (LANUV) am Montag. Auch in Erftstadt-Blessem, wo die Lage nach einem Erdrutsch besonders angespannt war, sind die Umweltfolgen bereits spürbar. Das Wasser, durch das man auf den Straßen von Blessem watete, roch beißend nach Benzin und hatte ölige Schleier.

Oberste Priorität des LANUVs habe zunächst die Trinkwasserversorgung, sagte die Sprecherin am Montag. Wasserversorgung würden über einen sogenannten Warn- und Alarmplan über mögliche Befunde informieren und könnten dann Maßnahmen ergreifen. „Über andere Umweltfolgen haben wir noch gar keinen Überblick“, fügte die Sprecherin hinzu, dafür müssten die Pegelstände zunächst weiter sinken. 

Bundesamt-Chef: „Wir wollen die gute alte Sirene zurückhaben“

Sirenen spielen bei der Warnung vor Katastrophen nach Ansicht des Präsidenten des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, Armin Schuster, einen wichtige Rolle. Es brauche einen Warnmittel-Mix aus verschiedenen Methoden, rein digitale Warnungen seien nicht der richtige Weg, sagte er im Deutschlandfunk. „Und deswegen wollen wir auch die gute alte Sirene zurückhaben.“

Zahl der Flut-Todesopfer im Kreis Ahrweiler auf 117 gestiegen

Die Zahl der Todesopfer nach den verheerenden Überschwemmungen im Kreis Ahrweiler ist auf 117 gestiegen. Zudem seien mindestens 749 Menschen verletzt worden, teilte eine Polizeisprecherin in Koblenz am Montag mit. Wie viele Menschen noch vermisst werden, ist weiterhin unklar. Am Sonntag war die Zahl der Flut-Toten in Rheinland-Pfalz mit 110 angegeben worden.

Hochwasserlage in Bayern entspannt sich etwas

Die Lage in den Hochwassergebieten im Süden und Osten Bayerns hat sich etwas entspannt. In Passau lag der Pegel der Donau am frühen Montagmorgen bei 8,18 Metern und damit unterhalb der höchsten Hochwasserwarnstufe von 8,50 Metern. Von katastrophalen Zuständen sei man zum Glück noch entfernt, sagte ein Sprecher der Polizei in Passau am Montag.

Auch im besonders stark von Unwettern getroffenen Berchtesgadener Land konnten die Menschen etwas aufatmen. „Die Nacht verlief ruhig“, hieß es bei der Feuerwehr. Die Helfer seien jetzt mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Anlass zur Hoffnung geben auch die Wetteraussichten. Bis auf einzelne kurze Schauer soll es in den kommenden Tagen trocken bleiben.

Völlige Entwarnung gibt es gerade in Städten wie Passau aber noch nicht. Uferpromenaden und Parkplätze waren bereits überflutet worden, Bewohner schützen ihre Häuser mit Sandsäcken und Barrieren. Der Scheitel der Hochwasserwelle wurde gegen 9 Uhr erwartet. Auch andernorts stiegen die Pegel, etwa in Neuburg an der Donau, wo die Hochwassermeldestufe drei erreicht wurde.

Feuerwehr: Damm der Steinbachtalsperre hat standgehalten

Der Damm an der seit Tagen bedrohten Steinbachtalsperre in Nordrhein-Westfalen hat den Wassermassen bis zum Montagmorgen standgehalten. Die Feuerwehr Euskirchen trat Gerüchten entgegen, der Damm sei gebrochen. Tatsächlich seien bei einem Kontrollflug eines Hubschraubers der Bundespolizei keine Risse festgestellt worden.

„Es wird weiterhin Wasser abgepumpt und abgelassen“, sagte ein Sprecher der Feuerwehr der dpa in Düsseldorf. Ob der Wasserstand bereits jenseits der kritischen Marke sei, solle eine abschließende Expertenbewertung am Montagmorgen ergeben.

Aus der wegen des verheerenden Hochwassers bedrohten Talsperre wird Wasser abgelassen, um Druck von dem Damm zu nehmen. Erst wenn die Talsperre zu zwei Dritteln entleert sei, bestehe keine akute Dammbruchgefahr mehr, hatte die Bezirksregierung Köln mitgeteilt. 

Baerbock zu Überschwemmungen: „Da zieht sich einem das Herz zusammen“

Die Kanzlerkandidatin der Grünen, Annalena Baerbock, hat nach einem Besuch im Hochwasser-Katastrophengebiet eine bessere Vorbereitung für kommende Extremwetterereignisse gefordert. „Die Lage ist nach wie vor hochdramatisch. Menschen haben alles verloren, noch immer werden einige vermisst“, sagte Baerbock in einem am Montagmorgen veröffentlichten Spiegel-Interview. „Mir haben Helfer in Rheinland-Pfalz von Familien erzählt, die tagelang auf dem Dach ausharrten, bis endlich die Retter kamen. Da zieht sich einem das Herz zusammen. Wir müssen uns besser gegen solche Extremwettereignisse wappnen, um Menschen zu schützen.“

Baerbock forderte zudem eine Neuformation des Katastrophenschutzes mit mehr Verantwortung für den Bund. Diese Notwendigkeit zeichne sich seit längerem ab. „Notsituationen wie diese Flut oder auch Waldbrände häufen sich und brechen oft an vielen Orten zur selben Zeit aus. Hilfe funktioniert nur, wenn alles ineinandergreift. Dafür braucht es eine Instanz, die alle Kräfte bündelt, die schnellstmöglich aus ganz Deutschland oder EU-Nachbarstaaten Hubschrauber oder Spezialgeräte zusammenzieht.“

Britische Wissenschaftlerin spricht von „Systemversagen“

Die britische Times berichtet, dass nach Angaben von Hannah Cloke, Professorin für Hydrologie, bereits am 10. Juli eine Hochwasser-Warnung durch das europäische System Efas an deutsche Behörden abgegeben worden ist. Cloke sprach von „monumentalem Systemversagen“. Cloke ist selbst an der Entwicklung von Efas beteiligt gewesen. Aus Sicht der Wissenschaftlerin ist angesichts der Tatsache, dass „Menschen nicht evakuiert wurden oder die Warnungen nicht erhalten haben“, offenbar etwas schiefgegangen.

Man habe schon mehrere Tage vorher sehen können, was bevorsteht, so Cloke. Sie kritisierte, dass es an einer deutschlandweit einheitlichen Verfahrensweise für Flutrisiken mangele. Deutschland benötige verschiedene Pläne für Flutszenarien.

Innenminister Horst Seehofer besucht Hochwasser-Gebiete

Während im Westen Deutschlands vorerst keine akute Unwetter-Gefahr mehr besteht, richten sich weiterhin bange Blicke auf einige Orte. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) besucht an diesem Montag die von der Flutkatastrophe und großen Zerstörungen besonders betroffenen Gebiete in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. So wird er etwa an der Steinbachtalsperre in Euskirchen erwartet, wo ein Dammbruch zuletzt weiterhin nicht ausgeschlossen war. In Bayern blieb derweil die Hochwasserlage im Süden und Osten des Bundeslandes angespannt, spitzte sich aber in der Nacht nicht weiter zu. In Passau stiegen die Pegel noch bis in die Nacht, verharrten dann aber auf hohem Niveau.

Am späten Vormittag wird Seehofer an der Steinbachtalsperre in Euskirchen (Nordrhein-Westfalen) erwartet. Dort hatte es einen Rückschlag gegeben, weil das Wasser langsamer als erwartet abfloss. An diesem Montagmorgen wollen Fachleute entscheiden, wann die Menschen in den evakuierten Gebieten in ihre Häuser zurückkehren dürfen. Gerüchte über den Bruch des Damms dementierte die Feuerwehr Euskirchen am Sonntagabend.

Zahl der Todesopfer auf fast 160 gestiegen

Gegen Mittag will Seehofer nach Bad Neuenahr-Ahrweiler (Rheinland-Pfalz) fahren, um ein Krankenhaus zu besuchen. Dort hat das THW eine Trinkwasseraufbereitungsanlage installiert, damit das Krankenhaus weiterhin das nötige Trinkwasser bekommt. Dies war nötig geworden, nachdem die Wassermassen die Leitungen im Umfeld der Klinik beschädigt hatten.

dpa/Thomas Frey
Ein Einsatzwagen der Feuerwehr fährt durch eine Straße in Bad Neuenahr, die mit Sperrmüll gesäumt ist.

Die Zahl der bestätigten Todesopfer wegen der verheerenden Überflutungen in Deutschland war am Wochenende auf fast 160 gestiegen. Im Kreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz sind nach Polizeiangaben 110 Todesopfer zu beklagen, während die Zahl in Nordrhein-Westfalen auf 46 gestiegen war. Zudem kam mindestens ein Mensch in Oberbayern ums Leben.

Weiterhin akute Lebensgefahr in Erftstadt-Blessem

In Erftstadt-Blessem besteht nach Einschätzung von Experten in der Nähe einer Abbruchkante weiterhin akute Lebensgefahr, wie Landrat Frank Rock nach einem Gespräch mit den Fachleuten vor Ort am Sonntag mitgeteilt hatte. Die Stabilität des Untergrunds nach der Unwetterkatastrophe in dem besonders betroffenen Stadtteil müsse weiterhin überprüft werden. In Blessem war durch die Fluten ein riesiger Krater entstanden, mindestens drei Wohnhäuser und ein Teil der historischen Burg stürzten ein.

In Passau ganz im Südosten Deutschlands stieg in der Nacht zum Montag der Wasserstand der Donau nur noch gering und verharrte dann unter der Marke von 8,50 Meter, ab der die höchste Hochwasserwarnstufe gilt. Uferpromenade und Parkplätze waren bereits überflutet, Bewohner schützten Häuser mit Sandsäcken und Barrieren. Im Berchtesgadener Land in Oberbayern hatte die Wucht des Wassers bereits am Wochenende mit voller Kraft zugeschlagen, weil der Fluss Ache über die Ufer trat. Mehr als 160 Menschen mussten in der Urlaubsregion rund um den Königssee aus ihren Häusern in Sicherheit gebracht werden, wie eine Sprecherin des Landratsamtes am Sonntagabend erklärte.

Solidarität mit Flutopfern: Tel Aviver Rathaus in deutschen Farben

Die israelische Küstenmetropole Tel Aviv hat nach der Flutkatastrophe mit mehr als 150 Toten ein Zeichen der Solidarität mit Deutschland gesetzt. Das Tel Aviver Rathaus wurde am Sonntagabend in den Farben der deutschen Flagge angeleuchtet.

Israels neuer Präsident Izchak Herzog hatte zuvor sein Beileid ausgesprochen und Hilfe angeboten. In einem Brief an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier schrieb Herzog, er übermittle im Namen des Volkes Israel „in dieser Zeit der Zerstörung und des Verlusts unsere Freundschaft und Unterstützung des deutschen Volkes“. Der Staat Israel stehe fest an Deutschlands Seite, „und wir sind bereit, in jeder möglichen Weise zu helfen“.

Laschet will mehr Schutz gegen Wetterextreme

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) fordert als Konsequenz aus der Hochwasserkatastrophe mehr Vorsorge gegen Extremwetter. „Wir müssen Dämme bauen, Rückhaltebecken, Wasserreservoirs, Flächen renaturieren - Schutz nicht nur am Rhein, sondern auch an den großen und den vielen kleinen Flüssen überall im Land“, sagte Laschet am Sonntagabend laut Redemanuskript in einer Fernsehansprache im WDR. „Kurz: Natur, Umwelt, Leib und Leben schützen - quasi das Immunsystem unserer Heimat stark machen, damit wir besser gegen Wetterextreme gewappnet sind.“

Die Häufigkeit und die Wucht solcher Katastrophen seien auch eine Folge des Klimawandels, bekräftigte Laschet. „Den müssen wir hier und weltweit schneller und konsequenter bekämpfen. Das Klima gewährt keinen Aufschub.“

Polizei in NRW erreicht mehr als 700 Vermisste nach Unwettern

Bei der Suche nach Opfern der Unwetterkatastrophe in Nordrhein-Westfalen hat die Polizei mehr als 700 Vermisste telefonisch erreicht. Damit sei eine Vielzahl der Vermisstenmeldungen, die bei der Polizei Köln eingegangen waren, aufgeklärt worden, teilte die Polizei am Sonntag mit. In Rheinbach bargen die Einsatzkräfte am Mittag eine weitere Leiche, damit steigt die Zahl der Todesopfer im betroffenen Rhein-Sieg-Kreis auf neun.

Rund 250 Einsatzkräfte der Polizei, Feuerwehr, Bundeswehr und des Technischen Hilfswerks waren am Sonntag im Rhein-Sieg-Kreis und im Kreis Euskirchen im Einsatz, um nach weiteren Vermissten zu suchen. Derzeit werden laut Polizei in der Region noch etwa 150 Menschen vermisst.

Erdrutsch in Erftstadt: Laut Experten weiterhin akute Lebensgefahr

In Erftstadt-Blessem besteht nach Einschätzung von Experten in der Nähe einer Abbruchkante weiterhin akute Lebensgefahr. Das teilte Landrat Frank Rock nach einem Gespräch mit den Fachleuten vor Ort am Sonntag mit. Die Stabilität des Untergrunds nach der Unwetterkatastrophe in dem besonders betroffenen Stadtteil müsse weiterhin überprüft werden. Eine abschließende Einschätzung sei noch nicht möglich.

In Blessem war durch die Fluten ein riesiger Krater entstanden, mindestens drei Wohnhäuser und ein Teil der historischen Burg stürzten ein. Der Ortsteil war evakuiert worden. Die Behörden sprachen ein Betretungsverbot aus.

„Angesichts der Zerstörung in Teilen des Ortes, grenzt es an ein Wunder, dass wir bisher keine Todesopfer zu beklagen haben. Das ist ein Stück weit erleichternd. Gleichwohl müssen wir mit Hochdruck an einer Perspektive für die Bewohner arbeiten, die verständlicherweise schnellstmöglich wieder in ihre Häuser und Wohnungen zurückkehren möchten“, so Rock.

Bauarbeiten an Autobahnen werden Monate dauern

dpa/Fabian Strauch
Ein Wagen der Polizei fährt über die gesperrte Autobahn A1 nahe Blessem in Erftstadt.

Nach der Unwetterkatastrophe müssen sich Autofahrer auf den Autobahnen 1 und 61 im Süden Nordrhein-Westfalens noch monatelang auf Beeinträchtigungen einstellen. Bei den Kommunen Erftstadt und Swisttal hatten die Wassermassen Teile der Fahrbahn weggerissen. Die Schadensbegutachtung laufe noch, erst danach könnten die Bauarbeiten beginnen, sagte ein Sprecher der Autobahngesellschaft des Bundes am Sonntag. Wie lange die Reparatur dauern werde, könne er nicht sagen. Sehr wahrscheinlich geht es aber um mehrere Monate.

Bis auf Weiteres gelten Vollsperrungen auf der A1 zwischen dem Autobahndreieck Erfttal und der Anschlussstelle Hürth in der einen Fahrtrichtung und in der anderen Fahrtrichtung vom Kreuz Köln-West bis nach Erfttal, wie die Autobahngesellschaft mitteilte. Die A61, die sich bei Erftstadt mit der A1 verbindet, ist in beiden Fahrtrichtungen zwischen den Autobahnkreuzen Kerpen und Meckenheim voll gesperrt.

Bewohner in Erftstadt können wieder Wasser benutzen

Bewohner in der vom Hochwasser besonders betroffenen Stadt Erftstadt können wieder Wasser in Maßen benutzen. „Eine Dusche oder eine notwendige Maschine Wäsche sind kein Problem“, teilte die Stadt am Sonntag mit. Sollte es zu einem Rückstau des Wassers im Haus oder der Wohnung kommen, müsse der Verbrauch aber wieder reduziert werden. „Bitte lassen Sie insbesondere Geräte nicht unbeaufsichtigt“, schrieb die Stadt.

Merkel: Wir müssen schneller werden im Kampf gegen Klimawandel

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat bei einem Besuch in dem besonders von der Hochwasserkatastrophe betroffenen Landkreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz auf Tempo im Kampf gegen den Klimawandel gedrängt. „Wir müssen schneller werden im Kampf gegen den Klimawandel“, sagte sie am Sonntag in Adenau. „Wir müssen auch der Anpassung noch größere Aufmerksamkeit zuwenden.“ Mitigation, also Anpassung an Auswirkungen von Klimawandel wie Dürre und Extremregen, sei nicht nur für Afrika ein Thema, sondern auch für Deutschland.

Investitionen in Klimaschutz seien teuer, sagte Merkel. Aber was Klimawandel anrichten könne, sei noch teurer. „Wir müssen uns anstrengen - sehr anstrengen“, so Merkel.

Merkel nennt Ausmaß der Hochwasserkatastrophe „surreal, gespenstisch“

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat das Ausmaß der Hochwasserkatastrophe in Deutschland „surreal, gespenstisch“ genannt. Nach einem Besuch im Eifeldorf Schuld sagte Merkel am Sonntag in Adenau, die deutsche Sprache kenne kaum Worte für diese Verwüstung. „Wir werden uns dieser Naturgewalt entgegenstemmen“, sagte die Kanzlerin und kündigte Hilfen des Bundes für die betroffenen Kommunen an.

„Wir stehen an Ihrer Seite“, versicherte Merkel an die Opfer der Hochwasserkatastrophe gerichtet. Am Mittwoch werde das Kabinett in Berlin ein Programm für schnelle Hilfe verabschieden, kündigte sie an. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) hat hierfür bereits die Summe von 300 Millionen Euro genannt. Bund und Land würden gemeinsam handeln, „um die Welt Schritt für Schritt in Ordnung zu bringen in dieser wunderschönen Gegend“, sagte Merkel.

Die Kanzlerin versicherte, neben schneller Hilfe werde der Bund auch langfristig Unterstützung leisten. Sie werde Ende August wiederkommen - „damit wir das Langer-Atem-Haben deutlich machen“.

Merkel im Eifel-Katastrophengebiet eingetroffen

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist am Sonntag zu einem Besuch in den vom Hochwasser betroffenen Gebieten in Rheinland-Pfalz eingetroffen. Gegen Mittag war Merkel in der Eifelgemeinde Schuld, die besonders schwer von der Flutkatastrophe getroffen worden war. Die Kanzlerin wolle sich vor Ort ein Bild von der Lage machen, hieß es im Vorfeld. Begleitet wurde sie unter anderem von Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD).

Der Ortsbürgermeister von Schuld, Helmut Lussi, begrüßte Merkel. Fernsehbilder zeigten sie auf einer Brücke im Gespräch mit Einsatzkräften. Merkel fragte die Helfer, ob sie genug Schlaf bekämen, wie die Trinkwasserversorgung klappe, was ihre größten Probleme seien, auch wie es ihnen persönlich gehe. „Einen Kollegen hat es ganz schwer getroffen, da ist das ganze Haus weg“, sagte einer der Feuerwehrmänner. „Haben Sie noch etwas, was Sie uns mitgeben wollen?“, fragte Merkel am Ende des Gesprächs.

dpa/AFP/Pool/Christof Stache
Bundeskanzlerin Angela Merkel (3.v.l.) und Ministerpräsidentin Malu Dreyer (5.v.l.) sind im besonders schwer betroffenen Ort Schuld in Rheinland-Pfalz eingetroffen.

Zahl der Toten bei Unwetterkatastrophe steigt in NRW auf 46

In Nordrhein-Westfalen ist die Zahl der Toten im Zusammenhang mit der Unwetterkatastrophe auf 46 gestiegen. Das teilte eine Sprecherin des NRW-Innenministeriums am Sonntag mit. Damit hat sich die Zahl der Todesopfer gegenüber Samstag um eine Person erhöht. Allein aus NRW seien 650 Polizisten und 19.000 Einsatzkräfte etwa von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk (THW) an den Rettungsarbeiten beteiligt, hieß es weiter.

Größte Glocke von Berliner Gedächtniskirche läutet für Hochwasser-Opfer 

Die Berliner Gedächtniskirche hat am Sonntag ihre größte Glocke für die Flutopfer in Deutschland, Österreich, den Niederlanden und Belgien  läuten lassen. Dies geht aus einem Bericht der B.Z. hervor. Die Glocke ist 5,6 Tonnen schwer und wird nur zu außergewöhnlichen Anlässen geläutet. 

Söder und Herrmann fahren ins bayerische Hochwassergebiet

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Innenminister Joachim Herrmann (beide CSU) wollen am Sonntagnachmittag ins Hochwassergebiet in Südostbayern fahren. Das verlautete am Vormittag aus Regierungskreisen in München. Die beiden Politiker wollten sich in der vom Hochwasser betroffenen Region ein Bild von der Lage machen, hieß es. Insbesondere der Landkreis Berchtesgadener Land war in der Nacht schwer von Hochwasser getroffen worden.

Scholz verspricht 300 Millionen Euro Soforthilfe

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) hat den Opfern der Flutkatastrophe 300 Millionen Euro Soforthilfe zugesagt. Gegenüber der Bild-Zeitung sagte der Politiker: „Am Mittwoch im Kabinett will ich zwei Dinge auf den Tisch legen: Erstens, eine Soforthilfe, bei der letzten Flut waren dafür deutlich mehr als 300 Millionen Euro nötig. Da wird jetzt sicher wieder so viel gebraucht.“ Des Weiteren sicherte Scholz ein milliardenschweres Aufbauprogramm zu. 

Erftstadt: Menschen suchen nach ihren Angehörigen

In der vom Hochwasser besonders betroffenen Ortschaft Erftstadt westlich von Köln suchen zahlreiche Menschen nach ihren Angehörigen. Bisher wurden laut Angaben der Stadt bei der am Samstag eröffneten „Personenauskunftsstelle“ 59 Menschen gemeldet, deren Aufenthaltsort ungewiss ist. 16 davon kämen aus Erftstadt.

Unter den Gesuchten seien auch Bewohner einer Altenpflegeeinrichtung, die am Samstag evakuiert werden musste. Viele Menschen wüssten nicht, wo ihre Angehörigen sein könnten, weil etwa das Telefonnetz zusammengebrochen war, erklärte ein Sprecher des Rhein-Erft-Kreises am Sonntag.

Bundeswehr birgt zerstörte Autos mit Panzern

Den Angaben der Stadt Erftstadt zufolge konnten Einsatzkräfte bislang 70 Fahrzeuge bergen, 25 stünden noch im Wasser. Bislang wurden keine Menschen in den Autos und Lastwagen entdeckt. Zwei Fahrzeuge konnten Helfer bislang nicht sichten, weil sie unter einem Lkw lagen.

In Erftstadt waren am Samstag erste Aufräumarbeiten angelaufen. Die Bundeswehr begann damit, auf der Bundesstraße 265 bei Erftstadt die von den Fluten eingeschlossenen Fahrzeuge mit Radpanzern zu bergen.

dpa/David Young
Ein Panzer der Bundeswehr schleppt ein zerstörtes Auto ab.

Berchtesgadener Land: 130 Menschen in Sicherheit gebracht

Rund 130 Menschen mussten wegen des Hochwassers im Berchtesgadener Land aus ihren Häusern in Sicherheit gebracht werden. Darunter seien 80 Menschen aus einer Siedlung in Schönau am Königssee, sagte Landrat Bernhard Kern am Sonntag in Bad Reichenhall. Unklar war, ob die Siedlung länger gesperrt werden muss oder ob die Sperrung bald wieder aufgehoben werden kann. Der Bahnverkehr zwischen Bad Reichenhall und Berchtesgaden sei eingestellt, so Kern. Auch Straßen seien „extremst in Mitleidenschaft gezogen“ worden.

Steinbachtalsperre: Neue Probleme verhindern Entwarnung

An der von einem Bruch bedrohten Steinbachtalsperre bei Euskirchen (NRW) fließt das Wasser langsamer ab als erwartet. Deshalb sollen Experten am Sonntag die noch immer angespannte Lage am Staudamm neu bewerten, so die Bezirksregierung Köln. Die ursprünglich geplante Prognose, am Sonntagnachmittag gegen 15 Uhr Entwarnung geben zu können, kann den Angaben zufolge deshalb nicht gehalten werden.

Aus der Talsperre wird Wasser abgelassen, um Druck von dem Damm zu nehmen. Der Wasserstand sinke aber langsamer als erwartet, hieß es am Samstagabend. Entwarnung könne erst gegeben werden, wenn die Talsperre zu zwei Dritteln entleert sei. Bis dahin bestehe weiter akute Dammbruchgefahr, wie die Bezirksregierung warnte. 

So können Sie Hochwasser-Opfern helfen

Das Aktionsbündnis „Deutschland hilft“ ist ein Bündnis renommierter Hilfsorganisationen. Die Spendenkontonummer lautet: DE53 200 400 600 200 400 600. Menschen, die Angehörige in der rheinland-pfälzischen Eifel vermissen, können sich unter der Telefonnummer 08006565651 melden.

Über ein Hinweisportal können laut Polizeipräsidium Koblenz Videos oder Fotos hochgeladen werden, die Rückschlüsse auf Personen oder Tote geben können.

Spende: Zehn Millionen Euro für die Opfer des Hochwassers

Die Unternehmen der Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland, Schwarz Produktion, PreZero) spenden laut einem Bericht der Bild-Zeitung zehn Millionen Euro Soforthilfen. Das Geld solle „zur sofortigen Unterstützung in den Hochwassergebieten beitragen“, wie es heißt.

Pegel in Passau steigen: Polizei schleppt vorsorglich Autos ab

Im bayerischen Passau steigen die Wasserstände der Flüsse stündlich weiter an. Die Polizei schleppte vorsorglich Autos an Parkplätzen an der Donau ab, wie eine Sprecherin am Sonntag sagte. Anwohner hätten trotz Hochwasserwarnungen versäumt, ihre Fahrzeuge umzuparken. „Wenn wir sie nicht abschleppten, dann schwimmen die Dinger bis Österreich“, sagte die Polizeisprecherin. Der Pegel der Donau war nach Angaben des Hochwassernachrichtendienstes im Laufe des Samstags um fast zwei Meter auf 7,80 Meter gestiegen. Der Wasserstand der Inn stieg in den vergangenen zwölf Stunden von 3,30 auf 5,40 Meter.

Neue Unwetter im Süden und Osten von Deutschland 

Bei neuen Unwettern im Süden und Osten Deutschlands hat am späten Samstagabend der Landkreis Berchtesgadener Land in Oberbayern den Katastrophenfall ausgerufen. Auch in der Sächsischen Schweiz gingen gewaltige Regenmassen nieder. Nachdem sich das verheerende Wasser aus vielen Flutgebieten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz allmählich zurückgezogen hat, wird in den Trümmern weiterhin nach Todesopfern und Verletzten gesucht. Die Gesamtzahl der Todesopfer ist nach aktuellen Angaben auf nunmehr mindestens 156 gestiegen.

Immense Regenfälle verursachten am Samstag auch in Teilen Sachsens heftige Überschwemmungen. In der Sächsischen Schweiz waren mehrere Ortslagen von Städten und Gemeinden nicht mehr erreichbar. Besonders betroffen seien Neustadt, Sebnitz, Bad Schandau, Reinhardtsdorf-Schöna und Gohrisch, informierte das Landratsamt am Abend. Die Bahnstrecke zwischen Bad Schandau und dem tschechischen Dečin wurde gesperrt. „Die Situation ist angespannt, aber beherrschbar“, erklärte das Lagezentrum des Innenministeriums in Dresden auf Anfrage der dpa.

dpa/Kilian Pfeiffer
Wasser fließt über einen Platz vor einem Haus im bayerischen Bischofswiesen. Der Landkreis Berchtesgadener Land hat nach starkem Regen wegen Hochwassers den Katastrophenfall ausgerufen.

Nach sintflutartigem Regen war die Feuerwehr im Landkreis Berchtesgadener Land in Oberbayern seit Samstagabend mit rund 500 Einsatzkräften im Dauereinsatz. Der Landkreis hat aufgrund des Unwetters den Katastrophenfall ausgerufen. Zwei Menschen starben in dem Hochwassergebiet. Es sei bei einem Todesfall aber noch unklar, ob der dieser in Zusammenhang mit dem Hochwasser stehe, sagte die Sprecherin des Landratsamt Berchtesgadener Land, Alexandra Rothenbuchner.

Auch weite Teile Österreichs von Starkregen betroffen

Die Lage sei dramatisch, sagte ein Sprecher der Integrierten Leitstelle Traunstein. Das Wasser schieße aus den Bergen, gleichzeitig stiegen die Pegelstände des Flusses Ache an. Betroffen waren vor allem die Orte Berchtesgaden, Bischofswiesen, Schönau am Königssee, Marktschellenberg und Ramsau im äußersten Südosten Bayerns. Dort trat das Wasser stellenweise über die Ufer und überflutete Straßen. Hänge rutschten ab. Einzelne Häuser mussten deshalb geräumt werden, sagte Rothenbuchner. „Es kommen ständig Notrufe rein“, sagte ein Polizeisprecher in Rosenheim.

Sintflutartige Regenfälle haben in der Nacht zum Sonntag auch weite Teile Österreichs erfasst. Sowohl in Salzburg als auch in Tirol und der Bundeshauptstadt Wien waren die Feuerwehren im Dauereinsatz, wie die Agentur APA meldete. Im Stadtgebiet von Hallein sei Zivilschutzalarm ausgelöst worden, ebenso wie in Mittersill im Pinzgau sowie in Kufstein in Tirol. In der Stadt Salzburg wurde der Hochwasserschutz entlang der Salzach aufgebaut.

Angela Merkel besucht von Unwetter schwer getroffenes Eifeldorf Schuld

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) besucht zusammen mit der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) am Sonntag das schwer von der Unwetterkatastrophe getroffene Eifeldorf Schuld. Nach Angaben der Landesregierung in Mainz sind im Anschluss an den Besuch um 14.30 Uhr Pressestatements geplant. In Schuld im Landkreis Ahrweiler waren mehrere Häuser komplett von den Wassermassen fortgerissen worden, zahlreiche weitere wurden stark beschädigt.

Großteil der von der Flut betroffenen Häuser in Trier leergepumpt

dpa/Harald Tittel
Reinigungsmaschinen säubern im Stadtteil Ehrang die Schäden nach dem Hochwasser der Kyll (17.07.2021).

In dem vom Hochwasser massiv betroffenen Trierer Stadtteil Ehrang sind die Aufräumarbeiten ein gutes Stück vorangekommen. „Den Feuerwehren und dem THW gelang es, rund 650 von 700 betroffenen Häuser leer zu pumpen“, teilte die Stadt am Samstagabend mit. Derzeit werde davon ausgegangen, dass keines der Häuser einsturzgefährdet sei, diese Einschätzung könne sich aber noch ändern.

In Trier-Ehrang war am Donnerstag die Kyll über die Ufer getreten und hatte große Teile des Stadtteils überschwemmt. Etwa 1000 Einwohner waren nach Angaben der Stadt Trier in Sicherheit gebracht worden. Zudem mussten ein Altenheim und ein Krankenhaus evakuiert werden. Am Samstag konnten die ersten Bewohner wieder in ihre Wohnungen zurückkehren.

Zahl der Toten bei Unwetterkatastrophe steigt in NRW auf 45

In Nordrhein-Westfalen ist die Zahl der Toten im Zusammenhang mit der Unwetterkatastrophe auf 45 gestiegen. Das teilte eine Sprecherin des NRW-Innenministeriums am Samstagabend mit. Damit hat sich die Zahl der Todesopfer gegenüber Freitag um zwei erhöht.

Keine Toten wurden bislang bei der Bergung der Fahrzeuge auf der überfluteten Bundesstraße 265 bei Erftstadt gefunden, wie ein Sprecher des Rhein-Erft-Kreises berichtete. Bei der Überprüfung der insgesamt 28 Autos und Lastwagen, die von den Wassermassen überspült worden waren, kamen auch Taucher der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) zum Einsatz.

Lachender Laschet in Erftstadt sorgt für empörte Reaktionen

Ein lachender Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) beim Besuch im vom Unwetter heimgesuchten Erftstadt in Nordrhein-Westfalen hat bei der SPD für empörte Reaktionen gesorgt. „Ich bin wirklich sprachlos“, schrieb SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil am Samstagnachmittag auf Twitter und verlinkte auf ein in den Online-Netzwerken kursierendes Video.

Darin lacht Laschet im Hintergrund zusammen mit Umstehenden, während ein sichtlich betroffener Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den Betroffenen in der Katastrophenregion Solidarität und Hilfe verspricht.

Vier Feuerwehrleute bei Hochwassereinsätzen in NRW gestorben

Bei den Hochwassereinsätzen in Nordrhein-Westfalen haben mindestens vier Feuerwehrleute ihr Leben verloren. Das teilte der Verband der Feuerwehren (VdF) am Samstag mit. Neben den beiden in Altena und Werdohl gestorbenen Männern seien zwei weitere Todesfälle gemeldet worden. In Nettersheim (Kreis Euskirchen) sei ein Feuerwehrangehöriger bei einem Rettungseinsatz ums Leben gekommen. Ein weiterer Feuerwehrangehöriger der Feuerwehr Rheinbach (Rhein-Sieg-Kreis) sei im Einsatz leblos aufgefunden worden und später im Krankenhaus gestorben.

„Die Betroffenheit in den Feuerwehren in Nordrhein-Westfalen und darüber hinaus ist riesig. Wir alle werden das nach Ende der Einsätze erst verarbeiten müssen“, sagte der stellvertretende VdF-Landesvorsitzende, Bernd Schneider.

Kuh wird 100 Kilometer von Hochwasser mitgetrieben – gerettet

Eine in den Niederlanden von der Hochwasser führenden Maas mitgerissene Kuh ist rund 100 Kilometer weiter aus dem Fluss gerettet worden. „Es ist für uns sehr überraschend, dass die Kuh so eine Strecke überstanden hat“, sagte ein Feuerwehrmann dem Sender „Omroep Brabant“ am Samstag.

Zahl der Toten nach Unwetterkatastrophe steigt auf 141

Die Zahl der Todesopfer bei der Unwetterkatastrophe in Rheinland-Pfalz und in Nordrhein-Westfalen hat sich auf 141 erhöht. Im rheinland-pfälzischen Kreis Ahrweiler seien 98 Tote bestätigt, teilte die Polizei Koblenz am Samstagnachmittag mit. Aus Nordrhein-Westfalen wurden bislang 43 Opfer gemeldet.

Die Anzahl der Verletzten in Ahrweiler liege bei 670, fügte die Polizei Koblenz hinzu. Zahlreiche Menschen werden noch vermisst.

Überflutungsgefahr unterhalb der Steinbachtalsperre noch nicht gebannt

dpa/Markus Klümper
Das Technische Hilfswerk (THW) und die Feuerwehr pumpen Wasser in der Steinbachtalsperre ab. Der Damm der Talsperre droht einstürzen.

Im Hochwassergebiet in Nordrhein-Westfalen besteht für das Gebiet rund um die Steinbachtalsperre weiterhin Überflutungsgefahr. Die Bezirksregierung Köln teilte am frühen Samstagnachmittag mit, dass der Absperrdamm an der Steinbachtalsperre noch versagen könnte. Große Teile des Damms seien durch Überströmung weggebrochen, gleichzeitig laste ein enorm hoher Druck auf dem Damm. Vorsorglich seien weitere Evakuierungen im Bereich der Talsperre geplant.

Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks (THW) pumpten auch am Samstag Wasser aus dem Stausee ab; am Freitagabend schon hatte der durch Geröll verstopfte Grundablass geöffnet werden können. Eine Entwarnung könne nach Experteneinschätzung allerdings erst bei einer Zweidrittel-Entleerung gegeben werden, warnte die Bezirksregierung am Samstag. Dies könnte „nach vorsichtiger Schätzung“ Sonntagnachmittag gegen 15.00 Uhr erreicht sein. Bis dahin bestehe weiterhin akute Dammbruchgefahr.

Mehrere Orte unterhalb der Talsperre im Kreis Euskirchen und im Rhein-Sieg-Kreis waren in den vergangenen Tagen bereits evakuiert worden. Bei der Unwetterkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen sind mindestens 133 Menschen ums Leben gekommen.

Probleme für Kohlekraftwerk Weisweiler durch Hochwasser

dpa/Alexander Forstreuter
Wasser fließt in den Tagebau Inden.

Die Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen hat auch das Kohlekraftwerk Weisweiler und andere Standorte des Energiekonzerns RWE getroffen. Das Unternehmen schätzte die Schäden am Samstag auf einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag.

Die Stromerzeugung des Kraftwerks Weisweiler bei Eschweiler laufe nur mit reduzierter Kraft, teilte RWE in Essen mit. Am Donnerstag habe der Fluss Inde bei Lamersdorf einen Deich überspült und sei in den Tagebau Inden gelaufen. Von dort wird das Kraftwerk mit Braunkohle versorgt. Zwar habe sich die Lage mit sinkenden Pegelständen stabilisiert. Ziel sei, Ende kommender Woche in Inden erstmals wieder Kohle zu fördern. Es sei aber noch unklar, wann der Tagebau und die Stromerzeugung wieder in vollem Umfang arbeiten könnten.

In der Grube war am Donnerstag ein 58-jähriger Raupenführer vom Wasser mitgerissen worden. Rettungskräfte suchten intensiv nach ihm. Es gebe aber keine Hoffnung mehr, ihn noch lebend zu finden, teilte RWE am Freitagabend mit.

Mit Stand Samstag waren auch RWE-Laufwasserkraftwerke in der Eifel, an Mosel, Saar und Ruhr noch abgeschaltet, wie das Unternehmen mitteilte. Nur zwei Anlagen seien in Betrieb. In den Tagebauen Garzweiler und Hambach sei der Betrieb dagegen nicht beeinträchtigt. Die Kraftwerke Niederaußem und Neurath produzierten Strom.

Polizei: Keine Drohnen über Einsatzgebieten fliegen lassen

Die Polizei im nordrhein-westfälischen Euskirchen hat Neugierige davor gewarnt, in die Hochwassergebiete zu kommen. Zudem sollten Privatleute keine Drohnen über Einsatzgebieten von Polizei und Rettungsdienst fliegen lassen. „Sie behindern dadurch die Drohnen der Rettungskräfte!“, schrieb die Polizei, die unter anderem für das Gebiet an der bedrohten Steinbachtalsperre zuständig ist, auf Twitter. Zudem sei der Drohneneinsatz unzulässig und stelle eine Ordnungswidrigkeit dar.

Zahl der Toten nach Überschwemmungen in Belgien steigt auf 24

Die Katastrophe hat im ebenfalls betroffenen Belgien bislang 24 Menschen das Leben gekostet. „Leider müssen wir damit rechnen, dass diese Zahl in den nächsten Stunden und Tagen weiter ansteigen wird“, teilte das Nationale Krisenzentrum des Landes am Samstag mit. In Teilen der Provinz Flämisch-Brabant sei die Situation weiterhin kritisch, hieß es. In den Gemeinden Zoutleeuw und Rotselaar könnte sich die Lage am Nachmittag sogar noch verschlechtern. In Rotselaar seien mehrere Häuser von den Fluten bedroht. Der Pegel der Demer habe einen kritischen Punkt erreicht. 

Steinmeier und Laschet in Erftstadt eingetroffen

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Armin Laschet (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, sind im Krisengebiet in Erftstadt eingetroffen. Fotos zeigen, wie sie sich beim Besuch der Feuerwehrleitzentrale mit Helfern der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) unterhalten. Viele Retter hätten „bis zur Erschöpfung und jenseits davon gearbeitet“, sagte Steinmeier. Er sprach den Helfern seinen tief empfundenen Dank „im Namen aller Deutschen“ aus. Der Ruf nach Hilfe aus allen Teilen der Region sei „groß und drängend“.

Ministerpräsident Laschet bezeichnete das Hochwasser bei dem Besuch als „Jahrhundertkatastrophe“. Es sei eine „nationale Aufgabe“ der betroffenen Region zu helfen. Es werde „sehr unbürokratisch Geld ausgezahlt“. Land und Kommunen könnten die Aufgabe aber nicht allein stemmen. 

dpa/Marius Becker
Erftstadt: Frank-Walter Steinmeier und Armin Laschet (CDU) mit DLRG-Einsatzkräften. 

Merkel will offenbar am Sonntag ins Krisengebiet reisen

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird laut einem Bericht der Bild-Zeitung am Sonntag ins Hochwassergebiet reisen. Die Kanzlerin will, wie es heißt, den besonders schwer von den Unwettern getroffenen Ort Schuld in Rheinland-Pfalz besuchen. Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) begleitet sie. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) wird am Montag in den Hochwassergebieten erwartet.

Bundeswehr räumt überflutete Fahrzeuge von Bundesstraße

dpa/David Young
Erftstadt: ein Panzer der Bundeswehr beim Bergen von Fahrzeugen auf der B265.

Auf der Bundesstraße 265 bei Erftstadt in NRW hat die Bundeswehr begonnen, die von den Fluten eingeschlossenen Fahrzeuge mit Radpanzern zu bergen. Menschen seien in den Lastwagen und Autos bisher nicht entdeckt worden, teilte die Feuerwehr mit. Auf der B265 waren zahlreiche Fahrzeuge überspült worden. Eine Sprecherin des Rhein-Erft-Kreises hatte am Freitag gesagt, es sei unklar, ob alle Insassen es rechtzeitig aus ihren Wagen geschafft hätten, als sie von den Wassermassen überrascht wurden.

Berge von Sperrmüll: Schwierige Aufräumarbeiten in Trier 

In dem vom Hochwasser massiv betroffenen Trierer Stadtteil Ehrang sind nach der Flut die Aufräumarbeiten in vollem Gang. „Da stapeln sich die Berge von Sperrmüll“, sagte ein Stadtsprecher am Samstag. Erste Anwohner gingen zurück in die Häuser. „Wer da geschlafen hat, hatte kein Wasser und keinen Strom.“ Betroffen sind der Stadt zufolge 670 Häuser, bei denen im Keller und Erdgeschoss fast alles zerstört wurde.

Polizei warnt nach Hochwasser vor freiliegenden Stromleitungen

In Rheinland-Pfalz warnt die Polizei wegen der zerstörten regionalen Infrastruktur vor den Gefahren freiliegender Stromleitungen. „Unter Umständen können Stromleitungen auch noch aus mehreren Metern auch ohne direkten Kontakt lebensgefährlich sein“, teilte die Polizei am Samstag in Koblenz mit. Menschen in der betroffenen Region sollten großen Abstand halten und sich nicht in Gefahr bringen. Ein Hubschrauber mit Fachleuten an Bord solle die Gefahr nun prüfen, sagte ein Sprecher.

Nach Dammbruch: Stadtteil von Wassenberg teils unter Wasser

Nach dem Bruch eines Damms der Rur und einer Evakuierung steht im nordrhein-westfälischen Wassenberg der Stadtteil Ophoven teilweise unter Wasser. Das sagte ein Feuerwehrsprecher am Samstagmorgen. Es sei für die Bürger nach wie vor gefährlich, sich in dem Gebiet aufzuhalten. Wer nicht in der Lage sei, seine Wohnung selbstständig zu verlassen, solle über eine Hotline um Hilfe bitten. 

Polen bietet Unwettergebieten in Deutschland und Belgien Hilfe an

Polen hat sich angesichts der Hochwasserkatastrophe in Deutschland und anderen Ländern zur Unterstützung bereit erklärt. „Ich habe Kanzlerin Angela Merkel Hilfe angeboten. Sie hat mir sehr gedankt“, sagte Ministerpräsident Mateusz Morawiecki am Samstag dem Sender Radio Olsztyn. Auch Belgien, das von dem Hochwasser ebenfalls stark betroffen ist, habe man ein entsprechendes Angebot gemacht. 

Polizei-Appell an potenzielle Hochwassertouristen und Gaffer

Mit einem eindringlichen Appell hat sich die Polizei in Rheinland-Pfalz zum Start ins Wochenende über Twitter an potenzielle Hochwassertouristen und Gaffer gewandt. „Es ist nicht an der Zeit für Touren in einem Katastrophengebiet“, hieß es am Samstag von der Polizei in Mainz. Denn viele Menschen hätten dort gerade erst „großes Leid und Verluste erfahren“. Während des Katastropheneinsatzes seit Donnerstag war es bereits zu Behinderungen durch Schaulustige gekommen.

NRW: Über 19.000 Einsatzkräfte helfen bei den Rettungsarbeiten

In Nordrhein-Westfalen sind laut Landesregierung mehr als 19.000 Einsatzkräfte an den Rettungsarbeiten beteiligt. Die Koordinierungsgruppe des Krisenstabs NRW tausche sich rund um die Uhr zur aktuellen Lage bei der Hochwasserkatastrophe aus und helfe landesweit bei der Koordinierung, hieß es am Samstagmorgen. 

Hilfseinsatz auf Hochtouren, Baerbock in Krisengebiete gereist

In der Region Ahrweiler (Rheinland-Pfalz) sind auch am Samstag Hunderte Rettungskräfte auf der Suche nach weiteren Opfern und Vermissten. Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock ist derweil nach dem Abbruch ihres Urlaubs in die Krisengebiete in Rheinland-Pfalz gereist. Sie verzichte auf Pressebegleitung oder öffentliche Auftritte, hieß es.

Erftstadt-Blessem: Bisher keine Toten, Pegelstände rückläufig

In der besonders vom Hochwasser betroffenen nordrhein-westfälischen Ortschaft Erftstadt-Blessem gibt es bislang keine bestätigten Todesopfer. Das sagte ein Kreissprecher am Samstagmorgen der Deutschen Presse-Agentur. Die Lage sei aber weiter angespannt. In anderen Teilen des Kreises gingen die Pegelstände unterdessen zurück, im Norden habe man Evakuierungen aufheben können. Im Stadtteil Blessem waren mindestens drei Wohnhäuser und ein Teil der historischen Burg eingestürzt.

Nach Dammbruch: Weiter angespannte Lage in Wassenberg

Nach dem Bruch eines Damms der Rur ist im nordrhein-westfälischen Wassenberg (Kreis Heinsberg) der Stadtteil Ophoven evakuiert worden. Die Lage war am frühen Morgen laut Mitteilung der Stadt weiter angespannt. Der zuständigen Kreispolizei waren am Morgen aber keine besonderen Vorkommnisse aus der Nacht bekannt. Wie die Bezirksregierung Köln mitgeteilt hatte, waren rund 700 Anwohner von der Evakuierung betroffen.

Polizei Koblenz meldet mehr als 90 Tote

Allein im Großraum Ahrweiler (Rheinland-Pfalz) ist die Zahl der Todesopfer bis Samstagmorgen nach Polizeiangaben auf über 90 gestiegen. Die Gesamtzahl der Toten im Westen Deutschlands liegt damit nun bei über 130. Es sei zu befürchten, dass noch weitere Todesopfer hinzukommen, teilte die Polizei Koblenz mit. Insgesamt liege dem Polizeipräsidium die Meldung über 618 Verletzte in der Region vor. Auch diese Zahl könne sich noch weiter erhöhen. Auch mehr als zwei Tage nach dem Unglück werden noch Menschen vermisst.

In Rheinland-Pfalz ist der Kreis Ahrweiler Schwerpunkt der Katastrophe. Am Freitag hatte Innenminister Roger Lewentz (SPD) noch von 63 Todesopfern gesprochen. Die Zahl der Verletzten lag am Freitag noch bei 362.

Expertin erhebt Vorwürfe gegen System des Katastrophenschutzes 

Die Hydrologin Hannah Cloke von der britischen Universität Reading erhebt im Magazin Politico schwere Vorwürfe gegen das System des Katastrophenschutzes in Deutschland. Die hohen Todeszahlen seien ein „erhebliches Versagen des Systems“. Sie hätte erwartet, dass Menschen evakuiert werden „und nicht, dass im Jahr 2021 so viele Menschen in einer Flut sterben“. Vorwarnungen, Sirenen und Lautsprecherdurchsagen gab es oft nicht oder offenbar erst zu spät.

Zahl der Vermissten in Ahrweiler sinkt – zwei Krankenhäuser evakuiert

Am Donnerstag hatte der Kreis Ahrweiler noch 1300 Vermisste gemeldet – diese Zahl ist nun offenbar gesunken. Wie der Kreis mitteilt, „reduziert sich die Zahl stündlich“, sei aber weiterhin hoch. Rettungseinsätze würden weiter in großer Zahl stattfinden. Die Zahl der Toten (62) und Verletzten (rund 360) ist seit dem Nachmittag unverändert. 

Das Krankenhaus Maria Hilf sowie das angrenzende Hospiz in Bad Neuenahr-Ahrweiler mussten laut dem Kreis evakuiert werden. Es bestehe keine funktionierende Infrastruktur, die Wasser- sowie die Gasversorgung sind unterbrochen. Über ein Notstromaggregat werde das Krankenhaus derzeit noch mit Strom versorgt. Der Ambulanzbetrieb soll jedoch auch nach der Evakuierung bestehen bleiben.

Erftstadt-Blessem wird komplett geräumt

Der von der Flut schwer betroffene Ortsteil Blessem in Erftstadt in Nordrhein-Westfalen wird zurzeit komplett von Feuerwehr und THW geräumt. Das berichtet der Kölner Stadt-Anzeiger. Alle Bewohner des Ortsteils müssen demnach ihre Häuser und Wohnungen räumen und schnellstmöglich verlassen.

Alexander Kern, Leiter der Feuerwehr in Erftstadt, bestätigte der Zeitung, dass es keine akuten Hilferufe mehr aus Blessem gebe. Feuerwehr und THW suchen nun die verschütteten Stellen nach Vermissten ab. Eine Angabe zur genauen Größenordnung konnte Kern der Zeitung gegenüber nicht machen. Auch über die Zahl der bisherigen Verletzten und Toten konnte der Krisenstab der Stadt weiter keine Auskunft geben.

Bedrohte Steinbachtalsperre – Grundablass nicht mehr verstopft

Die Lage an der Steinbachtalsperre entspannt sich nach Auskunft des Kreises Euskirchen (Nordrhein-Westfalen) weiter. Nach Informationen der Bezirksregierung Köln ist der bislang nach der Hochwasserkatastrophe verstopfte Grundablass der Talsperre jetzt freigelegt, wie es in einer Mitteilung von Freitagabend hieß. Über diese Öffnung kann jetzt Wasser kontrolliert abgelassen werden, um den Druck auf dem Bauwerk zu senken.

Das Technische Hilfswerk (THW) pumpte zusätzlich Wasser ab. Am Nachmittag hatte der Kreis gemeldet, dass eine Drohne keine kritischen Risse an dem Bauwerk entdeckt hatte. Der Kreis schätzte die Lage aber weiterhin kritisch ein.

Die Orte Swisttal und Rheinbach unterhalb der Talsperre an der Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz bleiben evakuiert. Der Kreis warnte die Bewohner davor, in die Häuser zurückzukehren. „Wenn Sie Ihr Zuhause noch nicht verlassen haben, tun Sie dies unbedingt“, hieß es in der Mitteilung.

Gasversorger: Lage im Kreis Ahrweiler nach Hochwasser dramatisch

Der Versorger Energienetze Mittelrhein hat die Situation nach der Hochwasserkatastrophe im Kreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz als dramatisch bezeichnet. „Die Gasleitung ist komplett gerissen. Wirklich zerstört“, sagte Unternehmenssprecher Marcelo Peerenboom am Freitag in Koblenz. Mehrere Kilometer Leitung müssten komplett neu gebaut werden. „Das wird leider Wochen oder Monate dauern, bis dort wieder Gasversorgung ist. Das heißt für die Bürger: kaltes Wasser, und wenn die Heizperiode kommt, auch kalte Wohnung.“

Das Unternehmen denke darüber nach, wie den Menschen geholfen werden könne. Derzeit komme der Versorger jedoch nicht einmal an alle Schadensstellen heran. „Eine Gasregelstation zum Beispiel liegt komplett unter Wasser“, sagte Peerenboom. „Da müssen wir warten, bis Monteure an die Anlagen kommen.“ Dann könne man sich ein komplettes Bild von der Lage machen. „Bis dahin können Sie nur schätzen.“

Zur Stromversorgung im Kreis Ahrweiler hatte das Unternehmen Westnetz von erheblichen Beschädigungen an den Verteilungsanlagen durch Starkregen und Überschwemmungen gesprochen. Zahlreiche Städte und Ortsgemeinden seien von Stromausfällen betroffen. „Die Arbeiten und Erreichbarkeit der Stromanlagen werden zum Teil durch überflutete Straßen erschwert“, hieß es in einer Mitteilung. Eine Aussage zur Wiederaufnahme der kompletten Versorgung sei vorerst nicht möglich.

Wegen Unwetterkatastrophe Trauerbeflaggung in NRW 

Als Zeichen der Trauer um die Opfer der Unwetterkatastrophe hängen die Flaggen in Nordrhein-Westfalen von Freitag bis Montag auf halbmast. Eine entsprechende Anordnung erteilte Innenminister Herbert Reul (CDU) in Düsseldorf. Die Anordnung gilt demnach für alle Dienstgebäude des Landes, der Gemeinden und Gemeindeverbände sowie weitere Einrichtungen, die der Aufsicht des Landes unterliegen.

Am Freitag hingen bereits die Flaggen im ebenfalls stark von Hochwasser betroffenen Rheinland-Pfalz auf halbmast.

Anlaufstellen für Angehörige

Wer Angehörige vermisst kann sich an die örtliche Polizei wenden. In der rheinland-pfälzischen Eifel ist hierfür eine Hotline für Angehörige sowie ein Internetportal für Videos und Bilder eingerichtet. Unter der Nummer 0800-6565651 könnten sich Menschen melden, die Angehörige vermissen.

Unter dem Hinweisportal rlp.hinweisportal.de können Videosequenzen und Fotos hochgeladen werden, „die Hinweise auf vermisste Personen und Tote geben können“. Nicht alle Polizeidienststellen haben allerdings bereits spezielle Hotlines eingerichtet.

Das Technische Hilfswerk verweist auf die Koordination des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Das Bundesamt bittet, sich bei zuständigen Städten und Gemeinden über die aktuelle Lage zu informieren. Dies sind in Nordrhein-Westfalen die Kommunen Hagen, Aachen, Rhein-Erft und Stolberg. In Rheinland-Pfalz sind Ahrweiler, Bitburg-Prüm, Trier-Saarburg und Vulkaneifel zuständig, in Bayern der Landkreis Hof.

Gemeinden und Städte haben Bürgertelefone eingerichtet und informieren auf ihren Websites oder in Sozialen Medien über die aktuelle Lage und Anlaufstellen.