Berlin - Vollgelaufene Keller, unbewohnbare Häuser, unter Wasser stehende Autos: Flut und Starkregen bedrohen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz die Existenz zahlreicher Einwohner. Die Betroffenen stehen nicht nur vor Aufräumarbeiten, sondern auch vor der Frage, ob ihre Versicherung die Schäden abdeckt, da Immobilien nicht automatisch durch eine Wohngebäude- oder Hausratsversicherung geschützt sind. Wer seine Wohnung auch gegen Starkregen- oder Flutschäden absichern will, braucht eine zusätzliche Elementarschadenversicherung.

Verband: 99 Prozent aller Privathäuser sind versicherbar

„Die Höhe der Versicherungsprämie hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie vom Wert des Hauses, der Bauart oder der Lage“, erklärt Claudia Frenz vom Bund der Versicherten (BdV). Für Häuser in Risikolage werde oft nur bei einer hohen Prämie mit vereinbarter Selbstbeteiligung versichert, um eine erschwingliche regelmäßige Belastung zu erreichen. 

99 Prozent aller deutschen Privathäuser sind nichtsdestotrotz „problemlos versicherbar“, schätzt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), dass überhaupt kein Schutz möglich ist, ist also sehr unwahrscheinlich. Teuer werden Versicherungen immer dort, wo das Risiko einer Flut besonders groß ist. „Doch insbesondere hier ist die Elementarschadenversicherung dringend zu empfehlen“, so Frenz vom BdV.

Das individuelle Risiko richtig einschätzen 

Immobilienbesitzer und Mieter können unter www.naturgefahren-check.de ihr Naturgefahrenrisiko eigenständig ermitteln. Die Onlineplattform zeigt, welche Schäden Unwetter in der Vergangenheit am eigenen Wohnort verursacht haben, wie viele Gebäude im letzten Jahr der Region betroffen waren, wie hoch die teuersten Schäden durch Starkregen, Sturm oder Hagel ausfielen und welche Hochwassergefahr besteht. 

Nicht unter allen Umständen zahlt die Versicherung: Beispielsweise wenn bei Starkregen und Sturm alle Fenster geöffnet waren oder Fahrzeughalter trotz Hochwasserwarnung ihr Auto am Hafenbecken parken. „Schwierig wird es immer dann, wenn der Versicherungsnehmer elementare Vorsichtsmaßnahmen missachtet hat“, so Christian Ponzel vom GDV. Da in diesem Fall die Versicherung womöglich nur einen Teil der Kosten übernimmt, rät Frenz vom BdV bei Vertragsabschluss darauf zu achten, dass in dem Versicherungstarif auf den Einwand der sogenannten „groben Fahrlässigkeit“ verzichtet wird.

Wenn das Auto unter Wasser steht

Für Unwetterschäden am Auto, Wohnmobil oder Wohnanhänger kann eine Teilkaskoversicherung aufkommen. Diese greift zum Beispiel nach Überschwemmungen, Sturm, Hagel oder Brand, also Fällen, in denen keine dritte Partei verantwortlich ist, informiert der BdV. Eine Kaskoversicherung bedeutet den Wiederbeschaffungsaufwand des Fahrzeugs. 

Es besteht demnach Schutz bei Beschädigung, Zerstörung, Totalschaden oder Verlust des Fahrzeug und der meistversicherten Teile. Je nach Tarif können unterschiedliche Selbstbehalte vereinbart werden, wer nur die vorgeschrieben Kfz-Haftpflichtversicherung hat, muss den Schaden selbst zahlen.

Schäden dokumentieren und melden 

„Am besten dokumentieren Betroffene den entstandenen Schaden zum Beispiel mit einer Handkamera und melden sich dann so schnell wie möglich beim Versicherer“, rät Siemens. Betroffene sollten zudem eine Aufstellung der Schäden machen und die Fahrzeugunterlagen bereithalten, ergänzt der BdV. Folgeschäden müssen so gering wie möglich gehalten werden, indem zum Beispiel eine zerstörte Windschutzscheibe abgedeckt wird, um den Innenraum zu schützen. Dennoch sollten riskante Rettungsversuche unbedingt vermieden werden, bekräftigt der GDV.