Darmstadt - Für sogenannte Unwort des Jahres - es wird am 12. Januar verkündet - sind nach Angaben der Jury bisher 760 Einsendungen mit 316 Vorschlägen eingegangen. In die engere Wahl kommen 30 Begriffe, die den Kriterien entsprechen, sagte Sprecherin Nina Janich der Deutschen Presse-Agentur. Viele Einreichungen drehen sich um die Corona-Pandemie. Vorschläge können bis Ende Dezember an vorschlaege@unwortdesjahres.net eingeschickt werden.

Unwort des Jahres: „Systemrelevant“ vorn

Die sprachkritische Aktion möchte mit ihrer jährlichen Aktion auf unangemessenen Sprachgebrauch aufmerksam machen und so sensibilisieren. Dabei werden den Angaben nach Wörter gerügt, die gegen die Prinzipien der Menschenwürde oder Demokratie verstoßen, die gesellschaftliche Gruppen diskriminieren oder die euphemistische, verschleiernde oder irreführende Formulierungen sind.

Reine Schimpfwörter zählen nicht. „Vorschläge müssen eines dieser Kriterien erfüllen“, sagte Jurysprecherin Janich, selbst Sprachwissenschaftlerin. Die Jury richtet sich nicht nach der Menge der Vorschläge für ein einzelnes Wort. Die meisten - 88 - Stimmen gingen bisher für „systemrelevant“ im Zusammenhang mit empfundener mangelnder Wertschätzung bei Begrenzungen des Lockdowns ein. Bei aller Notwendigkeit, festzulegen, wer öffnen dürfe und wer nicht, werde dies als verheerendes Signal einer Bewertung gesehen, hieß es. 31 Mal kam „Öffnungsdiskussionsorgien“.

Wort des Jahres wird am Montag gekürt

Ebenfalls wieder Thema ist in diesem Jahr Migration. So gebe es bereits 31 Mal den aus Plänen der Europäischen Union hervorgegangenen Begriff „Abschiebepatenschaft“ als Vorschlag. Eingereicht wurden auch „Ankerkinder“ und „Migrationsabwehr“. Außerhalb der Themen Corona und Migration gab es Einsendungen wie „Schweinestau“, „nukleare Teilhabe“ oder „Opferanspruchsideologie“.

Das „Unwort des Jahres“ wird seit 1991 gekürt. Im vergangenen Jahr war es „Klimahysterie“. Die Gesellschaft für deutsche Sprache, von der die Unwort-Wahl inzwischen unabhängig ist, verkündet am Montag den Nachfolger von „Respektrente“ als sogenanntes Wort des Jahres.