US-Historiker David Frum: Wer Waffen zurückhält, verhindert Verhandlungen 

Er gilt als Erfinder der „Achse des Bösen“. Jetzt äußert sich David Frum zum möglichen Ende des Ukraine-Krieges. Nur eines könne Russland zu Verhandlungen zwingen.

Ukrainische Soldaten feuern aus einer von den USA gelieferten Haubitze M777 auf russische Stellungen in der Region Cherson, Ukraine.
Ukrainische Soldaten feuern aus einer von den USA gelieferten Haubitze M777 auf russische Stellungen in der Region Cherson, Ukraine.AP/Libkos

Der US-amerikanische Historiker David Frum hat analysiert, unter welchen Umständen Verhandlungen mit Russland im Ukraine-Krieg erfolgreich sein könnten. Frum arbeitete für den ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush als Redenschreiber und gilt als Wortschöpfer der „Achse des Bösen“. Damit bezeichnete Bush einst den Iran, Irak und Nordkorea.

Nun erläutert Frum in einem Thread auf Twitter, warum Verhandlungen mit Putin im Ukraine-Krieg unter derzeitigen Umständen zum Scheitern verurteilt seien – und wie sie seiner Ansicht nach doch erfolgreich sein könnten.

US-Historiker Frum: Kein russischer Konflikt je durch Verhandlungen gelöst

Frum führt dabei an, dass Russland seit 1991 in mehrere Kriege und Konflikte verwickelt gewesen sei. „Es wird oft gesagt, Kriege enden in Verhandlungen. Aber keiner der russischen Konflikte endete auf diese Weise“, schreibt Frum. So habe das Land zwei Kriege in Tschetschenien geführt, die Grenzen von Moldau, Georgien und der Ukraine verletzt sowie in den Syrienkrieg und den Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan eingegriffen.

Viele Konflikte seien nach dem Ende der Sowjetunion eingefroren gewesen, ohne dass es eine Lösung gab, stellt Frum fest. Russland habe sich dabei immer wieder Gebiete angeeignet. Schwelende Konflikte seien für den Kreml demnach durchaus wünschenswert, glaubt der Historiker. Russland sei also zu tatsächlichen Verhandlungen nicht bereit, wenn sich dadurch kein Vorteil ergebe, der über die aktuelle Situation hinausgehe. 

Das veranlasst Frum zu folgender Diagnose: „Wenn die Invasion in der Ukraine 2022 heute enden würde, dann als ein weiterer ‚eingefrorener Konflikt‘. Aus russischer Sicht gäbe es wenig zu verhandeln. Sie haben immer noch die Krim, Donezk und Luhansk.“ Der Rest des Landes sei durch die russische Besatzung ohnehin ausgeplündert und teils zerstört worden.

David Frum: Nur Angst kann Russland zu echten Verhandlungen zwingen

Der Historiker schlussfolgert, dass nur eine Sache Russland zu echten Verhandlungen bewegen könnte: „Die Angst, dass sich der Krieg in eine Richtung entwickelt, die noch inakzeptabler ist als alle Zugeständnisse, die zur Beendigung des von Russland begonnenen Krieges erforderlich sind.“ Der Weg zu Verhandlungen bestehe also darin, die Ukraine so weit zu bewaffnen, dass die russische Führung eine Niederlage befürchtet: „Und zwar so katastrophal, dass Verhandlungen für die russische Führung eine weniger unannehmbare Alternative darstellen“, so der Historiker weiter.

Wer also der Ukraine Waffen vorenthält, vereitele nach Frums Verständnis echte Verhandlungen und lasse so die russische Führung in der Hoffnung, den für sie akzeptablen Status Quo erhalten zu können.

Immer wieder werden von unterschiedlicher Seite Gespräche zwischen der Ukraine und Russland gefordert. Aber die Forderungen beider Länder liegen weit auseinander. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj fordert die Rückgabe der russisch besetzten Gebiete – auch die der Krim. Russland fordert indes „Sicherheitsgarantien“ für seine besetzten Gebiete und eine „Entnazifizierung und Entmilitarisierung der Ukraine“.