New York - Oscar Otte machte eine eingesprungene Hechtrolle über den blauen Hartplatz und ließ sich dann mit dem kleinen Fan fotografieren, der ihn immer wieder lautstark angefeuert hatte: Der 28 Jahre alte Kölner hat für die nächste faustdicke Überraschung in New York gesorgt.

Otte setzte sich am Samstag 6:3, 6:4, 2:6, 7:5 gegen den Italiener Andreas Seppi durch und folgte Peter Gojowczyk, wie Otte ein Qualifikant, ins Achtelfinale der US Open.

Die beiden Außenseiter sorgten damit für ein Novum. Seitdem die ATP-Datenbank auch die Qualifikanten vollständig erfasst (1983), hatten sich noch nie zwei Profis des Deutschen Tennis Bundes (DTB) parallel bei einem Grand Slam erst ins Hauptfeld und dann ins Achtelfinale vorgekämpft. Überhaupt war dies nur Chris Garner und Kelly Jones aus den USA 1993 bei den Australian Open gelungen.

Nächster Gegner für Otte ist Wimbledon-Finalist Matteo Berrettini

Otte bekommt es nun mit Wimbledon-Finalist Matteo Berrettini (Italien/Nr. 6) zu tun. Auch Olympiasieger Alexander Zverev (Hamburg/Nr. 4) hat in der Nightsession am Samstag noch die Chance in die Runde der letzten 16 zu stürmen. Ein deutsches Männer-Trio im Achtelfinale eines Majorturniers gab es zuletzt in Wimbledon 1997 mit Boris Becker, Nicolas Kiefer und Michael Stich.

Für Otte, Nummer 144 der Weltrangliste, ist es der bislang größte Erfolg seiner Karriere bei einem der vier wichtigsten Turniere des Jahres. Gleiches gilt für Gojowczyk, der am Freitag vorgelegt hatte und nun auf das 18 Jahre alte spanische Toptalent Carlos Alcaraz trifft. Angelique Kerber bekommt es als letzte verbliebene deutsche Frau auch mit einem Teenie zu tun: Die deutsche Nummer eins trifft im Achtelfinale auf die Kanadierin Leylah Fernandez, die Titelverteidigerin Naomi Osaka aus dem Turnier nahm.

Starke Aufschläge, wenige vermeidbare Fehler

Otte hatte schon vor dem Drittrundenduell auf dem schmucken Platz 17 des Billie Jean King National Tennis Centers Erstaunliches geleistet. Trotz Magen-Darm-Problemen biss er sich in der Quali durch. „Ich hatte echt zu kämpfen“, sagte Otte, der in zwei Partien Matchbälle abwehren und sich sogar auf dem Platz übergeben musste, bevor er dann in der Hauptrunde Lorenzo Sonego und Denis Kudla überraschte.

Das Duell mit Seppi war das Aufeinandertreffen zweier Bekannter. Einst spielten Otte und der routinierte Südtiroler Seite an Seite für Rot-Weiss Köln in der Bundesliga, nun stand deutlich mehr auf dem Spiel. „Ich freue mich mega, versuche mich zu entspannen und schaue dann, was drin ist“, hatte Otte nach seinem Drittrundeneinzug gesagt.

Und es war von Beginn an viel drin. Mit starken Aufschlägen dominierte der 1,93 Meter große Athlet die ersten beiden Sätze und leistete sich weniger vermeidbare Fehler als sein Kontrahent. Im dritten Satz servierte Otte dann schwächer, doch er zog sich aus dem Tief heraus und feierte ausgelassen seinen großen Moment.