New York - Der erste Film, in dem Earl Simmons mitspielte, hieß „Belly“. Ein Crime-Drama von 1998 unter der Regie des Musikregisseurs Hype Williams. Simmons verkörperte darin neben Nasir „Nas“ Jones einen aufsteigenden Gangster. Einer, der weder dem Konsum noch dem Handel mit Drogen abgeneigt war. Einer, der eine Vorliebe für Frauen, Hunde, Autos und keine Furcht vor Gewalt und dem Gesetz hatte. „Belly“ erschien nur wenige Monate nach dem ersten kommerziellen Musikalbum von Simmons – „It's Dark and Hell Is Hot “, das er unter dem Namen DMX veröffentlicht hatte. Und obwohl „Belly“ die Kritiker und Kinogänger nicht überzeugte, war er doch für die Karriere von Simmons maßgebend. 

Simmons, 1970 in Mount Vernon, New York geboren, war tatsächlich ein aufstrebender Gangster. Auch wenn er es vermutlich nie werden wollte. Doch weil er keinen anderen Ausweg sah, den Schlägen seiner Eltern zu entgehen, landete er nach einigen Heimaufenthalten schnell auf der Straße. In seinen Memoiren („EARL: The Autobiography of DMX“) schrieb er später, dass er dort ein geschickter Autodieb und Räuber geworden sei, die Liebe zu Straßenkötern dort ebenfalls entdeckte. Letztlich musste Simmons aber immer wieder in den Knast. Erst durch ein paar Freunde fand er Mitte der 80er-Jahre zur Musik, (trotz Asthma) zum Beatboxen und Rappen. Inspiriert durch eine Drum Machine nennt er sich DMX.

„ ... And Then There Was X“ 

Im New Yorker HipHop-Underground verschafft er sich Anfang der 90er-Jahre durch seine dunkle, raue Stimme, die immer auch ein wenig bellt, schnell Aufmerksamkeit. Seine Geschichte von der Straße wird sein Thema, die Hunde das Markenzeichen. Dark Man X oder The Dog wird Simmons auch genannt. Ein Unterlabel von Columbia Records nimmt ihn schließlich unter Vertrag, gefolgt vom großen Majorlabel Def Jam, bei dem längst prominente Musiker wie LL Cool J zu finden sind.

In dem Jahr, in dem „Belly“ erscheint, veröffentlicht Simmons seine ersten zwei Alben, die beide auf Platz 1 der US-Charts landen. Ein Jahr später folgt sein drittes und wohl bestes Werk „... And Then There Was X“, das ihm einige Grammy-Nominierungen einbringt und weltweit in den Charts platziert ist. Um die Jahrtausendwende gehört er zu den gefragten Rappern. Snoop Dogg nannte ihn sogar „den nächsten Tupac Shakur“, der legendäre Rapper, der bereits 1996 ermordet worden war.

Nach einem Herzinfarkt ins Krankenhaus

Das Gangsterleben ließ Simmons nie so richtig los. Immer wieder kam er vor Gericht – unter anderem wegen Tierquälerei, Drogenbesitz und Diebstahl. Oft musste er Haftstrafen absitzen. Die Drogenabhängigkeit gab er später zu. Er schien in das Leben, das er in seiner Musik verarbeitete und in Filmen spielte, immer wieder zurückkehren zu müssen. Und weder Therapien noch seine Kinder (er soll 15 von verschiedenen Frauen haben), brachten ihn auf einen anderen Weg.

Anfang April dieses Jahres kam er nach einem Herzinfarkt in ein New Yorker Krankenhaus. Mehrere Tage wurde er künstlich beatmet, Hunderte Fans hielten Mahnwache. Am Freitag soll er dann laut seiner Familie, die in mehreren US-Medien übereinstimmend zitiert wird, im Alter von 50 Jahren gestorben sein.

Insgesamt acht Studioalben hat er veröffentlicht und in fast 20 Filmen mitgespielt, am Ende war er mehr Schauspieler denn Musiker, mehr noch ein Darsteller seiner Selbst. Denkt man an Simmons, hört man automatisch das einzigartige Bellen in seiner Stimme. Es ist ein Jammer, dass es nun verstummt ist.