Washington/KölnWut, Entsetzen und schwere Vorwürfe gegen Donald Trump: „Der Mann, der Präsident war, hat dazu angestachelt. Der Mann ist ein Verbrecher“, sagte Basketballstar Kyle Lowry und machte den abgewählten Staatschef für die Stürmung des Kapitols in Washington verantwortlich. Mit seiner Forderung nach Konsequenzen wegen der Anstiftung des Mobs zur erschütternden Attacke auf die US-Demokratie sprach der Point Guard der Toronto Raptors vielen aus dem Herzen: „Er sollte vor Gericht gestellt werden.“

Die Empörung über die zunächst in vier bekannten Fällen tödlichen Ausschreitungen verstärkte das überraschend nachsichtige Verhalten der Polizei. Diese war bei den Demonstrationen von Black Lives Matter im Vorjahr deutlich rigoroser und auch gewaltbereiter vorgegangen. „Es gibt zwei Amerikas“, stellte Lowrys Kollege Jaylen Brown vom Rekordmeister Boston Celtics fest: „In einem wirst du erschossen, weil du in einem Auto schläfst, Zigaretten verkaufst oder im Garten spielst, im anderen kannst du das Kapitol stürmen – und es gibt weder Tränengas noch Massenverhaftungen.“

Weitere Stars und Teams der nordamerikanischen Basketball-Profiliga NBA zeigten nur wenige Stunden nach dem Chaos am Capitol Hill wie schon im vergangenen Sommer nach dem Tod von George Floyd in Minneapolis durch Polizeigewalt klare Kante. Die Celtics mit dem deutschen Nationalspieler Daniel Theis und ihre Gegner von Miami Heat gaben vor ihrer Begegnung ein gemeinsames Statement sowohl gegen die Ereignisse in Washington als auch gegen die Ungleichbehandlung der schwarzen Bevölkerung ab und knieten vor dem Tip-off nieder.

„Unser Land wird in der ganzen Welt ausgelacht – zuerst für unser Versagen bei der Corona-Pandemie, und jetzt auch noch das“, sagte Orlandos Trainer Steve Clifford. „Es ist ein trauriger Tag.“

NBA-Stars knieten nieder

Gleich zweimal knieten die Milwaukee Bucks und die Detroit Pistons, nach dem Tip-off und nach dem ersten Wechsel des Ballbesitzes. Die Golden State Warriors und die Los Angeles Clippers knieten vor Spielbeginn ebenfalls nieder, die Phoenix Suns und die Raptors bildeten bei der Hymne vor dem Spiel einen Kreis und hakten sich dabei unter.

In Deutschland begrüßte Dagmar Freitag, die Vorsitzende im Sportausschuss des Deutschen Bundestages, solche Zivilcourage. „Das ist nach diesen furchtbaren Ereignissen eine der wenigen guten Nachrichten: Sportler der NBA erheben sichtbar ihre Stimme, erfahren Unterstützung durch Trainer und Verein“, sagte die SPD-Politikerin dem SID und ermunterte Athleten generell zum Einsatz für Demokratie und Menschenrechte. 

In diesem Geiste meldeten sich auch andere US-Ikonen zu Wort. „Bestürzt, angewidert, traurig, wütend, sprachlos – aber nicht überrascht“ war Turn-Olympiasiegerin Simone Biles. Die Fußballweltmeisterin und bekennende Trump-Gegnerin Megan Rapinoe stempelte den Pöbel zu „amerikanischen Terroristen“.

Football-Profi Duane Brown machte Trump wegen der zahllosen Wiederholungen unbelegter Wahlbetrugs-Anschuldigungen indirekt für die Eskalation verantwortlich: „Dazu wurde angestachelt. Aber niemand kann überrascht sein, das wurde eine ganze Zeit provoziert.“

Frontal ging die neunmalige Wimbledonsiegerin Martina Navratilova den (Noch-)Chef im Weißen Haus an. „Was im Kapitol passiert ist, liegt an Ihnen. Alles liegt an Ihnen“, prangerte die Wahl-Amerikanerin das unwürdige Verhalten des Präsidenten an und forderte die Absetzung des Staatschefs noch vor der Ablösung durch Joe Biden am 20. Januar: „Trump muss des Amtes enthoben werden.“