Washington - Beim US-Drohnenangriff mit zahlreichen zivilen Opfern Ende August in Kabul ist einer internen Untersuchung der US-Streitkräfte zufolge nicht gegen geltendes Recht verstoßen worden. „Die Untersuchung ergab keinen Verstoß gegen das Recht, einschließlich des Kriegsrechts“, teilte das Verteidigungsministerium am Mittwoch mit. „Fehler bei der Ausführung in Verbindung mit Bestätigungsfehlern und Kommunikationspannen führten zu bedauerlichen Opfern unter der Zivilbevölkerung.“ Bei dem Luftschlag in der afghanischen Hauptstadt waren kurz vor dem Abzug der letzten US-Soldaten drei afghanische Männer und sieben Kinder getötet worden.

„Es war ein bedauerlicher Fehler“, sagte Luftwaffen-General Sami Said, der die Untersuchung leitete. „Ich verstehe die Konsequenzen, aber es war kein kriminelles Verhalten.“ Said räumte ein, dass bei der Untersuchung des Vorfalls deutlich geworden sei, dass die Anwesenheit eines Kindes in der Nähe des Ziels zwei Minuten vor dem Abschuss der Rakete erkennbar gewesen wäre. Die zuständigen Soldaten hätten damals aber keine Kinder dort wahrgenommen. „An dem Angriff beteiligte Personen, die im Rahmen dieser Untersuchung befragt wurden, glaubten zu diesem Zeitpunkt wirklich, dass sie eine unmittelbare Bedrohung der US-Streitkräfte ins Visier nahmen.“

Ziel der US-Operation war ein Auto, in dem Sprengstoff vermutet wurde. Der Wagen war nach Saids Angaben zum Zeitpunkt des Drohnenangriffs in einer zivilen Gegend rund drei Kilometer vom Flughafen entfernt geparkt. Said warb um Verständnis für die an dem Luftschlag beteiligten Soldaten. Diese hätten unter enormem Druck gestanden, weil Geheimdienstinformationen auf einen bevorstehenden Anschlag hingedeutet hätten. Nur drei Tage zuvor waren bei einem Anschlag der Terrormiliz Islamischer Staat am Kabuler Flughafen 13 US-Soldaten und Dutzende Afghanen getötet worden.

US-Streitkräfte nannten Tötung von Zivilisten „tragischen Fehler“

Die US-Streitkräfte hatten die Tötung von Zivilisten bei dem Luftangriff bereits Mitte September eingeräumt und von einem „tragischen Fehler“ gesprochen. US-Verteidigungsminister Lloyd Austin hatte sich entschuldigt und eine Untersuchung angeordnet. Das US-Militär hatte ursprünglich mitgeteilt, in dem zerstörten Fahrzeug habe sich „eine große Menge Sprengstoff“ befunden, deren Explosion nach dem Luftschlag womöglich zu weiteren Opfern geführt habe.