Washington - US-Präsident Joe Biden hat seine Amtsgewalt am Freitag kurzzeitig an seine Stellvertreterin Kamala Harris übergeben. Damit stand in den USA erstmals ein Frau an der Staatsspitze – wenn auch nur für rund 85 Minuten. Der Grund für den zeitweiligen Transfer der Macht war nach Angaben des Weißen Hauses eine Darmspiegelung unter Vollnarkose. Biden habe Harris danach angerufen und sei guter Dinge gewesen, als er die Amtsgeschäfte wieder übernommen habe, erklärte seine Sprecherin Jen Psaki am Freitag über Twitter.

Das Weiße Haus erklärte, es habe sich um eine geplante Routineuntersuchung im Militärkrankenhaus Walter Reed bei Washington gehandelt. Es soll demnach noch am Freitagnachmittag (Ortszeit) eine Erklärung zu Bidens allgemeinem Gesundheitszustand geben. Biden feiert an diesem Samstag seinen 79. Geburtstag.

Gemäß der verfassungsrechtlichen Vorschrift informierte Biden die Vorsitzende des Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi, und den amtierenden Senatspräsidenten, Patrick Lehy, schriftlich über die Abgabe und die spätere Wiederaufnahme der Amtsgewalt.

US-Präsidenten müssen einmal im Jahr zur Routineuntersuchung

Auch beim damaligen Präsidenten George W. Bush sei die Amtsgewalt wegen Vorsorgeuntersuchungen mit Narkose in den Jahren 2002 und 2007 für kurze Zeit an den Vizepräsidenten übertragen worden, betonte das Weiße Haus. Harris wollte in der Zeit als amtierende Präsidentin in ihrem Büro im Westflügel des Weißen Hauses arbeiten. Dort liegt auch das Amtszimmer des US-Präsidenten, das sogenannte Oval Office.

Gegen Freitagmittag (Ortszeit) flog Harris wie geplant zu einem Termin in den Bundesstaat Ohio. Biden wiederum wollte am Abend noch für das Wochenende in seinem Heimatstaat Delaware fliegen.

Für US-Präsidenten ist es Routine, sich mindestens einmal im Jahr im Krankenhaus Walter Reed untersuchen zu lassen. In der Regel werden im Anschluss auch – mehr oder wenige detaillierte – Informationen zum Gesundheitszustand des Präsidenten veröffentlicht.