WahsingtonIn den USA sind laut einer Studie seit Ende Januar rund 300.000 Menschen mehr gestorben als in den Vergleichszeiträumen üblich - und ein Großteil dieser Übersterblichkeit lässt sich auf die Corona-Pandemie zurückführen. Seit Ende Januar seien in den Vereinigten Staaten 299.028 mehr Menschen gestorben als gewöhnlich, heißt es in der am Dienstag veröffentlichen Untersuchung der US-Gesundheitsbehörde CDC. Davon seien 198.081 und damit zwei Drittel der Fälle direkt auf Covid-19 zurückzuführen.

Die Zahl der Todesfälle, die durch Herz-Kreislauferkrankungen, Alzheimer und andere Formen von Demenz sowie Atemwegserkrankungen verursacht wurden, nahm im gleichen Zeitraum laut CDC ebenfalls zu. Einige dieser rund 100.000 zusätzlichen Todesfälle könnten der Studie zufolge aber falsch klassifiziert worden sein - entweder wegen falscher Diagnosen oder weil die Betreffenden nicht auf das neuartige Coronavirus getestet wurden. Daher müssten womöglich weitere Todesfälle auf die Corona-Pandemie zurückgeführt werden, gaben die Studienautoren zu bedenken.

Altersgruppe der 25- bis 44-Jährigen verzeichnet größten Anstieg 

Außerdem verweist der CDC-Bericht auf die Möglichkeit von Todesfällen, die indirekt durch die Pandemie herbeigeführt wurden. Schließlich habe die Corona-Krise den Zugang zur Gesundheitsversorgung in den USA eingeschränkt. Positive Effekte etwa in Form von weniger Verkehrstoten wegen der Corona-Restriktionen schlossen die Studienautoren aber ebenfalls nicht aus. Frühere Studien haben ergeben, dass die Pandemie die Zahl der Todesfälle in den USA um etwa 20 Prozent erhöht hat.

Als Übersterblichkeit wird eine im Vergleich zu anderen Zeiträumen oder Erwartungswerten erhöhte Sterberate bezeichnet. Die Studie verglich den Zeitraum von Ende Januar 2020 bis zum 3. Oktober 2020 mit den durchschnittlichen wöchentlichen Todeszahlen zwischen 2015 und 2019.

Die höchste Übersterblichkeit, beinahe 95.000 Todesfälle, wurde laut der Studie in der Altersgruppe der 75- bis 84-Jährigen registriert. Die Altersgruppe der 25- bis 44-Jährigen allerdings verzeichnete mit 26,5 Prozent den größten Anstieg der Übersterblichkeitsrate.

Die Bevölkerungsgruppen in den USA sind der Studie zufolge bisher unterschiedlich stark von der Corona-Pandemie betroffen: Die Übersterblichkeitsrate bei Latinos und Schwarzen nahm jeweils um etwa 54 und 33 Prozent zu; die Todesfälle unter asiatisch-stämmigen US-Amerikanern erhöhte sich um etwa 37 Prozent. Dagegen ist die Übersterblichkeitsrate unter Weißen nur um etwa zwölf Prozent gestiegen.

Laut der Johns Hopkins University sind bisher in den USA mehr als 220.000 Menschen an dem neuartigen Coronavirus gestorben.