WashingtonDer Corona-Impfstoff des Mainzer Unternehmens Biontech und dessen US-Partner Pfizer steht in den USA kurz vor einer Notfallzulassung. „Gerade eben hat die FDA Pfizer darüber informiert, dass sie auf eine Zulassung hinarbeiten wollen“, sagte US-Gesundheitsminister Alex Azar am Freitag dem US-Sender ABC. Die US-Arzneimittelbehörde FDA bestätigte diese Angaben per Mitteilung. Auch die Gesundheitsbehörde CDC sei informiert worden, damit die Auslieferung des Impfstoffs dann rasch losgehen könne.

Die Notfallzulassung der FDA könne „in den nächsten Tagen kommen“, sagte Azar. „Am Montag oder Dienstag kommender Woche könnten wir sehen, dass Menschen geimpft werden.“ Die Gesundheitsbehörde CDC hatte sich zuvor dafür ausgesprochen, als erstes Mitarbeiter von Gesundheitseinrichtungen und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen zu impfen.

Trump beleidigt FDA auf Twitter

Der Antrag von Pfizer und Biontech hat bereits eine wichtige Hürde genommen: Ein Berater-Komitee der FDA hatte sich am Donnerstag nach stundenlanger Diskussion dafür ausgesprochen, eine Notfallzulassung für Menschen ab 16 Jahren zu gewähren. Bei dem per Video-Schalte abgehaltenen Treffen stimmten 17 der Fachleute für die Zulassung, 4 votierten dagegen. Es gab eine Enthaltung. Biontech-Mitgründer Ugur Sahin bedankte sich bei dem Komitee für die „positive Diskussion und Abstimmung“. Die Empfehlung des Berater-Komitees ist nicht bindend, meistens folgt die Behörde aber den Empfehlungen der Experten. Es wäre der erste in den USA zugelassene Corona-Impfstoff.

Der gewählte US-Präsident Joe Biden bezeichnete die Empfehlung des Komitees als „helles Licht in einer unnötig dunklen Zeit“. Der noch amtierende Präsident Donald Trump kritisierte die FDA dagegen via Twitter als große, „alte, langsame Schildkröte“ und forderte eine sofortige Zulassung. Trump hatte in der Vergangenheit bereits mehrfach politischen Druck auf die Behörde in Hinblick auf die Zulassung von Corona-Impfstoffen und -Therapien ausgeübt und war dafür scharf kritisiert worden. Wie die New York Times berichtete, lehnte die Trump-Regierung 100 Millionen weitere Impfdosen ab. Biontech und Pfizer weigerten sich, die USA zu priorisieren, dies sei der Grund für die Ablehnung.

In dem Land mit rund 330 Millionen Einwohnern haben sich bislang bereits rund 15,6 Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Seit Beginn der Pandemie starben rund 290.000 Menschen mit dem Erreger Sars-CoV-2. In absoluten Zahlen sind das mehr als in jedem anderen Land der Welt. Zuletzt war das Infektionsgeschehen wieder stark angestiegen. Die Maßnahmen dagegen sind landesweit sehr unterschiedlich, teilweise gibt es gar keine Einschränkungen.

Der Impfstoff von Biontech und Pfizer ist in Großbritannien, Kanada, Bahrain und Saudi-Arabien bereits zugelassen. In der EU wird ein Antrag auf Notfallzulassung derzeit geprüft, eine Entscheidung wird möglicherweise noch für dieses Jahr erwartet.