USA: Ex-Vizepräsident Pence erwägt Kandidatur gegen Donald Trump

Lange galt Mike Pence als engster Vertrauter Trumps, dann kam es zum Bruch. Nun hat der Ex-Vize eine Kandidatur für die Republikaner in Aussicht gestellt.

Der ehemalige US-Vizepräsident Mike Pence hat angedeutet, bei den kommenden Wahlen gegen Donald Trump antreten zu wollen.
Der ehemalige US-Vizepräsident Mike Pence hat angedeutet, bei den kommenden Wahlen gegen Donald Trump antreten zu wollen.AP/Charles Krupa

Der frühere US-Vizepräsident Mike Pence erwägt eine Kandidatur für den Chefposten im Weißen Haus – und sei notfalls auch bereit, gegen seinen einstigen Weggefährten Donald Trump anzutreten. Letztlich müsse das amerikanische Volk darüber entscheiden, ob dieser noch einmal Präsident sein könne, sagte Pence in einem am Montag ausgestrahlten Interview des TV-Senders ABC. Er denke aber, dass es in der Zukunft „bessere Alternativen“ geben werde.

Pence selbst sei gemeinsam mit seiner Familie dabei, über eine Kandidatur für die Republikaner nachzudenken, wie der rechtskonservative Politiker verriet. Und wenn das bedeuten sollte, gegen seinen einstigen Chef Trump anzutreten, sei er dazu bereit: „Dann wird es so sein.“ Trump selbst hat derweil für Mittwoch eine „sehr große Mitteilung“ versprochen. Beobachter rechnen mit der Verkündung einer erneuten Präsidentschaftskandidatur.

Pence: Trump hat sich entschieden, Teil des Problems zu sein

Pence gilt bei den Republikanern mit Blick auf die Wahl 2024 als ernstzunehmender Konkurrent Trumps, ebenso wie der aktuelle Gouverneur von Florida, Ron DeSantis. Bei den Demokraten will Präsident Joe Biden Anfang kommenden Jahres entscheiden, ob er für eine zweite Amtszeit kandidieren will. Er ging aus den Midterms vergangene Woche gestärkt hervor, nachdem das in vielen Umfragen vorhergesagte Wahldebakel der Demokraten und eine „rote Welle“ für die Republikaner ausgeblieben waren.

Das ABC-Interview zeigte auch, wie Trumps Verhalten während der Erstürmung des Kapitols in Washington am 6. Januar 2021 zum Bruch des Vize mit seinem ehemaligen Chef führte. Trumps Anhänger hatten das Parlamentsgebäude attackiert, während dort unter Vorsitz von Pence der Sieg des Demokraten Joe Biden bei der Präsidentenwahl im November 2020 offiziell besiegelt werden sollte.

Erstürmung des Kapitols: Trump wehrt sich gegen Untersuchungsausschuss

Der bereits abgewählte Präsident hatte die Menschenmenge zuvor bei einer Kundgebung in der Nähe des Weißen Hauses mit falschen Vorwürfen zu angeblichem Wahlbetrug aufgeheizt. Inwiefern Trump direkt für den Vorfall verantwortlich zu machen ist, wird derzeit in einem Untersuchungsausschuss geklärt. Vor kurzem erst reichten die Anwälte des Ex-Präsidenten Klage gegen eine Vorladung Trumps ein.

Während des Angriffs auf das Kapitol twitterte Trump, Pence habe „nicht den Mut gehabt, das zu tun, was getan werden sollte“. Dieser hatte sich im Vorfeld nicht auf Trumps Vorschlag eingelassen, Wahlergebnisse aus den Bundesstaaten unrechtmäßig abzulehnen. In der Menge waren auch Aufrufe zu hören, Pence zu hängen. Trumps damalige Äußerungen und Verhalten seien gefährlich gewesen, erklärte der 63-Jährige nun im Interview. „Die Worte des Präsidenten waren rücksichtslos. (...) Es war deutlich, dass er beschlossen hat, Teil des Problem zu sein.“

Vor seiner Zeit als Vize-Präsident und enger Vertrauter Donalds Trumps war Pence von 2013 bis 2017 Gouverneur im vorwiegend republikanischen Bundesstaat Indiana. Als Politiker gilt der 63-Jährige zwar als besonnener und zurückhaltender als sein ehemaliger Weggefährte, vertritt dabei aber nicht weniger radikale Ansichten. Nach eigener Darstellung glaubt der streng gläubige Evangelikale zudem weder an die Evolutionstheorie, noch an eine Gefahr durch den Klimawandel und setzte sich auch im US-Kongress bereits für christliche Lehren im Schulunterricht ein.