Menschen mit Masken gehen an Bord einer Fähre in Portland, Maine.
Foto: AP/Robert F. Bukaty

WashingtonDie Zahl der registrierten Corona-Fälle in den USA hat am Sonntag die Fünf-Millionen-Marke überschritten. Das geht aus Daten der Johns Hopkins University hervor. Mehr als 162.000 Menschen starben demnach an den Folgen einer Corona-Infektion. 

Zuletzt war die Zahl der Neuinfektionen in den USA, vor allem in Bundesstaaten im Süden und im Westen des Landes, wieder stark angestiegen. Die Schwelle von vier Millionen bekannten Infektionen war erst vor zweieinhalb Wochen überschritten worden.

Die Website der Forscher der Johns-Hopkins-Universität wird regelmäßig mit eingehenden Daten aktualisiert und zeigt daher einen höheren Stand bestätigter Infektionen als die offiziellen Zahlen der Gesundheitsbehörde CDC. In manchen Fällen wurden die Zahlen der Universität aber auch wieder nach unten korrigiert. Dem CDC zufolge gab es in den USA bis Samstag 4,92 Millionen bestätigte Corona-Infektionen und 160.000 Todesfälle.

Nach Angaben der WHO kamen allein innerhalb der vergangenen sieben Tage rund 375.000 Infizierte hinzu, in den letzten 24 Stunden waren es 61.021. Im Schnitt stecken sich in den USA rund 60.000 Menschen pro Tag mit dem Virus an. Seit Juli gab es nur zwei Tage, an denen weniger als 50.000 neue Infektionen innerhalb eines Tages gemeldet wurden.

Grafik: BLZ/Galanty; Quelle: Johns Hopkins University

Erneute Ausgangsbeschränkung gefordert

Ein renommierter Epidemiologe und ein führender Vertreter der US-Notenbank fordern im Kampf gegen die Corona-Pandemie die erneute Verhängung strikter Ausgangsbeschränkungen. Bis es eine Impfung gebe, werde es ohne einen neuen Lockdown Millionen weitere Coronavirus-Infektionen und zahlreiche Todesfälle geben, aber keine nachhaltige Erholung der Wirtschaft, warnten der Epidemiologe Michael Osterholm und der Chef des Büros der Notenbank in Minneapolis, Neel Kashkari, in einem Gastbeitrag in der New York Times.

„Es gibt keinen Zielkonflikt zwischen der Gesundheit und der Wirtschaft“, schrieben sie. „Beide verlangen es, das Virus aggressiv unter Kontrolle zu bringen.“ Die Geschichte werde hart über Amerika urteilen, wenn die aktuelle Chance, die Pandemie unter Kontrolle zu bringen, nicht ergriffen werde, schrieben sie in dem am Freitag (Ortszeit) veröffentlichten Gastbeitrag. Sie schlagen die Verhängung von Ausgangsbeschränkungen in den Bundesstaaten für jeweils sechs Wochen vor, um die Zahl der Neuinfektionen mindestens auf wenige Tausend pro Tag zu reduzieren.

US-Präsident Donald Trump und viele Gouverneure lehnen erneute einschneidende Beschränkungen des öffentlichen Lebens entschieden ab, weil diese der Wirtschaft schaden. Nach Ansicht vieler Gesundheitsexperten wurden die ursprünglichen Beschränkungen, die ab Ende März verhängt worden waren, zu schnell wieder aufgehoben. Anders als in europäischen und asiatischen Staaten wurde die Pandemie in den USA nie weitgehend unter Kontrolle gebracht.