In den USA hat ein Familienvater den Stalker seiner Tochter erschossen. Der Vorfall liegt zwar schon etwas länger zurück, doch in einem Interview mit der New York Times enthüllte die betroffene Familie nun zum ersten Mal Details darüber, was sich im Juli 2020 ereignete.

Die Familie erzählte demnach, dass Eric J. geradezu besessen war von der 13-jährigen Ava. Er sei ins rund 2000 Kilometer entfernte Florida gefahren, wo er das Mädchen am 10. Juli 2020 aufspürte. Morgens um 4.30 Uhr sei er vor dem Wohnhaus der Majurys aufgetaucht und habe mit einer Schusswaffe auf die Haustür gefeuert. Ava, ihre Mutter und Brüder versteckten sich daraufhin in einem Zimmer im hinteren Teil des Hauses, während der Vater seinen alten Dienstrevolver holte und sich durch die Hintertür nach vorne schlich.

Der ehemalige Polizist erschoss den Highschool-Schüler aus dem US-Bundesstaat Maryland, als dieser gerade versucht haben soll, auf ihn zu schießen. Wie sich später herausstelle, hatte die Waffe des 18-Jährigen Ladehemmungen. „Ich hatte Angst um meine Familie und musste einfach tun, was zu tun war, um sie zu beschützen“, erzählte Avas Vater später im Interview mit dem US-Sender ABC. Aufgrund des „Stand Your Ground“-Gesetzes, das seit 2006 in Florida gilt, musste sich der Vater nicht vor Gericht verantworten. Das Gesetz erlaubt es Hausbesitzern, im Falle einer subjektiven Bedrohung auf ihrem Grundstück Gewalt anzuwenden, um sich selbst zu schützen.

Avas Stalker wollte sexuelle Fotos

Doch wie konnte eine Internet-Schwärmerei so eskalieren? Eric J., bekannt als Follower „EricJustin111“, hatte das Mädchen mit Kommentaren unter ihren Postings und direkten Nachrichten bombadiert. Als Ava nicht reagierte, schrieb er alte Freunde von Ava in New Jersey an. Denen kaufte er nicht nur nie veröffentlichte Fotos von Ava ab, sondern auch ihre Handynummer.

In einigen der zahlreichen Texte forderte er Ava auf, ihm sexuelle Fotos zu schicken. Ava vertraute sich ihren Eltern an, woraufhin der Vater den Stalker daran erinnerte, dass seine Tochter minderjährig ist. Außerdem verbot er ihm, sie weiter zu anzuschreiben. Eric J. antwortete zunächst mit Drohtexten an Ava. Als sie seine Nummer geblockt hatte, schickte er Hassbotschaften an Freunde. Ermittler fanden später auf seinem Handy hunderte Fotos und Videos von Ava.

Ava verdient nun sogar Geld mit TikTok

Ava und ihre Familie waren kurz vor der Tat von New Jersey in die Stadt Naples in Florida umgezogen. Weil sie noch keine neuen Freunde gefunden hatte, erlaubten Avas Eltern ihr, sich bei TikTok anzumelden. Dort stellte sie hauptsächlich Sing- und Tanz-Videos von sich ein oder Videos, die zeigten, wie sie ihrer Familie Streiche spielt.

Die Familie ist inzwischen wieder umgezogen und Ava wird von ihrer Mutter zu Hause unterrichtet. TikTok und Instagram darf sie weiterhin nutzen und hat sogar bezahlte Kooperationen mit Kleidermarken. Mit über 1,2 Millionen Followern verdient sie schon mit gerade einmal 15 Jahren mehrere Tausend Dollar. „Es wäre unfair, zu verlangen, dass sie das aufgibt“, sagte der Vater der New York Times. Und die Mutter fügte hinzu: „Vielleicht ist es auch gut, weil ihr Fall das Thema Stalking auf Social Media an die breite Öffentlichkeit bringt.“