Der schwedische Energiekonzern Vattenfall stellt sein Wärmegeschäft in Berlin auf den Prüfstand. Eine Option ist ein Verkauf, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Vattenfall beliefert in Berlin 1,3 Millionen Wohnungen mit Warmwasser und Wärme. Basis sind vor allem Gas und Kohle.

„Vattenfall hat sich voll und ganz der Energiewende verschrieben, und wir haben umfangreiche Pläne, um in unseren operativen Bereichen die Nutzung fossiler Brennstoffe zu beenden“, begründete Vattenfall-Chefin Anna Borg die strategische Neubewertung. Anfang kommenden Jahres soll demnach eine Entscheidung fallen.

Berliner Fernwärmesystem gehört zu den größten Westeuropas

An das Vattenfall-Wärmenetz sind zehn große Kraftwerke angeschlossen. Als Brennstoff wird meist Erdgas genutzt, teils auch Biomasse. Die Heizkraftwerke Moabit und Reuter West verfeuern jedoch hauptsächlich Steinkohle.

„Durch einen Verkauf könnten wir finanzielle und personelle Kapazitäten/Ressourcen freisetzen, um uns auf unser weiteres Portfolio und unser Ziel – ein fossilfreies Leben innerhalb einer Generation – zu konzentrieren“, sagte Borg. Man werde nur an einen Eigentümer verkaufen, der die Transformation zuverlässig fortsetze.

Behalte Vattenfall die Berliner Fernwärme, werde man den Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids erheblich senken. „Unser Plan zur Dekarbonisierung der Berliner Wärme ist solide, schafft Werte und Sicherheit für die Zukunft.“ Vattenfall bekräftigte, in beiden Fällen eine wichtige Rolle bei der deutschen Energiewende spielen zu wollen. Das Land bleibe ein Schlüsselmarkt für den Konzern.

Das Berliner Fernwärmesystem ist eines der größten in Westeuropa. Heißes Wasser wird dabei über mehr als 1700 Kilometer lange Rohrleitungen zum Heizen in die Haushalte transportiert. Vor einigen Jahren hatte dass Land versucht, das Netz von Vattenfall zu übernehmen. Der Versuch scheiterte vor Gericht.