Ein ehemaliger Chefarzt steht wegen Verdacht auf Betrug und Untreue vor dem Amtsgericht Berlin-Tiergarten. Der 46-Jährige soll plastisch-ästhetische Leistungen in elf Fällen als medizinisch notwendige Eingriffe dargestellt haben, damit die Krankenkassen diese Leistungen übernehmen. Zudem soll er Präparate wie Botox über die Apotheke des Klinikums bestellt und für eigene ärztliche Nebentätigkeit verwendet haben. Der plastische Chirurg hat die Vorwürfe zu Prozessbeginn am Donnerstag zurückgewiesen.  Die Anschuldigungen seien aus der Luft gegriffen, erklärte er.

Dem damaligen Chefarzt für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie in einem Berliner Klinikum werden mutmaßliche Taten in der Zeit von August 2013 bis Juni 2015 zur Last gelegt. Krankenkassen hätten durch Täuschung Zahlungen in Höhe von rund 35.000 Euro geleistet, auf die das Klinikum keinen Anspruch hatte, heißt es in der Anklage. In diesen Fällen habe der Chirurg plastisch-ästhetische Leistungen falsch dokumentiert, „damit die Patientinnen für diese Leistungen nicht als Selbstzahler aufkommen mussten“.

Medikamente für 50.000 Euro über die Klinik bestellt und nicht erstattet

Der Arzt soll außerdem Botox, Hylase und Hyaloron im Gesamtwert von rund 50.000 Euro bestellt und die Präparate für seine eigene ärztliche Nebentätigkeit verwendet haben. Die Kosten habe er dem Klinikum nicht erstattet, so die Anklage. Zudem werden dem damaligen Chefarzt angebliche Unregelmäßigkeiten bei der Abrechnung von Selbstzahlerleistungen gegenüber dem Klinikum vorgeworfen. In einigen Fällen habe er dafür gesorgt, dass Eingriffe nicht in Rechnung gestellt worden seien.

Der Angeklagte erklärte über seine Verteidiger, er weise die Vorwürfe in vollem Umfang zurück. Für den Prozess sind bislang zwölf weitere Verhandlungstage bis zum 16. Juni vorgesehen.