Verdacht auf Spionage: Ukrainischer Geheimdienst durchsucht Klöster

Unter den durchsuchten Objekten ist auch das zum Unesco-Weltkulturerbe zählende Höhlenkloster. Im ganzen Land wurden Klöster der orthodoxen Kirche durchsucht.

Der Geheimdienst der Ukraine SBU führt eine Razzia im Kiewer Höhlenkloster durch.
Der Geheimdienst der Ukraine SBU führt eine Razzia im Kiewer Höhlenkloster durch.AFP/Sergei Chuzavkov

In der Ukraine hat der Geheimdienst SBU Razzien in mehreren Klöstern der ukrainisch-orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats vorgenommen und das mit Spionageabwehr begründet. Durchsucht wurde dabei auch das zum Unesco-Weltkulturerbe gehörende Höhlenkloster in der Hauptstadt Kiew, wie die Behörde am Dienstag mitteilte. Unterstützt wurde der Geheimdienst von Polizei und Nationalgarde. Ziel sei es, eventuell gelagerte Waffen und sich versteckende Spione und Saboteure aufzuspüren, hieß es. Durchsucht wurden auch mehrere Klöster der Kirche im westlichen Gebiet Riwne.

Auf Twitter teilte der SBU mit, dass man „Spionageabwehr-(Sicherheits-)Maßnahmen“ auf dem Territorium des Kiewer Höhlenklosters „Heilige Entschlafung“ in Kiew durchführe. 

Ukrainische Nationalisten fordern seit Langem, der größten orthodoxen Kirche den Komplex des Höhlenklosters zu entziehen. Dieser soll stattdessen der 2018 mit staatlicher Hilfe gegründeten orthodoxen Kirche der Ukraine übertragen werden. Die im Mittelalter angelegten Höhlen des Klosters sind mit ihren Reliquien ein Wallfahrtsort für orthodoxe Christen weit über die Ukraine hinaus.

Kreml wirft Ukraine „Militäraktionen gegen die russische Orthodoxie“ vor

Die Führung der ukrainisch-orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats hat sich nach dem russischen Einmarsch im Februar deutlich von Russland distanziert. Vor knapp einer Woche war jedoch während eines Gottesdienstes ein Lied mit der Wendung vom „Erwachen Mütterchen Russlands“ gesungen worden, woraufhin der SBU ein Ermittlungsverfahren einleitete.

Kremlsprecher Dmitri Peskow warf der Ukraine vor, „seit Langem“ einen Krieg gegen die russisch-orthodoxe Kirche zu führen. Die Durchsuchung des Kiewer Höhlenklosters sei „ein weiteres Glied in der Kette der Militäraktionen gegen die russische Orthodoxie“, sagte Peskow am Dienstag der Agentur Interfax zufolge.

Seit 2019 fordert die Ukraine vom geistlichen Oberhaupt der orthodoxen Christen weltweit die Erlaubnis, eine von Moskau unabhängige Kirche zu gründen. Gut 75 Prozent der Ukrainer gehören der orthodoxen Kirche an. Andere Konfessionen, darunter Katholiken und Protestanten, bilden mit ein bis zwei Prozent nur eine kleine Minderheit.