Berlin - Der heutige Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV), Thomas Haldenwang, hat die vor zehn Jahren aufgeflogene NSU-Mordserie als schmerzhaft für das Haus beschrieben. „Auch in unserer Behörde wurde das als Tiefpunkt und vollständiges Versagen empfunden“, sagte Haldenwang der tageszeitung. Der wichtigste Fehler in der Sache sei die mangelnde Zusammenarbeit zwischen den Sicherheitsbehörden gewesen.

„Auch für mich ist die Frage offen, wer eigentlich die Auswahl der Opfer getroffen hat und wer die Täter logistisch bei ihren Reisen durch das ganze Bundesgebiet unterstützte“, sagte Haldenwang. Auch fehle „umfassende Klarheit“ darüber, warum ein Mitarbeiter des Bundesamtes kurz nach dem Auffliegen wichtige Akten schredderte und warum sich ein Mitarbeiter des hessischen Verfassungsschutzes bei einem der Morde in Kassel am Tatort befand.

NSU ermordete neun Menschen mit Migrationshintergrund

Die rechtsextreme Zelle Nationalsozialistischer Hintergrund (NSU), bestehend aus Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos, hatte über Jahre hinweg insgesamt zehn Menschen ermordet sowie zwei Bombenanschläge und mehrere Raubüberfälle begangen. Erst 2011 fielen die drei nach einem Banküberfall einem Zeugen auf. Böhnhardt und Mundlos begingen vermutlich Suizid, als sich die Polizei näherte. Zschäpe wurde unter anderem wegen zehnfachen Mordes und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung rechtskräftig zu lebenslanger Haft verurteilt.

Unter den Ermordeten des NSU waren neun Menschen mit Migrationshintergrund. Die Ermittlungen kreisten immer wieder um das persönliche Umfeld der Opfer oder angebliche Verstrickungen in die Organisierte Kriminalität.

Haldenwang äußerte „großes Mitgefühl“ mit den Familien der Opfer. „Ich kann nur zu gut verstehen, dass sie unglücklich sind mit dieser ganzen Situation“, sagte er. „Auch bedauere ich, dass über so lange Zeit die Motive der Morde bei den Familien selbst gesucht wurden und später die Aufklärung nicht voran kam.“ Haldenwang arbeitet seit 2009 im BfV. Ab 2013 war er Vizepräsident der Behörde, 2018 folgte er auf den abgesetzten Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen.