Madrid - Etwa 230 Migranten haben am Donnerstag die sechs Meter hohe Grenzmauer zur spanischen Nordafrika-Exklave Melilla überwunden. Drei spanische Polizisten und 18 der aus Ländern südlich der Sahara stammenden Migranten seien verletzt worden, berichtete der staatliche spanische TV-Sender RTVE. Auf Videobildern der Zeitung El Faro de Melilla war zu sehen, wie die Menschen eine Straße in der Exklave entlangliefen, „Sieg, Sieg“ jubelten und „Asyl, Asyl“ riefen. Sie seien in ein Notaufnahmelager gebracht worden, wo sie wegen möglicher Corona-Infektionen in Quarantäne mussten.

Zehntausende Afrikaner wollen in die Europäische Union

Spanien hat in Nordafrika zwei Exklaven, die beide von Marokko beansprucht werden: Ceuta an der Meerenge von Gibraltar und das 250 Kilometer weiter östlich gelegene Melilla. In der Nähe beider Gebiete warten Zehntausende Afrikaner auf eine Gelegenheit, in die EU zu gelangen. Den größten Ansturm in der letzten Zeit gab es im April in Ceuta, als Marokko faktisch die Grenze öffnete und binnen weniger Stunden 8000 Migranten in die Exklave kamen. Die meisten wurden schnell wieder zurückgeschickt.