Schweinfurt/Düsseldorf - Nach der Verletzung eines Kindes bei gewalttätigen Corona-Protesten in Schweinfurt ist Anzeige gegen dessen Mutter erstattet worden. „Die Frau wurde nach dem Versammlungsgesetz angezeigt“, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Unterfranken am Montag. Sie habe sich nicht an Auflagen für die Demonstration gehalten und eine Absperrung durchbrochen. „Außerdem wird das Jugendamt von der Polizei über den Vorfall informiert.“

Das vierjährige Kind war mit einer Pfefferspraywolke in Kontakt gekommen und musste medizinisch versorgt werden. „Dem Kind geht es jetzt wieder gut“, hatte ein Polizeioberkommissar noch am Sonntagabend gesagt.

GdP-Chef: Kinder nicht als Schutzschilde zu Corona-Demos mitnehmen

Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Oliver Malchow, hat Eltern davor gewarnt, Kinder als Schutzschilde auf Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen einzusetzen. „Diese Mütter und Väter nehmen in Kauf, dass ihr Kind in eine gewalttätige Auseinandersetzung gerät“, sagte Malchow der Düsseldorfer Rheinischen Post. Oft seien sogar Kinderwagen bei den Protesten dabei.

„Kleine Kinder haben auf Demos nichts zu suchen“, sagte auch der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) in Bayern, Jürgen Köhnlein, dem Bayerischen Rundfunk. „Für mich ist dieses unverantwortliche Handeln von Erziehungsberechtigten ein Fall für das Jugendamt.“ Gerade wenn absehbar sei, dass sich Teilnehmer nicht an die Vorgaben des Versammlungsgesetzes hielten, sei die Mitnahme von Kindern „absolut unverantwortlich“.

Malchow beklagte eine zunehmende Radikalisierung bei Corona-Demos. Er forderte Menschen, die friedlich gegen die Impfpflicht demonstrieren wollten, auf, sich nicht von Extremisten instrumentalisieren zu lassen. „Wer zu unangemeldeten Demos geht und sich verdeckt beteiligt, muss wissen, dass er instrumentalisiert wird, oft von Rechtsextremisten“, warnte er.