Berlin/Leipzig - Im Internet kursierte tagelang ein inzwischen gesperrtes Video, das eine Szene aus einem Hundeführer-Lehrgang in Sachsen zeigt. Ein Polizeihund wird dabei von zwei Polizistinnen brutal verprügelt. Das Video stammt aus dem Sommer und wurde im Herbst der zuständigen Polizeidirektion Leipzig zugespielt, die daraufhin Ermittlungen gegen fünf Beamte einleitete. Der Vorwurf: Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Auf aktuelle Pressenachfragen zum Stand des Sachverhalts gab die Leipziger Staatsanwaltschaft Ende vergangener Woche bekannt, man habe das Verfahren eingestellt, weil sich kein Straftatbestand ergeben habe. Darüber sind Berliner Tierschützer entsetzt.

„Prügel macht im Hundetraining keinerlei Sinn – sie ist völlig kontraproduktiv, das ist eindeutig wissenschaftlich belegt“, sagt Xenia Katzurke, Verhaltenstherapeutin für Hunde im Tierheim Berlin. Die studierte Tierärztin arbeitet seit vielen Jahren mit traumatisierten, aggressiven Hunden und bereitet geeignete Kandidaten für einen späteren Einsatz in der Diensthundestaffel der Bundespolizei vor. „Was man in dem Video sieht, hat nichts mit einer fundierten Diensthundeausbildung zu tun – das ist schlichtweg Tierquälerei. Und deshalb ist es skandalös, dass die Leipziger Staatsanwaltschaft hier keinen Straftatbestand erkennen kann.“

Dass es überhaupt in einem Hundeführer-Lehrgang der Polizei zu solchen Auswüchsen kam, liegt laut Katzurke daran, dass weder eine standardisierte Ausbildung für Hundeführer noch eine bundesweit einheitliche Prüfungsordnung existiere. „Es gibt keinerlei Qualitätsmanagement, und das Thema Tierschutz spielt in der Ausbildung der Lehrwarte überhaupt keine Rolle, was man an der katastrophalen Arbeit des im Video verantwortlichen Lehrwarts nachvollziehen kann“, so Katzurke.

Der Tierschutzverein für Berlin fordert deshalb, den Tierschutz – von professionellen Tierschützern vermittelt – künftig als Lernziel in die Ausbildung der Hundeführer-Lehrwarte mit einzubeziehen. Zudem müsse es regelmäßige Nachschulungen und auch eine Kontrolle geben. „Ohne Tierschutz keine gute Polizeihundeausbildung“, sagt Xenia Katzurke. „Das ist auch für die Hundeführer sehr wichtig, denn wenn ein Hund von seiner Bezugsperson verprügelt oder anderweitig gequält wird, wird er sich früher oder später gegen diese Person wenden.“

Wie das Internetportal tag24.de berichtet, soll bei dem scharf kritisierten Hundeführer-Lehrgang in Sachsen auch eine verbotene Schlagwaffe gegen das Tier eingesetzt worden sein. Dabei soll es sich um eine Gerte gehandelt haben.