Adolf Hitler war ein großer Bewunderer des Berliner Bildhauers Ernst Moritz Geyger (1861–1941). Eine seiner monumentalen Skulpturen, ein lebensgroßer Marmor-Stier, galt seit dem Zweiten Weltkrieg als verschollen. Jetzt wurde das Kunstwerk nach mehr als 70 Jahren wiederentdeckt – im Berliner Humboldthain. Die Archäologen um Claudia Maria Melisch, 54, waren selbst überrascht von ihrem Fund.

Die drei Tonnen schwere Marmorskulptur „Der Stier“ wurde in den letzten Kriegstagen stark beschädigt. Es gab den Verdacht, dass sie bei der Neugestaltung des Humboldthains im Jahr 1948 vergraben wurde. Ungefähr dort, wo sie seit dem Jahr 1901 in dem Park gestanden hatte. Doch genau wusste es niemand – und auch der alte Standort musste erst mühsam auf alten Plänen lokalisiert werden. „Ich hätte nicht geglaubt, dass wir den Stier tatsächlich finden“, sagte Archäologin Melisch der Zeitung BZ. Ihr Team hatte zuvor geophysikalische Erkundungen im Park durchgeführt.

Kriegsmunition im Boden

Das Grabungsteam stieß schließlich Ende März in Zusammenarbeit mit dem Verein Berliner Unterwelten auf den Stier. Im Laufe der Jahrzehnte war die Skulptur von Wurzelwerk im Boden umschlungen worden. Neben ihr wurde offenbar auch alte Kriegsmunition gefunden. Der Unterwelten-Verein hofft nun, dass der wiederentdeckte Stier erneut im Humboldthain aufgestellt werden kann. „Er gehört auf diese Wiese“, so der Verein.

Stier-Schöpfer Geyger wird dies genauso wenig miterleben wie das vorherige Verschwinden seiner Marmorskulptur. Der Rixdorfer Künstler starb bereits 1941 in Italien. Hitler hatte Geyger im Jahr 1936 den „Ehrensold“ verliehen und einige seiner Werke erworben. Berühmt ist Geyger vor allem für seine oft kopierte Bogenschützen-Figur, die unter anderem im Park Sanssouci in Potsdam steht.