KölnDer Sprecher des Opfervereins Eckiger Tisch, Matthias Katsch, hat den Kölner Erzbischof im Zusammenhang mit der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen zum Rücktritt aufgefordert. „Er müsste den Mut haben und zurücktreten“, sagte Katsch der Deutschen Welle in einem Interview. Im Umgang mit den Betroffenen, der Öffentlichkeit sowie dem konkreten Fall, der ihm vorgeworfen werde, sei Woelki derart beschädigt, dass er sein Amt eigentlich nicht mehr ausüben könne.

„Es tut ihm nicht leid, was er falsch gemacht hat, sondern dass er dafür kritisiert wird“, erklärte Katsch zur Entschuldigung Woelkis in der Christmette. Der Erzbischof versuche eigentlich, die Gläubigen in Mithaftung zu nehmen und appelliere an den Herdeninstinkt. Es würden aber weder die Kirche noch die Gläubigen angegriffen. „Es geht um sein Fehlverhalten“, so Katsch. Er fügte hinzu: „Und ich finde das wirklich perfide, wie er sich hier hinter den Betroffenen verschanzt und jetzt auch noch versucht, hinter den Gläubigen seines Bistums zu verschanzen.“

Kardinal Rainer Maria Woelki hatte nach scharfer Kritik am Heiligabend im Kölner Dom gesagt, er habe zu den Sorgen in der Gemeinde wegen Corona „leider noch eine Bürde hinzugefügt“. Das bestätigte ein Sprecher des Erzbistums auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Demnach sagte Woelki im Anschluss an seine Predigt: „Was die von sexueller Gewalt Betroffenen und Sie in den letzten Tagen und Wochen vor Weihnachten im Zusammenhang mit dem Umgang des Gutachtens zur Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt in unserem Erzbistum, was Sie an der Kritik darüber und insbesondere auch an der Kritik an meiner Person ertragen mussten – für all das bitte ich Sie um Verzeihung.“ Mehrere Medien berichteten darüber.

Gutachten unter Verschluss gehalten

Der Kardinal steht in der Kritik, weil er ein von ihm in Auftrag gegebenes Gutachten zu sexuellem Missbrauch im Erzbistum wegen angeblicher „methodischer Mängel“ unter Verschluss hält. Er gab stattdessen ein neues Gutachten in Auftrag, das im März veröffentlicht werden soll. Außerdem gab es Vertuschungsvorwürfe in einem Fall von sexuellem Missbrauch durch einen inzwischen gestorbenen Geistlichen in den 1970er-Jahren. Woelki bat hierbei um Geduld bis März und bat um Vertrauen.

Sein vor zwei Jahren gegebenes Versprechen, „ungeschönt und ohne falsche Rücksichten“ aufzuklären und Verantwortliche zu benennen, gelte noch immer. Dazu sagte er: „Ich stehe weiterhin zu diesem Wort, auch wenn dies öffentlich gerade anders gesehen und angezweifelt wird.“ Er bat darüber hinaus auch Priester und alle in der Gemeinde Engagierten um Entschuldigung, dass sie ebenfalls von der Kritik getroffen würden, obwohl sich diese an das Erzbistum richteten – und vor allem an ihn persönlich.