Das Schmuck- und Unterhosenverbot in der Formel 1 sorgt für Unmut unter den Fahrern. Am Donnerstag hatte der deutsche Renndirektor Niels Wittich mitgeteilt, dass das eigentlich schon seit Jahren geltende Schmuckverbot im Cockpit aus Sicherheitsgründen nun auch konsequent umgesetzt werden soll. „Das Tragen von Schmuck während des Wettkampfs kann sowohl medizinische Eingriffe als auch die Diagnose und Behandlung erschweren, sollte dies nach einem Unfall erforderlich sein“, hieß es.

Zudem präzisierte man die Vorschriften zum Tragen der feuerfesten Unterwäsche, manche Piloten sollen noch ganz normale Unterhosen getragen haben. Sebastian Vettel machte sich vor dem Auftakttraining in Miami über die Regel lustig, indem er eine graue Shorts über dem Rennoverall trug – und ging damit viral. „Das ist persönliche Freiheit. Wir sind alt genug, unsere eigenen Entscheidungen zu treffen. Dann sollten wir das auch im Auto tun können“, sagte der 34-Jährige.

Hamilton: „Rückschritt für unseren Sport“

Lewis Hamilton hatte die Verbote als „Rückschritt für unseren Sport“ und „sehr, sehr dumm“ bezeichnet. Der Rekordweltmeister trägt meist mehrere Ohrringe und anderen Schmuck am Körper. Nun erhielt Hamilton einen Aufschub beim Schmuckverbot. Für das Training nahm der Brite all seine Ohrringe ab, nur ein Nasenpiercing nicht – dieses ist nicht ohne Weiteres zu entfernen. Dies bestätigte auch ein Arzt des Weltverbandes Fia. Hamilton erhielt nach übereinstimmenden Medienberichten dafür nun eine Ausnahmegenehmigung bis zum übernächsten Rennen in Monaco Ende Mai – bis dahin soll er das Piercing entfernen lassen.

Ralf Schumacher kritisiert Fahrer: „Kindergarten“

TV-Experte Ralf Schumacher kritisierte das Verhalten der Fahrer. „Es ist ein bisschen albern und es erinnert mich an Kindergarten“, sagte der frühere Formel-1-Pilot. Schumacher verwies auf die Vorbildfunktion von Weltmeistern wie Vettel und Hamilton. Es sei schade, „dass sich so erfahrene Leute, die schon so viele Unfälle gesehen haben, in der Art und Weise darüber lustig machen“, sagte der 46-Jährige.

Als Grund für die Maßnahmen gibt der Weltverband Fia an, dass Ringe, Ketten oder Piercings bei Notfällen unnötige Hindernisse für Ersthelfer und Ärzte darstellen könnten. Zudem könne Schmuck auf der Haut als Hitzeleiter die Schutzwirkung darüber liegender feuerfester Kleidung verringern. „Das erhöht das Risiko von Verbrennungen bei einem Feuer“, heißt es. Nicht zuletzt berge der Schmuck selbst die Gefahr von Verletzungen und könnte bei Unfällen verschluckt werden.

Happige Bußgelder

Die Bußgelder für Verstöße gegen das Verbot von Schmuck und regelwidriger Kleidung im Auto sind happig. Das erste Vergehen werde mit 50.000 Euro Geldstrafe geahndet, berichtete das Fachmagazin Auto, Motor und Sport. Wiederholungstäter müssten 125.000 Euro zahlen. Beim dritten Mal kostet es demnach 250.000 Euro sowie mehrere WM-Punkte.

Mercedes überraschend stark in Miami

Im freien Training gab dann George Russell überraschend das Tempo vor. Der Mercedes-Fahrer drehte auf dem 5,412 km langen Kurs in 1:29,938 Minuten die schnellste Runde – auch dank eines neuen Heckflügels. Lewis Hamilton untermauerte mit Platz vier (+0.241) den guten Eindruck der Silberpfeile.

Leclerc (+0.106) landete auf Platz zwei, Imola-Sieger Verstappen hatte hingegen mit technischen Problemen zu kämpfen und schaffte in der zweiten Session keine gezeitete Runde. „Ich kann überhaupt nicht lenken, sorry, die Lenkung hängt“, funkte der Niederländer an seine Red-Bull-Box. „Ein grauenvoller Tag“, meinte Teamchef Christian Horner.

Russell und Hamilton wollten das Ergebnis aber nicht überbewerten. „Bislang läuft es gut, aber wir heben nicht ab“, sagte Russell. Und Hamilton meinte: „Training ist Training.“ Er glaube nicht, dass die Konkurrenz ihr „wahres Tempo gezeigt“ habe.

Ex-Weltmeister Sebastian Vettel (Heppenheim) im Aston Martin und Haas-Pilot Mick Schumacher hatten noch Schwierigkeiten mit der neuen Strecke rund um das Hard-Rock-Stadium. Vettel wurde mit knapp anderthalb Sekunden Rückstand 15., Schumacher landete einen Platz dahinter (+1,649).