Video-Leak: Finnische Regierungschefin nach Party unter Beschuss

Ein Video zeigt die finnische Ministerpräsidentin Sanna Marin trinkend und feiernd. Inzwischen hat sie sich zum Video geäußert.

Die finnische Ministerpräsidentin Sanna Marin nüchtern.
Die finnische Ministerpräsidentin Sanna Marin nüchtern.AP/Olivier Matthys

An finnische Medien ist ein Video weitergegeben worden, das die finnische Ministerpräsidentin Sanna Marin trinkend und feiernd zeigt. Marin wird für den Auftritt heftig kritisiert. Das Video war Medienberichten zufolge zunächst als Story bei Instagram veröffentlicht worden und kursierte daraufhin in den sozialen Medien.

„Dieses Video zeigt die Premierministerin von Finnland (Brünette in weißer Hose und schwarzem Oberteil) auf einer privaten Party. Finnland leidet unter rekordhohen Strompreisen, einem Mangel an Fachkräften im Gesundheitswesen und in der Altenpflege, und so verbringt unser Regierungsoberhaupt ihre Zeit!“, schreibt ein Nutzer.

Die finnische Ministerpräsidentin Sanna Marin nicht so nüchtern.
Die finnische Ministerpräsidentin Sanna Marin nicht so nüchtern.Screenshot Twitter @Valavuori

Sport-Talkshow-Moderator Aleksi Valavuori meint: „Das ist Finnlands Ministerpräsidentin Sanna Marin. Einige sagen, sie sei cool … vielleicht unter anderen Teenagern. Aber eine verantwortungsvolle Anführerin für ein Land in der Krise?“

Doch nicht alle Nutzer sind empört. So schreibt ein User: „Die finnische Premierministerin Sanna Marin beweist, dass man hart feiern kann, wenn man hart arbeitet.“ Ein anderer meint: „Sanna Marin wird zu einem Symbol des Fortschritts und ich mag es. Wenn wir diese Konservativen immer um Erlaubnis gebeten hätten, gäbe es keine Premierministerinnen. Ich bin stolz darauf, dieses Video meinen Freunden und Kollegen zu zeigen. Die Welt und ‚akzeptable Werte‘ ändern sich.“

Marin: „Ich habe nichts zu verbergen und ich habe nichts Illegales getan“

Inzwischen hat sich die finnische Ministerpräsidentin zum Video geäußert: „Das sind private Bilder, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren“, sagte sie der Zeitung Iltalehti gegenüber. „Ich bin traurig, dass sie veröffentlicht worden sind.“ Sie habe darauf vertraut, dass sie nicht durchsickern würden.

Gleichzeitig sagte die Ministerpräsidentin: „Ich habe nichts zu verbergen und ich habe nichts Illegales getan.“ Bei der Feier in privaten Räumlichkeiten vor einigen Wochen habe sie Alkohol getrunken, aber keine Drogen konsumiert. „Ich habe keine Drogen genommen und habe daher auch kein Problem damit, einen Drogentest zu machen“, sagte die Politikerin am Donnerstag vor Journalisten in Helsinki. Auch Zeugin des Drogenkonsums anderer sei sie nicht geworden.

Mit ihren Freunden, zu denen etwa eine finnische Influencerin, eine Künstlerin und zwei Moderatorinnen zählen, sei sie anschließend noch in zwei Bars weitergezogen. Sie verbringe ihre Freizeit genau wie andere Menschen in ihrem Alter. „Ich hoffe, dass das akzeptiert wird“, sagte Marin dem Sender Yle. „Wir leben in einer Demokratie.“

Marin hat in der Vergangenheit schon mehrfach Aufmerksamkeit auf sich gezogen, weil sie etwa Rockfestivals besuchte und in Discos feierte. Auf einem ihrer Party-Ausflüge versuchten Mitarbeiter, sie zu erreichen, um ihr mitzuteilen, dass der Außenminister Corona-positiv sei, und sie infiziert haben könnte, doch hatte die Ministerpräsidentin ihr Diensthandy nicht dabei. Später entschuldigte Marin sich dafür.

„Ein junger Mensch, der Spaß hat. Na und.“

An ihrer Vorliebe für Partys scheiden sich in Finnland die Geister. Während viele gerade jüngere Finnen stolz auf ihre ausgelassene Ministerpräsidentin sind, hagelte es im Netz auch Kritik: „Das ist nicht Ministerpräsidenten-Niveau. Sie sollten wissen, wie Sie sich zu verhalten haben“, kommentierte etwa eine Nutzerin auf Twitter. Ein anderer Nutzer reagierte entspannt: „Ok. Ein junger Mensch, der Spaß hat. Na und.“

Der Abgeordnete Mikko Karna von der Zentrumspartei, einem von Marins Koalitionspartnern, erklärte am Donnerstag im Kurzbotschaftendienst Twitter, es wäre „klug“, wenn sich Marin freiwillig einem Drogentest unterzöge.

Antti Lindtman, Fraktionsvorsitzender von Marins Sozialdemokratischer Partei (SDP), sagte auf einer Konferenz seiner Partei am Donnerstag, die Regierungschefin habe die Unterstützung seiner Fraktion. „Ich sehe kein großes Problem darin, dass sie bei einer privaten Veranstaltung mit Freunden tanzt“, sagte er. Was einen möglichen Drogentest betreffe, so sei es Marins Sache, „das zu beurteilen“, fügte Lindtman hinzu.

Marin ist die jüngste Ministerpräsidentin in der Geschichte Finnlands. Bei ihrem Amtsantritt 2019 war sie mit 34 Jahren die jüngste Regierungschefin der Welt. Sie war bereits vor Auftauchen des Videos wegen in ihrem Amtssitz abgehaltener Partys unter Beschuss geraten.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, Gäste schrien im Hintergrund nach Kokain. Doch sollen die Gäste nach „Jallu“, einem finnischen Alkohol gerufen haben.